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Computermesse Cebit : 40 Prozent weniger Besucher – „ein voller Erfolg“

„Wir wurden für den Mut belohnt und für unsere große Entschlossenheit“, sagt Frese. „Wir sind disruptiv rangegangen als Branche.“ Das heißt in Hannover: konkretes Geschäft in den Hallen, Festivalstimmung auf dem zehn Fußballfelder großen Campus, dem Freigelände. Ziel sei es, die Leitveranstaltung für die digitale Transformation zu werden, betont der Cebit-Chef. Dass die „erste Cebit der neuen Zeitrechnung“ Potential hat, davon ist Frese überzeugt. Man habe die Basis für die Zukunft der Veranstaltung gelegt. Um wieder zu wachsen, müsse man der Messe noch zwei bis drei Jahre Zeit geben. Viele Unternehmen wollten das neue Konzept erst einmal begutachten.

„Die Cebit ist anders. Sie ist innovativ. Und sie ist jung“

Einige führende Veranstalter sind jetzt schon zufrieden: „Die Cebit ist anders. Sie ist innovativ. Und sie ist jung“, lobt Alexander Saul, Firmenkundenchef von Vodafone in Deutschland. Der Mobilfunkkonzern hat in Hannover – im Gegensatz zum Konkurrenten Deutsche Telekom, der diesmal als Aussteller der Messe fernblieb – abermals den großen Auftritt gesucht. Auf dem Freigelände mietete sich Vodafone im großen Maßstab ein, zeigte die Möglichkeiten des Internets der Dinge und der Gigabit-Netze. „Unsere Besucher waren durchweg begeistert, und wir glauben an die neue Cebit“, resümiert Saul.

Ähnlich klingen auch die Verantwortlichen von Salesforce. Der amerikanische Technologiekonzern hat Erfahrung mit Festivals. Mit der Dreamforce veranstaltet der SAP-Konkurrent jedes Jahr eine Messe in San Francisco, die dort die halbe Stadt lahmlegt. Auch auf der Cebit präsentiert sich Salesforce opulent, mit eigener Halle und 100 Ständen von Kunden und Partnern. Das Unternehmen gehört seit einigen Jahren zu den wichtigsten Ausstellern in Hannover. Und Deutschland-Chef Joachim Schreiner hört sich nicht an, als ob er daran direkt etwas ändern wolle: „Der Austausch mit anderen Entscheidungsträgern sowie die Inspiration aus erfolgreichen Praxisbeispielen und Erfahrungen anderer Unternehmen ist für die digitale Transformation unserer Wirtschaft wichtiger denn je. Deshalb geht die Entwicklung der Cebit auch in die richtige Richtung.“

Die Messegesellschaft rechnet unterdessen vor, dass die Cebit für sie trotz des gravierenden Besucherdefizits weiter eine gewinnträchtige Veranstaltung ist. Früher habe man die Aussteller vor allem nach Standfläche abgerechnet – ein Quadratmeter für 250 bis 300 Euro. Heute bezahlen die 2817 Unternehmen, Start-ups und Verbände für ein Paket von Leistungen, für ihre Präsenz im Konferenzbereich, in Talkveranstaltungen. „Sie machen mehr in vielen Formaten und laden damit die Veranstaltung auf. Und wir verdienen damit Geld“, sagt Frese. Mit vielen Ausstellern habe man jetzt sogar mehr verdient als vorher.

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