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Cebit 2018 : Wir sind die Borg, Widerstand ist zwecklos!

Captain Picard wurde von den Borg einmal entführt und umgewandelt. Bild: Picture-Alliance

Künstliche Intelligenz wird die Welt grundlegend verändern. Das Rennen um die Vorherrschaft läuft. Grund zur Freude – und zum Gruseln.

          Widerstand ist zwecklos. Der schlimmste Feind, den die friedfertige Föderation mit der Erde als Mittelpunkt im Star-Trek-Universum hat, rast in gruseligen Kuben durchs All. Schwarz, düster, leblos sehen die gewaltigen Raumschiffe aus, ihre bedrohlich beklemmenden Besatzungen bieten ein verstörendes Bild: Kybernetische Biomassen, Menschen, die mit Maschinen verschmolzen sind. Graublasse Haut, auf der sich dunkle Adern entlangziehen, Sensoren, schwarze Exo-Skelette, ein künstliches Auge, Kabel führen in die Köpfe hinein und wieder heraus. Kabel und Sensoren, über die jeder Borg mit jedem anderen verbunden ist, ein künstliches Kollektiv, in dem jeder zeitgleich all das mitbekommt, was jedem passiert, sofort reagieren kann, hochtechnisiert. Erschreckend. Und überlegen, als das Raumschiff Enterprise sich ihnen entgegen stellt, zumindest zuerst einmal. Statt einer höflichen Grußformel teilen die Borg darum auch jeder neuen Spezies, die sie treffen, mit Maschinenstimme bloß mit: „Wir sind die Borg. Widerstand ist zwecklos.“

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Zurück aus dem 24. Jahrhundert in unsere Zeit – ohne Überlichtgeschwindigkeit, weite Weltraumreisen, Teleportation: Eine künstliche Superintelligenz, die dem menschlichen Gehirn überlegen wäre, die gibt es nicht. Fachleute wissen bislang nicht einmal einen ganz genauen, planbaren Weg zu einer solch weitreichenden Erfindung. Entsprechende Diskussionen schießen gleichwohl ins Kraut, an Mahnungen mangelt es nicht, sich vielleicht heute schon damit auseinanderzusetzen und vorzubereiten. Das Stichwort lautet „Singularität“, ein echt einschneidendes Ereignis.

          Die Schwierigkeit an dieser hochspekulativen Debatte ist vor allem: Sie lässt sich nicht wirklich sinnvoll führen. Was wäre denn, wenn es so einen Supercomputer gäbe? Wie wäre sein Verhältnis zu Menschen? So wie zwischen Menschen und Menschenaffen? Würde ein Supercomputer nach Macht streben, Reichtum, danach, sich zu vermehren, Menschen und Tiere zu verdrängen? Philosophisch stecken durchaus spannende Gedankenexperimente dahinter, gerade auch, weil sie dem Menschen ermöglichen, über sich selbst nachzudenken, was er ganz gerne tut.

          Chinas Sputnik-Moment

          Derzeit viel wichtiger ist allerdings jene Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI), die sich mit den ziemlich gut absehbaren Folgen immer schlauerer Computerprogramme beschäftigt. Mit den Fortschritten der derzeit angesagten KI-Methoden, für die Begriffe wie „Deep Learning“, künstliche neuronale Netze, maschinelles Lernen stehen. Das ist auch einer der Schwerpunkte der IT-Messe Cebit, die an diesem Montag in Hannover beginnt.

          In den vergangenen Jahren sind Computerprogramme deutlich besser darin geworden, Bilder zuzuordnen, gesprochene und geschriebene Sprache zu verarbeiten, Muster zu erkennen. Große Unternehmen geben gewaltige Summen aus für Rechenleistung und heuern Talente rund um den Globus an. Am bekanntesten sind Tech-Konzerne wie Alphabet (Google), Facebook, Amazon, Apple oder ihre chinesischen Wettstreiter Alibaba, Baidu und Tencent. Autohersteller arbeiten an autonomen Fahrzeugen, Hedgefonds am autonomen Anleger, Genetiker an neuen datengestützten Therapieformen, die Industrie an der autonomen Fabrik.

          Im Schatten der Öffentlichkeit tüfteln unzählige Start-up-Unternehmer an cleveren Programmen, sehr speziellen Anwendungen und können dabei auf zwei Dinge hoffen: dass sie mit ihrer Idee ganz allein ganz groß werden oder dass ein Konzern sie so toll findet, dass er eine üppige Summe für eine Übernahme auf den Tisch legt. So geschah es zum Beispiel vor einigen Jahren mit einer bis dahin unbekannten britischen KI-Unternehmung namens Deepmind, die mittlerweile zu Alphabet gehört und mit Computerprogrammen beachtliche Erfolge erzielt. Für ihren Eigentümer ganz praktisch, erdachten ihre Mitarbeiter ein Programm, mit dessen Hilfe sich der Stromverbrauch der wichtigen Serverzentren merklich verringern ließ. Außerdem gewinnt mittlerweile Alpha-Zero benannte Software regelmäßig spannende Spiele gegen die besten menschlichen Spieler – Schach und vor allem das traditionsreiche chinesische Brettspiele Go, das ungleich schwerer zu berechnen ist; die Zahl der legalen Spielpositionen ist so groß wie die Zahl der Atome im bekannten Universum.

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