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Auftakt der Computermesse : Was die neue Cebit bietet

Am Montag öffnet die Cebit in Hannover ihre Türen. Bild: dpa

Am Montag startet die Cebit auf dem Messegelände in Hannover. Was erwartet Besucher dort? Ein Überblick.

          Alles neu macht der Juni: Zum ersten Mal findet die Computermesse Cebit im Sommer statt anstatt wie üblich im kühlen März. Mit den Temperaturen steigen in Hannover auch die Erwartungen an das IT-Spektakel mit seinem komplett veränderten Fokus. Die Ausstellung vom 12. bis zum 15. Juni soll anders als bislang nicht mehr nur bloße Produktpräsentation bieten, sondern regelrecht ein Festival sein. Die Deutsche Messe verspricht einen „Dreiklang aus Messe, Konferenz und Networking-Event“. Im Mittelpunkt steht die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie soll auf der Cebit in mehreren Plattformen „inszeniert„ werden. „Wer nicht kommt, verpasst die Zukunft“, droht und lockt der Veranstalter.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Vergangenheit hat die Cebit beständig verloren: Besucher, Aussteller, Relevanz, Themenbreite. Seit der Jahrtausendwende ist die Zahl der Besucher um rund drei Viertel gesunken. Zwischenzeitlich gab es sogar Stimmen, die Messe wieder mit der Hannover Messe zusammenzulegen. Von der größten Industrieausstellung der Welt war sie einst ausgegliedert worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte noch im vergangenen Jahr nachdrücklich für eine Eigenständigkeit der Cebit - doch wichtige Aussteller zogen schon Konsequenzen. Die Deutsche Telekom ist in diesem Jahr nur noch im Rahmen des Kongressprogramms präsent, nicht mehr jedoch mit einem eigenen Stand, der früher zu den größten in Hannover gehörte.

          Andere Unternehmen – wie der Cloud-Spezialist Salesforce – halten der Cebit dagegen die Treue: „Die Neupositionierung weg von einer reinen IT-Messe, hin zu einem Festival für Innovation und Digitalisierung war für uns ein wichtiger Grund, uns erneut als Premiumpartner zu engagieren“, sagt Deutschland-Chef Joachim Schreiner. Dessen Unternehmen hat wie im Vorjahr abermals eine ganze Halle (9) für sich gemietet. Dort findet sich die unter anderem die größte Gesprächsbühne der Messe, auf der 14 Keynotes gehalten werden. Auch die F.A.Z. gehört in diesem Jahr zu den Premiumpartnern der Cebit. Der Stand ist in der Halle 27 (Stand E51) zu finden.

          Ein dicht gepacktes Konferenzprogramm prägt den ersten Cebit-Tag: Am Montag (11. Juni) erörtern prominente Sprecher Themen wie die Arbeitswelt der Zukunft, die digitale Infrastruktur von morgen sowie die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die die neuen Technologien mit sich bringen. Eröffnet wird der Konferenztag durch den Virtual-Reality-Pionier Jaron Lanier, der schon in den 1980er Jahren entsprechende Hard- und Software entwickelte, darunter einen Datenhandschuh. Der Informatiker zählt heute zu den kritischsten Beobachtern des Internets. Er lehnt soziale Netzwerke prinzipiell ab und erhielt für seine mahnende Analyse der Geschäftsmodelle globaler Internetunternehmen den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

          Spannende Erkenntnisse sind auch von Auma Obama zu erwarten, der Halbschwester des ehemaligen amerikanischen Präsidenten. Obama versucht als Gründerin der Sauti Kuu Foundation finanziell und sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben. Einen seiner ersten öffentlichen Auftritte absolviert daneben Adel Al-Saleh, Chef des Telekom-Industriesparte T-Systems. IBM-Chefin Ginni Rometty eröffnet mit einer Keynote am Montagabend die Cebit offiziell. Sie will erläutern, wie KI Unternehmen und ihren Kunden hilft - unter der Voraussetzung, dass KI-Unternehmen verantwortungsvoll mit personenbezogenen Daten umgehen. Die Erinnerungsforscherin und Rechtspsychologin Julia Shaw spricht über ihre Forschung an der Schnittstelle von Gedächtnis und Künstlicher Intelligenz - und erläutert, wie es in Zukunft möglich sein wird, uns für immer an Lebensereignisse zu erinnern.

          Die generelle Palette der Themen und Aussteller ist breit und tief: Sicherheit und Hacker, die Blockchain und die Finanzwelt, Frauen in der Digitalisierung, Drohnen, Künstliche Intelligenz, Cloudcomputing, E-Learning, humanoide Roboter, das Internet der Dinge, der neue Mobilfunkstandard 5G, Digitalisierung und Karrieremöglichkeiten, die Zukunft der Mobilität und, und, und... Wer am Ende des Tages genug Informationen aufgesogen hat, den erwartet ein musikalisches Rahmenprogramm unter anderem mit Jan Delay - und sogar die Möglichkeit, auf dem Gelände zu campen. Tipp: Wem ein Dauerticket für 200 Euro oder ein Tagesticket für 100 Euro zu teuer ist, kommt am Freitag, nach Hannover: Dann kostet der Eintritt nur 20 Euro.

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