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Künstliche Intelligenz : Der neue Job kommt vom Bot

Digitale Helfer: Sind Roboter die besseren Personalvermittler? Bild: EPA

Algorithmen können Bewerber suchen, finden und sogar interviewen. Aber lassen gefragte IT-Leute das mit sich machen?

          „Willkommen! Schön, dich hier zu treffen. Ich bin Jobo, und ich werde dir helfen, deinen nächsten Job zu finden.“ Diese Zeilen stammen nicht etwa aus dem Gespräch mit einem Personalvermittler. Jobo ist noch nicht einmal ein Mensch. Er ist ein Chatbot, geschaffen von einem Berliner Start-up namens „Moberrys“ und dafür programmiert, Stellensuchende zu unterstützen. Sie sollen nicht länger ihre Wünsche in Online-Suchmaschinen tippen, sondern sich einfach im Facebook-Messenger mit Jobo unterhalten. Am Ende des Gesprächs liefert der Bot passende Stellenangebote. Hoffentlich.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Wer sich derzeit auf den Netzwerktreffen der Personalmanagerszene umhört, kommt an einem Schluss nicht vorbei: Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist auch hier angekommen. Algorithmen bahnen sich ihren Weg in einen Bereich, in dem das menschliche Urteil lange unabdingbar schien: die Auswahl von Mitarbeitern.

          Unternehmen auf Talentsuche

          Seit die Wirtschaft boomt und der demographische Wandel immer stärkere Spuren hinterlässt, klagen immer mehr Unternehmen über Schwierigkeiten, genügend oder die richtigen Talente zu rekrutieren. Besondere Sorgen machen sich die Pflegebranche, das Bauwesen, das Ingenieurwesen und die Informationstechnologie. 55.000 IT-Fachkräfte fehlen laut Branchenverband Bitkom derzeit in Deutschland. Am größten ist die Not bei den Softwareentwicklern. Laut der Fachkräfte-Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit dauerte es im Jahr 2017 durchschnittlich 148 Tage, bis ein Unternehmen die Stelle eines Softwareentwicklers besetzt hatte. Im Jahr 2016 hatte diese sogenannte Vakanzzeit noch 143 Tage betragen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen in der Branche erwarten laut Bitkom, dass sich der Mangel in Zukunft noch verschärfen wird.

          Da ist die Idee naheliegend, sich bei der Problemlösung digitale Helfer zu holen. Es geht dabei längst nicht nur um Chatbots wie Jobo, die allererste Anbahnungsgespräche mit möglichen Bewerbern führen können. Die Vision technikaffiner Personalfachleute ist es, den gesamten Bewerbungsprozess von Algorithmen gestützt zu bestreiten. Gerade wenn es darum geht, IT-Fachkräfte zu rekrutieren, sei das aber ziemlich gefährlich, sagt der Unternehmensberater Wolfgang Brickwedde, der sich auf digitale Personalrekrutierung spezialisiert hat. Schließlich habe man es hier mit einer sehr kritischen Klientel zu tun, die nicht unbedingt durch einfache Spielereien zu begeistern und von schlechter Funktionalität leicht abschreckbar sei.

          Trotzdem gebe es punktuell schon Technik, die auch bei der Suche nach anspruchsvollen Kandidaten hilfreich sei - und sie werde immer ausgereifter. „Dass es heute nicht mehr ausreicht, eine Stellenanzeige zu schalten und darauf zu warten, dass Leute sich bewerben, dass Rekrutierer aktiv werden und nach Kandidaten suchen müssen - all das ist mittlerweile bekannt.“ Den neuesten Trend findet Brickwedde aber, dass nicht mehr unbedingt Menschen auf diese Suche gehen müssen. „Da ist zum Beispiel Pocket Recruiter, ein Algorithmus, der das ganze Internet nach Kandidaten durchsucht, die zur gewünschten Stelle passen könnten, und dabei noch mit Künstlicher Intelligenz aus vergangenen Erfolgen oder Misserfolgen bei dieser Suche lernt“, sagt Brickwedde.

          „Robot Vera“ ist der neueste Schrei

          Künstliche Intelligenz lässt sich auch im weiteren Bewerbungsprozess einsetzen. Der neueste Schrei in der Personalmanagerszene ist dabei ein Algorithmus namens „Robot Vera“, der von dem russischen Start-up Stafory stammt. Vera übernimmt nicht nur die Kandidatensuche, sondern auch einfache Vorstellungsgespräche. Glaubt man ihren Machern, können Unternehmen, die auf Personalsuche sind, den Bot mit einer Stellendatenbank verbinden und Vera dort nach passenden Profilen suchen lassen. Sie kann Kandidaten anschreiben und ihnen Fragen zur Vorauswahl stellen. Etwa ob Interesse an einer Bewerbung besteht und der Arbeitsort in Frage kommt. In einem zweiten Schritt wird es richtig futuristisch: Dann klingelt das Telefon des Bewerbers. Am anderen Ende der Leitung hört er folgenden Spruch: „Hi, mein Name ist Vera, und ich bin ein Roboter. Suchst du noch immer einen Job?“

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