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Yossi Vardi : Mr. Tech verschwendet keine Zeit

Israels Start-up-Botschafter: Yossi Vardi posiert auf dem Messegelände der Cebit in Hannover. Bild: Daniel Pilar

Yossi Vardi ist auf der ganzen Welt gefragt: Als Gründer, als Investor und nicht zuletzt als Botschafter der israelischen Start-up-Szene. Besonders ein Start-up wird mit ihm in Verbindung gebracht.

          4 Min.

          An einem Tag tummelt er sich noch auf der „South by Southwest“-Konferenz im texanischen Austin, am nächsten Morgen ist er schon früh auf der Cebit in Hannover unterwegs. Dann Thailand, China, ein paar Tage zu Hause in Tel Aviv und weiter nach San Francisco: Yossi Vardi lebt in der „Cloud“, wie er selbst sagt. Nicht in der digitalen Wolke, in der Unternehmen große Mengen von Daten speichern, nein, in der echten. Denn ständig sitzt er im Flugzeug - und das im Alter von 73 Jahren.

          Britta Beeger
          (bee.), Wirtschaft
          Carsten Knop
          (Kno.), Herausgeber

          Joseph „Yossi“ Vardi ist ein Phänomen, in mehrfacher Hinsicht. Dass seine Meinung zu Digitalthemen heute auf der ganzen Welt gefragt ist, hängt mit einer Geschichte zusammen, die 1996 begann: Sein Sohn Arik und drei seiner Freunde kamen damals auf Vardi zu, baten um ein Geld für eine Geschäftsidee. Worum es genau ging, wollten sie ihm nicht verraten, Vardi gab ihnen dennoch 75.000 Dollar. Heraus kam ICQ, der erste Direktnachrichtendienst im Internet. „Der Rest ist Geschichte“, sagt Vardi. Was er meint: Mirabilis, so hieß das Unternehmen der vier Freunde, verkaufte ICQ anderthalb Jahre später an AOL, für mehr als 400 Millionen Dollar.

          Mehr Videos und Berichte von der IT-Messe Cebit finden Sie auf unserer Themenseite.

          Seitdem war in Israel oft vom „Mirabilis-Effekt“ zu hören: Plötzlich eiferten Vardi viele junge Menschen nach und machten sich auf die Suche nach der einen großen Idee. Israel gilt inzwischen als „Start-up-Nation“, so schreiben es auch Dan Senor und Saul Singer in ihrem 2012 erschienenen gleichnamigen Buch. Gerade Tel Aviv, wo auch Vardi lebt, gilt als Mekka für Start-ups: Kaum irgendwo auf der Welt werden so viele junge Unternehmen gegründet, wird so viel Risikokapital je Kopf investiert, gilt das Ökosystem als so ausgereift.

          Hört man sich um, woran das liegt, bekommt man verschiedene Antworten: Die israelische Armee, insbesondere die berüchtigte Eliteeinheit 8200, soll eine wichtige Rolle spielen, da sie junge Männer und Frauen nicht nur zu Fachleuten auf dem Gebiet der Cybersicherheit ausbildet, sondern ihnen auch beibringt, selbständig zu denken und früh kleine Einheiten zu leiten. Dann sind da noch die sehr guten Universitäten und die Unterstützung durch den Staat. Vardi aber sieht noch einen anderen Grund: die Erziehung durch die jüdische Mutter. Sie würde ihren Kindern immer wieder sagen: „Nach allem, was ich für dich getan habe, ist ein Nobelpreis wirklich zu viel verlangt?“ Seine eigene Mutter, erzählt Vardi, habe ihm sogar immer wieder gesagt, im Gegensatz zu all seinen Cousins sei er ein Idiot. Ob das nicht Spaß war? „Da bin ich mir nicht so sicher“, sagt Vardi.

          „Ideen sind überflüssig“

          Man weiß bei ihm oft nicht so genau, wann er scherzt und wann es ihm ernst ist. Vieles erzählt er mit einem Augenzwinkern, immer beobachtet er sein Gegenüber, wartet auf eine Reaktion, im besten Fall ein Lachen. Sicher ist jedoch, dass Vardi selbst zu der Entwicklung der israelischen Start-up-Szene viel beigetragen hat. Nicht nur, weil ICQ eine Welle an Gründungen auslöste, sondern auch, weil er seitdem in 86 israelische Start-ups investierte oder sie mitgründete.

          Während die ganze Branche auf der Jagd nach dem nächsten großen Ding ist, dem nächsten Twitter, Facebook oder Uber, sagt Vardi, die Geschäftsidee sei ihm nicht wichtig, auch wenn er sich grundsätzlich für Unternehmen interessiere, die sich an Privatkunden wendeten. Das sei aber zweitrangig, vielleicht sogar die falsche Strategie. Deshalb suche er Talente. Und hat dafür auch gleich eine Erklärung parat. Die Internetwelt verändere sich laufend und mit ihr die Geschäftsmodelle. Kluge Gründer hörten auf die Stimme des Marktes und gründeten so die erfolgreichsten Unternehmen. Was etwa den Erfolg von ICQ ausmache, habe er nie verstanden. „Früher dachte ich, Ideen seien überbewertet. Heute glaube ich, sie sind überflüssig“, sagt Vardi. Ihm geht es um die Menschen, denen er Geld gibt.

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