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Cebit 2014 : Den digitalen Heckenschützen auf der Spur

  • -Aktualisiert am

Liegt sicher in ihren Händen: das neue Kanzler-Smartphone Bild: picture alliance / dpa

Auf der Cebit geht es auch um Sicherheitstechnik für Computer. Kein Wunder: Diebe und Piraten fügen Staat und Wirtschaft Schäden in Milliardenhöhe zu.

          Die Unternehmen stehen unter Dauerbeschuss. Ralf Koenzen kennt sich da aus. Der Gründer, Chef und Anteilseigner der Aachener Lancom Systems sieht im Internet nicht nur ein „wundervolles Instrument moderner Technik“. Für ihn ist es auch ein Nest von digitalen Viren, Würmern und Heckenschützen. Mit ihrer Hilfe wird gestohlen und betrogen, bespitzelt und spioniert, was das Zeug hält. Der Schaden für die deutsche Wirtschaft beläuft sich jeden Tag auf bis zu einer viertel Milliarde Euro; Tausende Firmen sind betroffen. Wer sich nicht schützt, geht unter. Das macht Sicherheit zu einem Riesengeschäft. Koenzen ist hier gut im Rennen.

          Er stellt mit seiner Aachener Firma Lancom Systems Hochsicherheitsgeräte für den Datenverkehr im Internet her. 170 Mitarbeiter, 35 Millionen Euro Umsatz. Klein und fein. Die sogenannten Router aus seinem Haus machen das Netz der Netze zu dem, was es ist: die zentrale Schaltstelle der modernen Gesellschaft. Massenhafte Abhör-, Datendiebstahl- und Spionageskandale aber haben in den vergangenen Monaten viele Nutzer geschockt. Darüber hinaus sind Millionen Computer bereits von Cyber-Kriminellen gekapert, Hunderttausende Router gehackt, geknackt und manipuliert worden. Kein einziges Gerät stammte aus dem Hause von Lancom Systems. Die Geräte von Koenzen halten bislang, was sie versprechen: Sie gelten als sicher. Das hat er sich amtlich beglaubigen und zertifizieren lassen. Nun setzt er auf Wachstum.

          Merkel in die Hände gedrückt

          Auf der Cebit in Hannover hat Koenzen einen seiner neuartigen Router Angela Merkel in die Hände gedrückt. Die Bundeskanzlerin blickte gewohnt skeptisch auf die mausgraue Kiste. „Alles, was dort an Daten reingeht, wird verschlüsselt“, sagt Koenzen. Alles, was rauskomme, sei sicher. „Das wollen wir dann auch mal hoffen“, meint die Kanzlerin. Sie lacht. Koenzen lächelt. Während er ihr die Arbeitsweise seiner Geräte zu erklären versuchte, wiederholte sie ihr Mantra von der Sicherheit der digitalen Welt. Ohne Computer und Internet laufe heute nur noch wenig; ohne Sicherheit fast nichts mehr. Merkel geht auf Nummer sicher.

          Sie hatte auf ihrem zweistündigen Rundgang über die weltgrößte Computermesse an jeden Stand ein neues Gerät in der Hand und einen flotten Spruch auf den Lippen. Firmen mit Programmen und Systemen für die Sicherheit von Computern standen ganz oben auf ihrer Agenda – von Lancom bis Secunet, von der russischen Kaspersky bis zu Unify (ehemals Siemens Enterprise Communications). Bei Secusmart, dem Düsseldorfer Hersteller des sogenannten Kanzlerhandys, blieb sie einen Augenblick länger. War im vergangenen Jahr doch bekannt geworden, dass ein amerikanischer Geheimdienst das private Mobiltelefon der deutschen Regierungschefin jahrelang abgehört hatte. Die deutschen Sicherheitsbehörden waren baff und blamiert; Merkel war geschockt und stocksauer. Nun schöpft sie neue Zuversicht.

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