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Cebit 2014 : Den digitalen Heckenschützen auf der Spur

  • -Aktualisiert am

Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle führte ihr ein Telefon vor, das auch im Festnetz jeden Ton, jedes Wort und jeden Satz verschlüsseln kann. Kryptographie für den Alltag. Was Lancom mit seinen Routern, macht Secusmart mit seinen Telefonen. „Unsere Geräte sind High-End“; sagt Secusmart-Chef Quelle. Das Beste vom Besten. Nicht ganz billig, doch Sicherheit hat ihren Preis. Wer hier spart, dem kommt das teuer zu stehen. Wie bei Lancom kommen auch viele Secusmart-Kunden aus der großen Politik. Security Made in Germany. Darauf setzt auch die deutsche Wirtschaft.

„Rollende Computer“

Vernetzt die hiesige Industrie doch gerade ganze Maschinen und Zehntausende Produkte mit modernster Chiptechnik. VW-Chef Martin Winterkorn nannte in Hannover die Autos seines Konzerns „rollende Computer“. Im vergangenen Jahr nannte der Chef von Airbus, Thomas Enders, die Flugzeuge seines Hauses „fliegende Rechner“. Dieses Jahr führt der Schwermaschinenbauer MAN in Hannover riesige Maschinen mit stecknadelkopfgroßen Steuerbausteinen vor. Solche Chips werden in Zukunft mehr Daten liefern und verarbeiten als heute ein mittelgroßer Netzwerkcomputer. Rechenwunder.

Motoren und Getriebe von Autos und Flugzeugen sind mittlerweile mit Sensoren und Aktoren nur so gespickt. Sie liefern Daten über jede Drehung, Bewegung und jeden Arbeitsschritt. Mit den Mini-Chips werden ganze Fabriken quasi zum Sprechen gebracht. Diese Digitalisierung gilt als die vierte industrielle Revolution. Henning Kagermann, Präsident der Akademie der Technikwissenschaften, ist einer ihrer der geistigen Väter. Er hatte vor Jahren Ideen, Konzepte und Pläne für das sogenannte „Internet der Dinge“ entworfen, ein Kommunikationsnetzwerk für Betrieb und Werke. Bundeskanzlerin Merkel spricht auf der Cebit oft und gern von der Industrie 4.0.

„Wie einst bei den Hochdruckkesseln im Zeitalter der Dampfmaschine ist Sicherheit auch heute in Zeiten der Digitalisierung eine notwendige Voraussetzung für die weitere Entwicklung“, sagte Kagermann. Er weiß, wovon er spricht. Er ist Professor für Physik, war jahrelang Vorstandsvorsitzender von Europas größtem Softwarehaus SAP und führt nun die Gilde der deutschem Ingenieure an. Ein Meisterdenker und Berater der Kanzlerin. In Hannover legte er eine Strategie für das Management der bei der künftigen Produktion in den Konzernen anfallenden Daten vor. Mehr Informationen als in allen Büchern der Welt stehen. Daher spricht die Branche von Big Data, dem Sammeln und Auswerten riesiger Mengen an Informationen. Kagermann nennt das ein Geschäft mit einem weltweiten Umsatzpotential von Hunderten Milliarden Euro im Jahr. „Vorausgesetzt es ist sicher“.

So ziehen Unternehmen aller Branchen und Industrien aller Zweige mit der Digitalisierung ihrer Fertigungsanlagen auch ihre technischen Schutzmauern hoch. Von Volkswagen bis BMW und Daimler, von Bosch bis Freudenberg und SAP. Die IT-Budgets für sichere Computer, Programme und Netzwerke sind nach Angaben des Analystenhauses Gartner in den Konzernen deutlich aufgestockt worden. Zwischen IT-Industrie und dem verarbeitenden Gewerbe Deutschlands hat sich eine „Allianz für Cybersicherheit“ gebildet.

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