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Jack Ma auf der Cebit : Ein Weltstar in Hannover

Jack Ma während einer Rede an der Universität in Taipei. Bild: AFP

Alibaba-Chef Jack Ma eröffnet heute Abend die Cebit. Dabei trifft er auf einen wichtigen Regierungsvertreter - doch die Regierung hat Jack Ma kürzlich heftig ausgebremst.

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          Die Cebit eröffnet heute ein Weltstar, der noch nie in Deutschland zu sehen war: Jack Ma, der legendäre Gründer und Chef des chinesischen Internetversandhauses Alibaba, kommt nach Hannover.

          Bettina Weiguny
          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So schnell sei die Kongresshalle noch nie ausgebucht gewesen, heißt es von Seiten des Veranstalters. 2800 Menschen wollen den Mann live erleben, der innerhalb von 15 Jahren vom einfachen Lehrer zum reichsten Mann Chinas aufgestiegen ist. Seit ihm vorigen Herbst der größte Börsengang aller Zeiten gelungen ist, wird er durchaus als neuer Steve Jobs gehandelt.

          Dabei kommt Ma zu einem kritischen Zeitpunkt nach Deutschland. Sein Image ist erstmals angekratzt. Innerhalb von drei Monaten hat die Alibaba-Aktie ein Drittel ihres Wertes wieder eingebüßt und Ma gleich zwei Titel: Er ist momentan weder der reichste Chinese noch der reichste Mann des Internets. Den Titel hat er an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zurückgeben müssen.

          Chinas Regierung droht Alibaba

          Und wie kam es dazu? Es war die chinesische Regierung, die einmal mehr eindrucksvoll demonstriert hat, wer über die Karrieren in dem Land entscheidet. Anfang Februar nämlich fuhr die Regulierungsbehörde in Peking Ma gewaltig an den Karren : Die mächtige Behörde prangert den aus ihrer Sicht allzu nachlässigen Umgang von Alibaba mit gefälschten Produkten an und drohte einzuschreiten. Das wiederum rief die Amerikaner auf den Plan. Die Börsenaufsicht dort untersucht seither, ob Alibaba vor seinem Börsengang in New York das Problem mit Fälschungen angemessen im Börsenprospekt berücksichtigt hatte.

          Beides verunsichert die Börsianer, Profiinvestoren verkaufen, was das Zeug hält. Zudem läuft dieser Tage die Haltefrist für Altaktionäre aus, das könnte einige dazu veranlassen, Kasse zu machen, denn noch liegt der Kurs mit 80 Dollar deutlich über dem Ausgabekurs von 68 Dollar.

          Über all dies könnte Ma heute in Hannover trefflich diskutieren. Denn als Redner geladen ist auch Chinas Vize-Premier Kai Ma. Tuchfühlung zwischen Self-Made-Unternehmer und Politfunktionär ist unvermeidlich: Während der Feierlichkeiten sitzt der Regierungsvertreter neben Jack Ma und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch für ein Foto werden sie gemeinsam posieren müssen. Und am Montag treffen sie sich dann abermals zum Messerundgang mit Vizekanzler Sigmar Gabriel, der die Kanzlerin vertritt. Die empfängt in Berlin den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko.

          Leider war vorab nicht zu erfahren, worüber der Alibaba-Chef sprechen wird. Der geübte Redner spricht nämlich wie immer völlig frei, ein Manuskript gibt es nicht. Bei seinem jüngsten Auftritt in Davos Ende Januar hatte Ma sich auch ziemlich deutlich zu seinem Verhältnis zu Peking geäußert. Am liebsten sei es ihm, wenn er von der Regierung nichts hört und sieht. (Die Retourkutsche kam dann umgehend.)

          Vermutlich wird Ma diesmal weniger über Fälschungen und Börsenprospekte sprechen als über seine jüngste Einkaufstour. In London hat er sich gerade an einem Bezahldienst beteiligt. In Amerika will er 200 Millionen Dollar in Snapchat investieren und steigt mit einem eigenen Rechenzentrum ins Cloud-Geschäft ein. Zudem expandiert er ins Unterhaltungsbusiness: Um der Netflix Konkurrenz zu machen, produziert er künftig selbst Fernsehfilme.

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