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Cebit : Ein Netz für alle Fälle

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Bild: F.A.Z.

Es gab oft Streit auf der größten Computermesse der Welt, ob ein Aussteller mit seinen Produkten nicht zu profan sei für die Technikmesse. Jetzt wird die Messe zur Show für Unterhaltungselektronik.

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          Es gab oft Streit auf der größten Computermesse der Welt. Vor Jahren mußte Sony sogar seine Spielkonsole Playstation von der Cebit entfernen: Zu nah an der Unterhaltungselektronik, zu profan für die Cebit lauteten die Argumente. Diese Restriktionen sind Geschichte: Das „Centrum für Büro- und Informationstechnik“, heute kurz Cebit genannt, wandelt sich zu einer Show für Unterhaltungselektronik.

          Viele Geräte, die von Donnerstag an in Hannover gezeigt werden, gehören nicht ins Büro, sondern in den privaten Haushalt. Die Digitalisierung der Wohnzimmer mit Festplattenrecorder, digitalem Fernsehen sowie die Vernetzung der Unterhaltungs- und Haushaltsgeräte ist jetzt reif für den Massenmarkt. Die Grundlage ist gelegt. Immer mehr Musik, Bilder und Filme liegen im Haus in digitaler Form vor.

          Internet aus der Steckdose

          Was sich in den Hallen der Kommunikationstechnik mit ihren Angeboten an Mobiltelefonen, den Ständen der großen Telefongesellschaften und den zahlreichen Diensteanbietern schon seit einigen Jahren zeigt, erobert jetzt endgültig auch die Hallen 1 und 2 - früher der Hort der Computerhersteller mit ihren großen, grauen Kisten. Geräte für die Privatanwender machen einen großen Teil der Exponate aus.

          Als Basis für den digitalen Haushalt wird in den Hallen die Netzwerktechnik demonstriert, mit der die Inhalte verteilt werden können. Dies sind auf der einen Seite die Wireless-Lan (W-Lan) genannten lokalen Funknetze, die Daten mit ausreichender Geschwindigkeit transportieren können. Aber auch die Verteilung über das Stromnetz in der Wohnung macht gute Fortschritte. Ohne Rücksicht auf Deckenkonstruktionen aus Stahlbeton, mit denen W-Lan noch Schwierigkeiten hat, werden inzwischen ähnlich hohe Datenraten erreicht.

          Inkompatibilität von Geräten

          An zweiter Stelle stehen die Geräte für die Aufzeichnung, Speicherung und Wiedergabe der Daten. Hier haben in den vergangenen Monaten vor allem die Festplattenrecorder einen enormen Zuspruch erhalten und gehören auch auf der Messe zu den Highlights. Diese Geräte speichern Fernsehaufnahmen zunächst auf einer Festplatte, bevor sie auf DVD gebrannt werden können. Sie bieten allerdings mehr als die Fortsetzung der Videoaufzeichnung mit anderen Mitteln. Die Geräte können gekaufte DVD-Filme ebenso abspielen wie MP3-Musikdateien.

          Sie können Bilder-CDs lesen und auf dem Fernseher ausgeben und sind inzwischen netzwerkfähig. Das führt dazu, daß sie über drahtlose oder kabelgebundene Netze auf die Musik- oder Filmsammlung auf dem Computer im Nebenraum zugreifen können. Einziger Nachteil dieser Technik ist bisher, daß viele Anbieter mit eigenen, sogenannten proprietären Softwarelösungen arbeiten, was zur Inkompatibilität von Geräten verschiedener Hersteller führen kann.

          Heute nicht mehr zu profan

          Genau an dieser Stelle setzt der Softwarekonzern Microsoft an und versucht, seine Windows Media Center Edition mit Macht als Softwarelösung zur Steuerung des digitalen Haushalts zu etablieren, um einen ähnlich dominanten Standard zu setzen wie schon im Segment der Betriebssysteme für den Computer.

          All dies ist der Cebit heute nicht mehr zu profan und die Aussteller sind herzlich willkommen. Dennoch bleiben heute große Aussteller der Messe fern, weil sie glauben, ihre kombinierten Produkte aus Computer und Unterhaltungsmaschine nicht richtig präsentieren zu können. Philips, Pioneer oder Canon hadern mit der Messe und setzen vollständig auf die Internationale Funkausstellung, die Anfang September in Berlin startet. Dies wird eine Herausforderung, der die Messe mit neuen Konzepten begegnen muß.

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