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Cebit 2005 : In Festnetz und Mobilfunk fallen die Preise

  • Aktualisiert am

Handyhersteller präsentieren neue Modelle auf der CeBit Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das Breitband-Internet wächst rapide - und mit ihm das Tempo auf der Datenautobahn. Die Cebit wird aber auch Antworten auf die Frage geben müssen, was die Kunden mit dieser Übertragungsgeschwindigkeit anfangen können.

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          Das Breitband-Internet wächst rapide - und mit ihm das Tempo auf der Datenautobahn. Nach Versatel und Hansenet hat nun auch die Deutsche Telekom im Vorfeld der Cebit angekündigt, die maximale Übertragungsgeschwindigkeit in diesem Jahr auf sechs Megabit je Sekunde zu verdoppeln. „Darüber hinaus wollen wir in einer deutschen Großstadt DSL mit einer Übertragungsrate von bis zu 25 Megabit je Sekunde anbieten“, sagte Walter Raizner, Vorstand Breitband/Festnetz der Deutschen Telekom, am Montag in Bonn.

          Die Stadt hat Raizner nicht verraten. Hoffnung können sich aber viele Großstädter machen, denn auch für Kunden von United Internet ist dieses Tempo nicht mehr in weiter Ferne. „Wenn wir eine eigene Infrastruktur aufbauen, wird es gleich die „ADSL 2 plus“-Technik sein - mit am Ende bis zu 25 Megabit je Sekunde Übertragungsgeschwindigkeit“, sagte der United-Internet-Vorstandsvorsitzende Ralph Dommermuth dieser Zeitung vor kurzem.

          Neue Möglichkeiten für das Bezahlfernsehen

          Die Cebit wird aber auch Antworten auf die Frage geben müssen, was die Kunden mit dieser Übertragungsgeschwindigkeit anfangen können. Bisher ist den Unternehmen nur eine Antwort eingefallen: Fernsehen. „Mit diesen Bandbreiten können sich die Menschen das Fernsehprogramm zeitversetzt anschauen. Wir stellen die Verbindung zu den Netzwerkrechnern her, auf denen die Programme gespeichert werden“, sagte Andreas Heinze, Deutschland-Geschäftsführer des Telekommunikationsunternehmens Versatel.

          Das schnelle Internet schaffe neue Möglichkeiten für das Bezahlfernsehen und interaktive Programme. T-Online hat dazu eine Kooperation mit der Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe vereinbart. T-Online-Kunden können sich die Eigenproduktionen des Münchner Senders zu jeder gewünschten Zeit im Internet anschauen, sagte T-Online-Marketing-Vorstand Burkhard Graßmann am Montag in Bonn. Sechs Megabit Übertragungstempo sind auch nötig, um hochauflösendes Fernsehen (HDTV) über die Internet-Leitungen zu transportieren.

          Technische Schwierigkeiten

          Die Cebit gibt aber auch den vielen Millionen Menschen Hoffnung, die bisher vergeblich auf einen Anschluß an die Datenautobahn warten. Unternehmen wie Airdata zeigen Funknetze, die fast DSL-Geschwindigkeit möglich machen. 30 Städte will das Stuttgarter Unternehmen mit den Funknetzen versorgen. Die Telekom hat darüber hinaus angekündigt, den schnellen Funkstandard Wimax zu testen. Wimax funkt deutlich schneller und weiter als die heute üblichen lokalen Funknetze (W-Lan), bereitet allerdings noch erhebliche technische Schwierigkeiten. Fachleute rechnen daher frühestens 2006/2007 mit einem Einsatz dieser Technik.

          Das Internet ist auch eine Frischzellenkur für das Telefon. Auf der Cebit zeigen Internet-Unternehmen wie T-Online, United Internet oder Freenet, daß ein Internet-Telefon viel mehr kann als Gespräche günstig zu übertragen. United Internet präsentiert neue technische Funktionen, Freenet setzt auf die Verknüpfung mit dem Handy. Das mit Spannung erwartete Internet-Telefonieangebot von T-Online zeigt, wie stark das Unternehmen auf die Telekom-Festnetzgesellschaft T-Com Rücksicht nehmen muß: Während die Konkurrenten für Gespräche ins nationale Festnetz 1 Cent je Minute verlangen, berechnet T-Online 2,9 Cent je Minute. Das entspricht offenbar nicht zufällig ziemlich genau den Festnetztarifen der T-Com.

          Teuer für den Endkunden

          Aber nicht nur im Festnetz sorgen während der Cebit neue Tarife und Technik für spannende Neuigkeiten. Auch im Mobilfunk wird mit Preisabschlägen und neuen Bündelangeboten der Netzbetreiber gerechnet. So gehen Branchenbeobachter zum Beispiel davon aus, daß einige Anbieter Pauschaltarife (Flat-Rates) für die Datennutzung auf dem Mobiltelefon ankündigen werden, um den Kunden eine klare Kalkulationsgrundlage zu geben. Bis heute haben diese Dienste zu Recht den Ruf, sehr teuer für den Endkunden zu sein. Das aber kann sich die Branche auf Dauer nicht mehr leisten.

          Die Mobilfunkunternehmen müssen das Datengeschäft auf dem Handy und anderen mobilen Geräten zum Massenmarkt entwickeln und sich so neue Umsatzquellen erschließen. Als Grundlage dafür sollen die schnellen UMTS-Netze dienen, die inzwischen zumindest in den Städten aufgebaut sind. Und wer dachte, UMTS sei schnell, der kennt die Aufrüstung auf HSDPA nicht. Hinter diesem neuen Kürzel verbirgt sich die Beschleunigung der mobilen Datenkommunikation auf das Niveau, das der Kunde mit DSL aus dem Festnetz kennt. Vodafone und T-Mobile werde erste HSDPA-Anwendungen auf der Cebit in Hannover demonstrieren und haben eigens dafür eigene HSDPA-Netze aufgebaut.

          Die „inneren Werte“

          Aber im mobilen Sprachbereich wird mit neuen Tarifen gerechnet. So werden auch hier die Pauschaltarife zunehmen, die bisher vor allem am Wochenende greifen. Bisher werden hier von einigen Anbietern zum Beispiel 1.000 Telefonminuten für knapp fünf Euro angeboten. Auch wenn die Kunden nach Angaben aus Branchenkreisen nur rund 140 Minuten davon nutzen, fliegen sie auf diese Flat-Rates.

          Wo die Mobilfunker ihre Dienste anbieten, dürfen die Handyhersteller natürlich nicht fehlen. So präsentieren Nokia und Sony-Ericsson sowie Samsung, Panasonic und Motorola neue Handymodelle, und auch Siemens kommt mit seinem ersten eigenen UMTS-Gerät auf den Markt.Dabei geht es aber nicht nur um UMTS-Handys, die inzwischen kaum noch von den normalen Geräten zu unterscheiden sind.

          War früher die Tendenz zu immer kleineren und leichteren Mobiltelefonen zu verzeichnen, sind es jetzt die „inneren Werte“, die den Wettbewerb der kleinen Geräte kennzeichnen. So bringt zum Beispiel Samsung eines der ersten Geräte mit einer 5-Megapixel-Kamera heraus. Auch wird in die Geräte immer öfter der W-Lan-Standard integriert, der es ermöglicht, in den W-Lan-versorgten Bereichen einen Datentransfer nicht mehr über das klassische Mobilfunknetz, sondern - sehr viel preiswerter - über einen W-Lan-Zugangspunkt abzuwickeln.

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