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Kandidat für CDU-Vorsitz : Merz verdient zu viel? – Was für ein Unsinn!

Auf dem Weg nach oben? In der Diskussion um die Kandidatur von Friedrich Merz sollte es um Inhalte – und nichts anderes. Bild: dpa

Friedrich Merz bewirbt sich für den CDU-Vorsitz. Die Diskussion über sein Einkommen ist trotzdem vollkommen absurd. Ein Kommentar.

          Jetzt geht das wieder los: Kaum ist ein Politiker bereit, Verantwortung zu übernehmen, wird über das Geld diskutiert, das er zuvor verdient hat. Peer Steinbrück, der wohl beste Kandidat, den die SPD damals aufstellen konnte, hatte deshalb im Wahlkampf 2013 einen denkbar holprigen Start – er hatte Honorare für Reden erhalten, in denen er vor Bankern Banken kritisiert hatte.

          Natürlich muss sich auch Friedrich Merz Fragen gefallen lassen, welchen Interessenskonflikten er möglicherweise ausgesetzt ist. Es ist auch verständlich, dass die Bevölkerung eine gewisse Transparenz über seine Einkünfte einfordert, um sich selbst ein Urteil zu bilden. Doch damit ist es auch gut.

          Nirgends steht geschrieben, dass nur wichtige Ämter übernehmen sollte, wer unterhalb einer vorher definierten Einkommensgrenze verdient hat. Wieso auch? Das wäre Unsinn. Ist etwa nur derjenige ein guter CDU-Vorsitzender (und Kanzler), der zuvor ein durchschnittliches Einkommen erzielte?

          Was mit Geld zu tun hat, ist vielen Deutschen suspekt

          Vielmehr gilt, dass kompetente Politiker, die in die Wirtschaft wechseln (was begrüßenswert ist), dort eben meist mehr Geld verdienen als in öffentlichen Positionen. Es ist gerade Ausdruck ihrer hohen Kompetenz, dass man ihnen zutraut, hoch bezahlte Aufgaben zu übernehmen. Warum sollten sie nur Frühstücksdirektoren in Stadtwerken, Sparkassen oder Umweltverbänden sein, die naturgemäß weniger hohe Gehälter zahlen können?

          Wer künftig wie Merz ein Wörtchen mitreden will über die internationale Regulierung von Finanzmärkten oder den Handelsstreit mit Donald Trump, tut gut daran, etwas von den Folgen dieser Regeln zu verstehen. Und das gilt für alle Parteien: Die SPD hat das erkannt und mit Jörg Kukies einen ehemaligen Goldman-Sachs-Banker als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium berufen, der ebenfalls zuvor sehr viel mehr Geld verdient hat als jetzt.

          Elke König und Felix Hufeld, die letzten beiden Präsidenten der Finanzaufsicht Bafin, haben auch so einen Weg hinter sich. Beide waren vorher Vorstände von Finanzunternehmen und Unternehmer. Auf solchen Stellen werden höhere Bezüge gezahlt.

          Was mit Geld zu tun hat, ist vielen Deutschen suspekt. Dabei ist gar nicht erkennbar, welchen Vorteil es für die Gesellschaft hätte, wenn diese Amtsträger vorher weniger verdient hätten – nichts wäre dadurch besser.

          Trotzdem verfängt das Argument. Und es geht sogar so weit, dass sich Journalisten über die beruflichen Kontakte und die Leidenschaft für Hausmusik von Friedrich Merz lustig machen. So wird alles in allem der Eindruck eines Fremdkörpers erzeugt, der in der Politik nichts zu suchen habe.

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          Wichtig sind stattdessen andere Dinge: Für welche politischen Positionen steht der Kandidat Friedrich Merz? Genau darum sollte sich der öffentliche Diskurs drehen. Eine solche Verächtlichmachung politischer Akteure, wie sie gerade wieder einmal zu erleben ist, wird nur weiter das Feld derer verengen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

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