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Castoren auf dem Neckar? : ENBW plant Atommüll-Transport

  • -Aktualisiert am

Ein Castor-Behälter im Zwischenlager des Atomkraftwerks Neckarwestheim Bild: AP

Der Energieversorger will Brennstäbe aus dem seit acht Jahren stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim künftig im 40 Kilometer entfernten Neckarwestheim lagern. Wie sie transportiert werden sollen, ist noch offen. Vielleicht sogar mit dem Schiff auf dem Neckar.

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          Im Zwischenlager des Atomkraftwerks Neckarwestheim in Baden-Württemberg könnte bald der Atommüll aus dem seit acht Jahren abgeschalteten Kraftwerk Obrigheim unterkommen - vorausgesetzt, Politik und Öffentlichkeit lehnen sich nicht allzu sehr dagegen auf. „Uns ist klar, dass eine Akzeptanz für den Transport erforderlich ist“, sagte Jörg Michels, der Technik-Vorstand des Energieversorgers ENBW AG und Chef der Tochtergesellschaft ENBW Kernkraft GmbH. Eine Genehmigung wurde deshalb vorsichtshalber noch nicht beantragt. Man wolle die Öffentlichkeit früh einbeziehen, lautet die Devise.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Die 342 Brennstäbe aus Obrigheim, die dort in einem Nasslager auf ihre weitere Verwendung warten, müssten in 15 Castor-Behältern nach Neckarwestheim transportiert werden. Die Entfernung betrage weniger als 40 Kilometer, wirbt Jörg Michels für diese Lösung. Die beste Transportvariante müsse noch untersucht werden. „Wir schließen keinen Weg aus.“ Das heißt, dass prinzipiell auch der Neckar als Transportweg in Frage kommt. Einen Castor-Transport auf einem Fluss gab es in Deutschland noch nie. Einen Schienenanschluss gibt es in Obrigheim nicht. Seit Mitte der neunziger Jahre sind 13 Züge mit insgesamt 110 Castor-Behältern durch Deutschland gerollt, begleitet von teilweise erbittertem Widerstand.

          Obrigheim soll wieder zu der „legendären grünen Wiese“ werden

          Gelänge der Abtransport der Brennstäbe aus Obrigheim, was angesichts einer Genehmigungsdauer von zwei bis drei Jahren ab 2016 der Fall sein könnte, dann könnte das ehemalige Kraftwerk schon in wenigen Jahren wieder zu der „legendären grünen Wiese“ werden, sagte ENBW-Vorstand Michels. Der Bau eines weiteren Zwischenlagers wäre dann unnötig, denn die Kapazitäten im Standortzwischenlager Neckarwestheim seien aufgrund der Laufzeitbegrenzung der Atommeiler ausreichend. Auch in Philippsburg gebe es Kapazitäten, räumte Michels ein. Man habe aber wegen der kurzen Entfernung Neckarwestheim ins Auge gefasst.

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          Für ENBW wären der Atommüll-Transport und der Verzicht auf ein Zwischenlager in Obrigheim die preiswertere Lösung, sagte Michels, ohne sich auf die Höhe der möglicherweise eingesparten Summe festzulegen. Insgesamt koste der Rückbau von Obrigheim einen Betrag im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich.

          Für den Rückbau aller seiner Atommeiler hat ENBW 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Der baden-württembergische Stromkonzern plant für alle Atommeiler den Rückbau, während andere Betreiber den sogenannten „sicheren Einschluss“ in Erwartung eines Endlagers planen. „Wir schieben das Thema nicht auf die lange Bank, sondern kommen unserer Verantwortung nach“, kommentierte Michels die Strategie des Konzerns, der dem Land Baden-Württemberg und einer Gruppe von Landkreisen gehört.

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