https://www.faz.net/-gqe-6ut4s

Carsharing-Geschäft : Auch Volkswagen steigt ein

Quicar heißt das Charsharing-Projekt von VW Bild: dpa

Mit einem Leihkonzept in Hannover folgt der Wolfsburger Autohersteller von Mitte November an den Konkurrenten Daimler und BMW. Die spotten über den Nachzügler.

          Drei Jahre nach dem Rivalen Daimler steigt auch der Volkswagen-Konzern direkt ins Carsharing-Geschäft ein. Unter dem Motto „Quicar - Share a Volkswagen“ bietet der Autohersteller von Mitte November an 200 Golf der als umweltfreundlich verkauften Blue-Motion-Reihe zur Kurzzeitmiete in Hannover an. „Damit bieten wir eine funktionale und günstige Mobilitätsalternative“, sagte VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler.

          Der Schlüssel liegt im Handschuhfach

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          „Quicar“ funktioniert ähnlich wie die Carsharing-Konzepte anderer Anbieter: Auf einer Internetseite können sich Kunden registrieren. Anschließend müssen sie in einer Filiale ihren Ausweis und Führerschein vorlegen.

          Dafür erhalten sie eine persönliche Geheimzahl sowie einen Chip, der auf den Führerschein geklebt wird. Wer nun ein Auto buchen möchte, kann sich per Telefon oder Smartphone-App ein Auto reservieren. Der Wagen lässt sich öffnen, indem man den Funkchip an ein Lesegerät hält.

          Der Schlüsssel liegt im Handschuhfach. Später wird die Fahrzeit minutengenau abgerechnet. Bei VW kostet die erste halbe Stunde 6 Euro, danach werden alle 60 Sekunden 20 Cent fällig.

          Die Hersteller reagieren mit ihren Carsharing-Konzepten auf den Trend, dass viele junge Leute den Besitz eines Fahrzeugs nicht mehr als zwingend ansehen. Der Jugendstudie Timescout zufolge sind 80 Prozent der jungen Großstädter in Deutschland der Ansicht, sie brauchten in der Stadt kein eigenes Auto.

          Um die Folgen der Entwicklung abzuschwächen, bieten die Hersteller mit Carsharing nun selbst eine Alternative zum Eigentum, zum Mietwagen und dem öffentlichen Nahverkehr. Wenn junge Kunden unsere Autos schon nicht kaufen wollen, sollen sie sie wenigstens nutzen, so der Gedanke.

          Späte Erkenntnis

          Im Vergleich zu Daimler hat sich VW spät zu dieser Erkenntnis durchgerungen. Die Stuttgarter starteten mit „Car-2-go“ und 300 Smarts schon vor drei Jahren in das Geschäft mit den Kurzmietautos. Damals wurden sie belächelt, heute führen sie das Feld der deutschen Hersteller mit bald fünf Städten und 45.000 Nutzern deutlich an.

          Seit Juni ist auch BMW im Carsharing-Geschäft dabei. Dreihundert Autos der Marke Mini und Einser-Modelle der Marke BMW haben die Münchner in der bayerischen Landeshauptstadt verteilt. Ende September expandierten sie ihr „Drive-Now“-Konzept nach Berlin. 9000 Menschen haben sich registriert. „Nächstes Jahr wollen wir zwischen 12.000 und 15.000 Kunden in München haben, dann sind wir profitabel“, sagt Geschäftsführer Andreas Kottmann.

          Im Gegensatz zu den Rivalen schweigt VW zu möglichen Kundenzahlen und den Gewinnzielen. Ein Bremsklotz im Rennen mit den Konkurrenten dürfte sein, dass VW auf feste Abholstationen setzt. Während die Kunden der anderen beiden deutschen Hersteller ihre Autos überall in den erweiterten Innenstadtbereichen abstellen dürfen, müssen die VW-Kunden ihren Wagen bis auf weiteres an einem von zunächst 50 Sammelplätzen abholen und auch genau an diesen zurückbringen.

          „Nicht zeitgemäß“, urteilt die Daimler-Sprecherin. „Damit ist es für uns keine direkte Konkurrenz“, heißt es auch bei BMW. VW-Vorstand Klingler pariert: „Es ist schwer, mit zwei Koffern in einen Smart einzusteigen. Beim Golf haben Sie das Problem nicht.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.