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Carpooling : Daimler steigt bei Mitfahrzentrale ein

  • -Aktualisiert am

Plattform Mitfahrgelegenheit.de Bild: Bildschirmfoto

Früher waren Mitfahrzentralen etwas für Ökos und Studenten. Heute heißt das „Ridesharing“ und ist chic. Deshalb beteiligt sich sogar Daimler an der Internetfirma Carpooling - besser bekannt unter „Mitfahrgelegenheit.de“.

          Die Daimler AG steigt beim weltweit größten Mitfahrnetzwerk Carpooling.com ein, besser bekannt unter dem Namen Mitfahrgelegenheit.de. Der Stuttgarter Autokonzern beteiligt sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung an der kleinen Münchener Internetfirma. Hauptgesellschafter der GmbH bleiben die drei Gründer sowie der Risikokapitalgeber Earlybird. Für die Anteile an Carpooling zahlt Daimler dem Vernehmen nach mehrere Millionen Euro, die vollständig dem Unternehmen zufließen: „Wir wollen das Geld für die Entwicklung neuer Apps für Smartphones und für die Expansion in Amerika einsetzen“, sagte Carpooling-Geschäftsführer Markus Barnikel der F.A.Z. Gemeinsam würden die beiden Partner zum größten Anbieter vernetzter Mobilität, der verschiedene Verkehrsmittel mit einander verknüpft.

          Carpooling hat zwar nur knapp 50 Beschäftigte, ist aber mit rund vier Millionen registrierten Nutzern nach eigenen Angaben der weltweite Marktführer für die Vermittlung von Fahrgemeinschaften. Die Plattform ist über Internet, Smartphone-Apps und Facebook zugänglich. Das Unternehmen verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Vermittlung von Fahrgemeinschaften im Bereich der Mittel- und Langstrecke sowie für Kurzstreckenfahrten von Pendlern. Jeden Monat werden über Carpooling europaweit in 40 Ländern mehr als eine Million Mitfahrten organisiert. Durch Profile und Bewertungen wissen die Nutzer vorab, mit wem sie fahren.

          Zusätzlich vermittelt das Unternehmen auf seinen Plattformen auch Bus-, Bahn- und Flugtickets. Daimler erweitert damit sein schon jetzt erhebliches Engagement im Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen. Bisher hat der Autokonzern in diesem Bereich vor allem Spontanvermietungen von am Straßenrand abgestellten Autos unter dem Namen Car2go angeboten. Füpr das Kurzzeitmietmodell haben sich inzwischen schon 130.000 Kunden angemeldet. Anfang des Jahres hat sich Daimler zudem am Taxirufdienst Mytaxi beteiligt, und im Juli 2012 gründete der Konzern die Mobilitätsplattform Moovel, für die technisch schon mit Carpooling kooperiert wurde. Auch in genau dem Geschäft, das Carpooling betreibt, haben sich die Stuttgarter schon getummelt: Daimler hat mit dem Adhoc-Mitfahrsystem Car2gether in zwei Pilotversuchen in Ulm und Aachen Erfahrungen im Mitfahr-Markt gesammelt.

          Michael Reinicke, Matthias Siedler und Stefan Weber sowie Markus Barnikel - die drei Gründer der Carpooling GmbH und ihr Geschäftsführer betreiben in München  das größte Mitfahr-Netzwerk Europas

          Die Geschäftsidee von Carpooling ist sehr einfach: Unter www.mitfahrgelegenheit.de betätigt sich die Firma seit mittlerweile über zehn Jahren als virtuelle Mitfahrzentrale und hat es mit Tochtergesellschaften in neun weiteren Ländern und Kunden in 40 Ländern zum Marktführer gebracht. Heute greifen jeden Monat mehr als zwei Millionen Menschen auf das Angebot von Carpooling zu. Ständig stehen gut 600.000 Fahrtangebote und Gesuche bereit. Wer sie nutzt, kann seine Fahrtkosten senken und kommt ganz nebenbei auch noch ein wenig umweltfreundlicher an sein Ziel. Fast 50 Menschen arbeiten heute für die Internetseite. Den durchschlagenden Erfolg hätte in den Anfangszeiten allerdings niemand ahnen können. Vor elf Jahren, im April 2001, gründete Michael Reinicke mit zwei Freunden die Online-Plattform. Gemeinsam studierten die drei BWL in Würzburg. Neben den Vorlesungen und ersten Anstellungen bauten Reinicke (36 Jahre) und Stefan Weber (39 Jahre) zusammen mit ihrem etwa gleichaltrigen Kommilitonen Matthias Siedler die Seite auf. Weber arbeitete als Produktmanager für Yahoo Finance. Reinicke schrieb seine Doktorarbeit und wurde Dozent für Wirtschaftsinformatik. Siedler stieg bei Audi ins Onlinemarketing ein. Erst seit 2006 arbeiten die drei hauptberuflich für ihr Unternehmen. Anfangs hieß die Firma noch „Mikini“ – hawaiianisch für „Motor“. Dann wurde sie in Carpooling umbenannt, damit die Idee des Mitfahrens international noch besser verstanden wird. „In Italien beispielsweise steht der Name Carpooling inzwischen ganz selbstverständlich für das früher dort unbekannte Phänomen des Mitfahrens – so wie in Deutschland der Markenname Tempo für das Taschentuch aus Papier steht“, sagt Carpooling-Chef Barnikel. Der 40 Jahre alte ehemalige Yahoo-Manager war erst im Oktober 2011 zu Carpooling geholt worden, um die Internationalisierung voranzutreiben.

          Ziel der jetzt gegründeten Partnerschaft mit Daimler ist neben der Kapitalspritze für die Expansion auch die Vernetzung mit den Mobilitätslösungen des Autokonzerns. Die beiden Partner wollen gegenseitig von ihren Erfahrungen profitieren. „Mitfahren ist für uns ein wichtiger Baustein einer intelligent vernetzten Mobilität“, sagt Daimler-Manager Wilfried Steffen. Das Engagement bei Carpooling sei ein Schritt, um Daimler-Kunden ein breiteres Spektrum zu bieten, um optimal von A nach B zu kommen.

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