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Carlos Ghosn : Der heimliche Schlossherr von Versailles

Kein Gespür für Grenzen: Carlos Ghosn Bild: AP

Der Manager Carlos Ghosn hat den Königssitz immer wieder privat genutzt. Seine prunkvolle Geburtstagsfeier in den Schlosssälen soll als Firmenveranstaltung abgerechnet worden sein.

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          Mit dem Auto braucht man nur etwa 20 Minuten, um die Strecke vom Renault-Konzernsitz im Pariser Vorort Boulogne-Billancourt bis zum Schloss von Versailles zurückzulegen. Carlos Ghosn kennt die Fahrt gut. Das ehemalige Königsschloss im Westen der französischen Hauptstadt hatte es dem Manager besonders angetan. Dort zelebrierte er am 8. Oktober 2016 nicht nur seine Hochzeit mit Carole Nahas, einer in New York lebenden Modeschöpferin. Im Schloss von Versailles feierte er gut zwei Jahre zuvor auch seinen 60. Geburtstag – oder war es das fünfzehnjährige Jubiläum der Allianz von Renault und Nissan? Wenn man den Recherchen der Tageszeitung „Les Echos“ glauben darf, dann handelte es sich eher um seinen Geburtstag, und er beging ihn offenbar ganz standesgemäß auf Kosten von Renault und Nissan. Die Einladung an 200 handverlesene Gäste zu der Veranstaltung am 9. März 2014 wurde als Jubiläumsfeier der Konzernallianz ausgegeben. Doch für diesen Anlass hätte sich eher der 27. März 2014 geeignet, dem eigentlichen Jubiläumsdatum der Allianz. Der 9. März dagegen ist Ghosns Geburtstag. Die Geladenen kamen denn auch aus der ganzen Welt, Freunde aus Brasilien und aus dem Libanon sollen dabei gewesen sein, darunter auch seine spätere Frau Carole; nur Mitarbeiter von Renault und Nissan waren kaum präsent.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Auf der Einladungskarte wurde um Smoking und Abendkleid gebeten und darunter stand: „Ich setze auf ihre totale Diskretion für dieses Ereignis“ – eine überraschende Aufforderung für ein Firmenfest. Als Gegenleistung bekamen die Gäste ein bemerkenswertes Angebot unterbreitet: Per Chauffeur wurden sie von ihrem Hotel abgeholt, mit Champagner empfangen und dann zu privaten Besichtigungen der königlichen Gemächer eingeladen – begleitet von Eskorten in Louis XIV.-Kostümen. „Oben auf der Treppe standen Carole Nahas und Carlos Ghosn, „der König der Allianz des französischen und japanischen Autoherstellers“, schrieb später die libanesische Tageszeitung „L‘Orient-Le Jour“, deren Beobachter den Aufruf zur Diskretion offenbar nicht so ernst nahm. Danach begab man sich in der berühmten Schlachtengalerie zu Tisch. Die Gaumenfreuden hatte kein Geringerer als der französische Starkoch Alain Ducasse zubereitet. Später am Abend wurde im Schlosspark ein Feuerwerk gezündet. Kostenpunkt der Veranstaltung: 600.000 Euro. Bezahlt hat die Summe nach bisher unbestätigten Informationen von „Les Echos“ die in den Niederlanden ansässige Gesellschaft RNBV, welche die Renault-Nissan-Allianz verkörpert.

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