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Car 2 Go : Stuttgart startet Carsharing mit 300 Elektroautos

Daimler-Chef Dieter Zetsche (l.) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann freuen sich über ihr „Car 2 Go“-Projekt. Bild: dpa

Flexible Automiete und Elektromobilität werden in Stuttgart kombiniert - Daimler und Baden-Württemberg erhoffen sich davon Werbung für ein neues Verkehrskonzept.

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          Stuttgart wird zum Testfeld für Carsharing und Elektromobilität - mit einer Flotte aus 300 Elektroautos des zu Daimler gehörenden Betreibers Car 2 Go, einem Netz von 500 Ladestationen der ENBW und einer Moovel genannten Mobilitätsplattform, die dem Benutzer das jeweils passende Verkehrsmittel für eine bestimmte Strecke aufzeigen soll. „Das Konzept ist ein Beispiel dafür, wie vernetzte Mobilität künftig funktionieren wird“, sagte Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Vor allem aber solle Elektromobilität für alle Verbraucher erfahrbar werden: „Ich erhoffe mir dadurch den Schub, der bisher ausgeblieben ist.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche verwies auf den Werbeeffekt, und sprach vom „Learning by driving“. Die zweisitzigen Autos der Marke Smart kann jeder unkompliziert ausleihen, der sich einmalig für das Car 2 Go-System registriert hat. Durch einen Chip am Führerschein wird das Fahrzeug geöffnet, das zuvor entweder zufällig entdeckt oder übers Internet geortet wurde. Die Fahrt wird auf die Minute genau abgerechnet, das Zurückbringen des Fahrzeugs ist nicht notwendig.

          Zetsche: Stuttgart muss reif sein für E-Mobilität

          Zetsche hofft auf ausreichende Neugier der Stuttgarter, denn, so sagte der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG: „Es reicht nicht, wenn die E-Mobilität reif ist für Stuttgart, es muss auch umgekehrt sein. Das ist der Knackpunkt.“ In den Augen von Frank Mastiaux, dem Vorstandsvorsitzenden der ENBW AG, bietet das Projekt die Chance, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Für uns ist das ein strategischer Baustein für die Energiewende“, äußerte Mastiaux.

          Aus einem anderen Pilotprojekt in Stuttgart mit 700 Elektrorollern habe man schon viel gelernt - etwa, dass es den Kunden wichtig sei, sicherheitshalber eine Lade-Infrastruktur zu haben, obwohl sie ihr Fahrzeug normalerweise an der heimischen Steckdose aufladen. Mastiauxs Fazit lautet: „Über den Verkauf von Strom an den Ladesäulen ist die Infrastruktur nicht zu finanzieren.“ Ein Nutzen sei nur darstellbar, wenn es eine Lastenverteilung mit anderen Partnern gebe. Für die Ladeinfrastruktur in Stuttgart hat die ENBW nach seinen Angaben 2,5 Millionen Euro investiert.

          Für Carsharing wird in Deutschland fast ausschließlich der Smart verwendet

          Für das Carsharing-Konzept Car 2 Go kommt in Deutschland bisher fast ausschließlich der Smart mit Verbrennungsmotor zum Einsatz. Mit der Flotte von 300 batteriebetriebenen Smarts wird in Stuttgart aus dem sonst kommerziellen Projekt ein öffentlich subventioniertes Angebot, das unter anderem Geld aus dem Bundesprogramm „Schaufenster Elektromobilität“ bezieht. Zudem hat das Land Baden-Württemberg 2,4 Millionen Euro bewilligt, die Stadt Stuttgart wiederum stellt Parkraum für alle Elektroautos gratis zur Verfügung.

          „Wenn wir uns nicht anstrengen, können wir nicht erwarten, dass die Unternehmen sich anstrengen“, sagte Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) zum Beitrag der öffentlichen Hand. „Man muss das auch bewusst betrachten als notwendige Weiterentwicklung des Automobilstandorts Stuttgart.“ Kretschmann verwies darauf, dass andere Länder den Einsatz von Elektroautos sehr viel stärker fördern: „Wir befinden uns im internationalen Wettbewerb“, sagte er. „Wir müssen uns nach der Decke strecken.“

          Daimler als Pionier in der flexiblen Automiete

          Daimler war mit Car 2 Go der erste Anbieter einer flexiblen Automiete. Erprobt wurde das Angebot seit 2008 zunächst in Ulm, mittlerweile ist Car 2 Go in 16 Städten in Europa und Nordamerika mit insgesamt 6000 Autos vertreten. In San Diego und in Amsterdam werden die Flotten ebenfalls rein elektrisch betrieben. Längst haben andere Autokonzerne nachgezogen, und auch Autovermieter lernen daraus, das Entleihen ihrer Fahrzeuge unkomplizierter zu machen.

          Bis zum Jahr 2015 soll Car 2 Go in 50 Städten angeboten werden, sagte Zetsche. Die Mehrzahl der Kunden sei zwischen 18 und 35 Jahre alt, somit in einem Alter, indem man noch kein Neufahrzeug kaufe, berichtete der Daimler-Chef, und betonte: „Wir kannibalisieren unser Kerngeschäft nicht.“ Eine Veränderung des Smart-Absatzes in Städten mit Car 2 Go-Angebot sei nicht festzustellen. Umgekehrt sei Car 2 Go keine Konkurrenz zum Öffentlichen Nahverkehr, sondern eine Ergänzung.

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