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Marija Kolak Bild: Imago

Finanzberaterin des Vatikans : Eine deutsche Genossenschaftsbankerin für den Papst

Marija Kolak vertritt Finanzinstitute, die nicht auf Gewinnmaximierung sondern auf Mitgliederförderung setzen. Künftig ist sie zudem Mitglied des vatikanischen Wirtschaftsrats. Auch privat hat sie viele Berührungspunkte mit der katholischen Kirche.

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          Frauen dürfen in der römisch-katholischen Kirche nicht Priester werden, damit ist ihnen der Weg in die wichtigsten geistlichen Ämter wie Papst und Bischof versperrt. Papst Franziskus aber schätzt offenbar immerhin die Wirtschaftexpertise von Frauen. Zumindest erhob Franziskus keine Einwände, als der Münchener Kardinal Reinhard Marx ihm Marija Kolak, die Präsidentin des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), als eine von sieben Laien im neu zusammengestellten Vatikanischen Wirtschaftsrat vorschlug. Marx leitet dieses 2014 neu geschaffene Gremium, das sich vier Mal im Jahr trifft, um die finanziellen Aktivitäten des Vatikans und seiner Institutionen wie der Vatikanbank zu kontrollieren. Unter den sieben Laien, die Franziskus berief, sind immerhin sechs Frauen, darunter aus Deutschland auch die Jura-Professorin Charlotte Kreuter-Kirchhof und aus der Bankenwelt die Spanierin Eva Castillo und die Britin Ruth Mary Kelly.

          Dass Marx’ auch die 50 Jahre alte Diplom-Kauffrau Kolak vorschlug, erscheint konsequent. Seit 2018 vertritt sie als BVR-Präsidentin schließlich auch die Interessen der Kirchenbanken wie der Kölner Pax-Bank oder der Regensburger Liga-Bank. Doch wohl wichtiger: Auch die im BVR dominierenden Volks- und Raiffeisenbanken haben eine Geschäftsphilosophie, die zu Franziskus’ Vorstellungen für eine gerechtere Wirtschaftswelt passen könnte: Genossenschaftsbanken haben anders als börsennotierte Banken eben nicht das Ziel, ihren Gewinn zu maximieren, sondern den Nutzen für ihre Mitglieder zu steigern. Sie wurden gegründet als Selbsthilfeorganisationen, etwa die größte deutsche Genossenschaftsbank von und für Apotheker und Ärzte (Apobank). Die Gründerväter der Genossenschaftsbanken, Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 bis 1888) und Hermann Schulze-Delitzsch (1808 bis 1893) lehnten Almosen ab. Sie wollten die Menschen befähigen, sich selbst zu versorgen und ein  würdiges Leben zu führen. Kolak hält dieses Wertegerüst auch heute noch für passend, um Ideen zur Armutsbekämpfung in der Welt zu entwickeln. Mehr Menschen in Entwicklungsländern müssten Chancen eröffnet werden, etwa indem sie mit internationaler Hilfe lernen Brunnen zu bauen, damit sie Felder bewässern und von ihrer Landwirtschaft leben können.

          Aktiv in der katholischen Gemeinde

          Kolak stammt aus einer kroatischen, katholischen Familie. Als Kind sang sie in Berlin im Kinderchor, ihre erste Klavierlehrerin war eine Ordensfrau der Franziskaner, eine Zeitlang war sie Gemeinderatsvorsitzende der kroatischen Mission im Erzbistum Berlin. Und noch heute begleitet Kolak ab und zu als Organistin den Chor ihrer Gemeinde zum Gotteslob.

          Nach ihrem Betriebswirtschafsstudium an der FU Berlin machte Kolak Karriere in der Berliner Volksbank. Sie schaffte es vom Trainee im Jahr 1998 bis in den Vorstand im Jahr 2016, nur unterbrochen von einem ersten Abstecher zum Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken, wo sie von 2012 bis 2015 erst als Abteilungsleiterin und dann als Bereichsleiterin tätig war. 2016 schickte sie die Berliner Volksbank für zwei Monate an die amerikanische Ostküste nach Boston an die Harvard Business School. Dort lernte Kolak mit 170 anderen internationalen Führungskräften von morgens bis abends anhand von Fallstudien. Spätestens nach dieser Erfahrung ist sie eine Anhängerin des lebenslangen Lernens und des Sich-Einlassens auf neue Perspektiven.

          Dazu scheint auch die römisch-katholischen Kirche in Grenzen bereit zu sein – sonst hätte sie diese sieben Laien nicht in den Vatikanischen Wirtschaftsrat berufen. In dem 15-köpfigen Gremium zählen die Stimmen der Laien übrigens gleichberechtigt wie die der acht Kardinäle und Bischöfe. Als BVR-Präsidentin hat sich Kolak seit 2018 schnell Respekt verschafft, obwohl einige in der konkurrierenden Sparkassen-Organisation anfangs anmerkten, dass Kolak – anders als Sparkassenverbandspräsident Helmut Schleweis – nie Vorstandschefin einer Ortsbank war. Doch das hindert Kolak nicht, mit deutlichen Worten zum Beispiel die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zu geißeln oder die steuerliche Absetzbarkeit der Bankenabgabe als Betriebsausgabe zu fordern. So wird sich Kolak gewiss auch im Vatikanischen Wirtschaftsrat zu Wort melden. Den Impuls dazu könnten dann die Werte der Genossenschaftsorganisation geben: Die Armen mit Solidarität zur Selbsthilfe befähigen – für eine menschlichere Marktwirtschaft.

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