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Masken und Umfragen : Bus und Bahn werben um Vertrauen

Mehr Busse und Bahnen, weniger Autos: Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wirbt für Maskenpflicht und Vertrauen. Bild: dpa

Keine Angst vor Ansteckung mit Corona: Bund, Länder, Städte und Verkehrsbetriebe starten Kampagne für „Wiedereinsteiger“, um Fahrgäste und deren Vertrauen wieder zu gewinnen.

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          Im Umgang mit hartnäckigen Maskenverweigerern in Bussen und Bahnen hält Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bundesweit einheitliche Bußgeldregelungen für sinnvoll. Eine gemeinsame Strategie der Bundesländer wäre sein Wunsch und eine Hilfe für das kontrollierende Personal, sagte Scheuer am Mittwoch in Berlin. Schließlich gelte auch überall eine „Maskenpflicht ohne Wenn und Aber“.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Scheuer hob hervor, angesichts der in der Corona-Krise gesunkenen Fahrgastzahlen sei es das Ziel, das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen. „Mehr Autos auf den Straßen und weniger Angebot mit Bussen und Bahnen: Das kann nicht die Mobilität der Zukunft sein“, sagte Scheuer bei der Präsentation der Kampagne #BesserWeiter, die Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände am Mittwoch gemeinsam mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) auf den Weg gebracht haben.

          Die Kampagne soll dazu beitragen, skeptischen Fahrgästen die Angst vor Ansteckung zu nehmen und sie so zum „Wiedereinsteigen“ zu bewegen. Der Präsident des Deutschen Städtetages, der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), wies darauf hin, dass es bisher keinen Beleg dafür gebe, dass man sich in Bussen und Bahnen leichter anstecke als anderswo. Der öffentliche Nahverkehr werde gebraucht, sagte Jung. „Corona darf die Verkehrswende nicht ausbremsen.“

          „Fahrgäste können sich sicher fühlen“

          Auch die Vorsitzende der Länderverkehrsministerkonferenz, die saarländische Ministerin Anke Rehlinger (SPD), betonte: „Die Fahrgäste können sich sicher fühlen.“ Überall werde man jetzt beobachten, wie sich die Lage entwickle, wenn zunehmend Pendler aus dem Homeoffice ins Büro zurückkehrten und nach den Ferien die Schüler wieder in die Schulen führen. Ob das Angebot am Morgen aufgestockt werden könne, hänge von der Verfügbarkeit von Bussen und Fahrern, von der Anpassung der Fahrpläne und nicht zuletzt von der Finanzierung ab.

          Anke Rehlinger (v.l.n.r.) von der Verkehrsministerkonferenz, Timm Fuchs vom Städte- und Gemeindebund, Oliver Wolff vom Verkehrsunternehmer-Verband, Jörg Sandvoß von DB Regio, Minister Andreas Scheuer und Burkhard Jung vom Deutschen Städtetag bei der Pressekonferenz in Berlin.
          Anke Rehlinger (v.l.n.r.) von der Verkehrsministerkonferenz, Timm Fuchs vom Städte- und Gemeindebund, Oliver Wolff vom Verkehrsunternehmer-Verband, Jörg Sandvoß von DB Regio, Minister Andreas Scheuer und Burkhard Jung vom Deutschen Städtetag bei der Pressekonferenz in Berlin. : Bild: dpa

          Scheuer hob hervor, die EU-Kommission habe den Rettungsschirm des Bundes für die Verkehrsunternehmen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zur Kompensation ihrer Schäden von Anfang März bis Ende August genehmigt. Aus dem Fonds könnten sowohl Beihilfen für Einnahmeverluste gewährt als auch Aufwendungen für Hygienemaßnahmen und Fahrzeugumbauten ausgeglichen werden. Rehlinger sagte, die meisten Länder hätten dafür inzwischen ergänzende Mittel in ihre Haushalte eingestellt. Es gehe darum, mit den Hilfen „die Betriebe in die Zukunft mitzunehmen, ohne dass diese ihre Preise erhöhen müssen“. Ihr Angebot sei öffentliche Daseinsvorsorge. „Jetzt muss nur noch die Nachfrage wieder anziehen.“

          Nach dem Lockdown im Frühjahr steigen derweil die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen nur langsam. Die Auslastung liegt im Durchschnitt jetzt wieder bei 60 bis 70 Prozent, nachdem die Verkehrsunternehmen im März und April nur noch 15 bis 20 Prozent ihrer üblichen Fahrgäste gezählt hatten. Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zeigen nach VDV-Angaben, dass 78 Prozent der Fahrgäste, die vor Corona mindestens an drei Tagen in der Woche den Nahverkehr nutzten, jetzt schon wieder genauso häufig mit Bus und Bahn unterwegs seien. 20 Prozent der Befragten gaben an, durch die Maskenpflicht wieder häufiger zu fahren.

          Zufrieden sind Verkehrsunternehmen noch nicht. „Die sukzessive wieder steigenden Fahrgastzahlen sind zwar ermutigend, aber nach wie vor deutlich zu wenig für eine auskömmliche Finanzierung oder den wichtigen Beitrag, den Busse und Bahnen zum Klimaschutz im Verkehr leisten sollen“, betont der VDV. Ein neuer „Vertrauensindex Bus & Bahn“ auf Basis von Marktforschung soll nun das Sicherheitsgefühl der Menschen messen.

          „Aktuell liegt der Ausgangswert des Indexes bei 47,24 Punkten. Je näher der Wert sich der Marke von 100 nähert, desto größer ist das Vertrauen in den Nahverkehr.“ VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff sprach von einer „unverschuldeten Imageeinbuße“ und sagte, jeder einzelne Fahrgast, der zurückkehre, sei wichtig. Im Herbst soll das Werben um das Vertrauen der Fahrgäste noch einmal neue Impulse erhalten. Dann ist eine deutschlandweite Bekennerkampagne geplant unter der Überschrift: Ich bin Wiedereinsteiger.

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