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Endspurt im Wahlkampf : Wie Altmaier seinen Ruf retten will

Setzt sich gern in Szene: Zu Beginn der Pandemie nahm Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Regierungsviertel statt des Dienstwagens auch mal das Fahrrad. Bild: dpa

Kein anderes Kabinettsmitglied stand so oft in der Kritik wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Er selbst findet: Ist doch alles prima gelaufen.

          5 Min.

          Wenn Peter Altmaier dieser Tage öffentlich auftritt, klingt er wie einer, der sich verabschiedet. Kürzlich auf der Bühne des Tipi-Zelts neben dem Bundeskanzleramt zum Beispiel. Die jungen Unternehmer haben zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Die Reihen sind nur zu etwa zwei Dritteln gefüllt, Corona hält immer noch viele Menschen vom Reisen ab. Altmaier lässt sich davon nicht beirren. „Sehr, sehr stolz“ sei er auf seine Zeit in der Bundesregierung, dröhnt er ins Mikrofon, dann zählt er, falls es jemand vergessen haben sollte, schnell noch mal seine gesammelten Stationen auf. Umweltminister, Kanzleramtsminister, ein halbes Jahr Finanzminister, jetzt Wirtschaftsminister. Was in dieser Zeit alles erreicht worden sei: Keine Steuererhöhungen! Sozialabgaben unter 40 Prozent! Und dann noch die Corona-Hilfen. Erst nur 100.000 Euro, jetzt bis zu 52 Millionen Euro je Unternehmen. „Alle diese Vorschläge kamen aus dem Wirtschaftsministerium!“, ruft Altmaier in den Saal, „woher denn auch sonst. Sie kamen niemals aus dem Finanzministerium.“

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Es gehört zum Alltag im Berliner Regierungsviertel, dass Politiker ihre Sicht der Dinge verbreiten. Dass sie Geschichten den gewünschten „Spin“ geben. Aber kein anderes Kabinettsmitglied arbeitet derzeit so intensiv daran, die eigenen Leistungen ins beste Licht zu rücken, wie Altmaier. Die Wahrscheinlichkeit, dass er auch der nächsten Bundesregierung angehören wird, ist gering. Zu eng ist seine Karriere mit der Kanzlerschaft von Angela Merkel verknüpft. 2012, nach der Entlassung von Norbert Röttgen nach der verlorenen Wahl in Nordrhein-Westfalen, machte sie Altmaier zum Umweltminister. 2015 ließ sie ihn anstelle von Innenminister Thomas de Maizière den Flüchtlingsansturm managen. Als die CDU nach den Koalitionsverhandlungen 2018 nur das Wirtschafts- und nicht das begehrte Finanzministerium bekam, musste wieder Altmaier ran. Merkels Auftrag an den Vertrauten: das Haus zu einem „Kraftzentrum der Sozialen Marktwirtschaft“ machen.

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