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Bundestagswahl : Kanzler, der schlimmste Job

Zentrum der Macht: das Bundeskanzleramt in Berlin Bild: dpa

Träge, schlecht organisiert, unregierbar: Warum, um Himmels willen, sollte jemand Kanzler dieses Landes werden wollen?

          6 Min.

          Eines stand in diesem Wahlkampf erstaunlicherweise nie außer Frage: Am Ende wird sich schon jemand finden, der wahnsinnig genug ist und das Amt der Bundeskanzlerin oder des Bundeskanzlers bekleiden will. Ob Annalena Baerbock, Armin Laschet oder Olaf Scholz: Keiner der drei er­weckte den Eindruck, sich nur unter An­drohung von Gewalt zur Kandidatur bereitgefunden zu haben. Im Gegenteil: Zumindest bei Grünen und Union hätten es auch Robert Habeck oder Markus Söder gern gemacht. Nur bei der SPD war Scholz konkurrenzlos, was allerdings nicht am Amt selbst lag – sondern daran, dass den Sozialdemokraten an­fangs kaum jemand ernsthafte Chancen zu­schrieb.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das überrascht. Gilt es doch spä­testens seit dem zähen Corona-Winter 2020/21 als ausgemacht, dass in diesem Land eigentlich nicht mehr viel zu retten ist. Schulen ohne Internet, Chaos bei den Impfterminen, Faxgeräte auf den Be­hörden, zerstrittene Ministerpräsidenten im föderalen Dauerzwist: Die Kandi­daten selbst wurden im Wahlkampf nie müde, die Probleme in den dunkelsten Farben zu beschreiben – ganz gleich, wie lange sie selbst das Land schon führten. Deutschland, so weiß man nach den Triel­len, gibt das Bild einer Bananen­republik ab. Warum, um Himmels Willen, sollte irgend jemand das Büro im siebten Stock des Kanzleramts beziehen wollen, in dem derzeit noch ein Porträt Konrad Adenauers hängt – wahlweise zu ersetzen durch ein Abbild von Willy Brandt oder Winfried Kretschmann?

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