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Umfrage unter Ökonomen : Rot-Rot-Grün reduziert die Ungleichheit – und das Wachstum

Ein Monteur arbeitet an Naben für Windkraftanlagen. Bild: dpa

Nach wie vor ist offen, welche Parteien der künftigen Bundesregierung angehören werden. Für die deutsche Wirtschaftsentwicklung ist das jedoch nicht unerheblich – zeigt eine Umfrage unter Ökonomen.

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          Welche Parteien der künftigen Bundesregierung angehören werden, bleibt auch wenige Tage vor der Wahl offen. Für die deutsche Wirtschaftsentwicklung ist jedoch nicht unerheblich, welche der neun denkbaren Zweier- oder Dreierkoalitionen das Ruder übernehmen wird. Das zeigt das neueste Ökonomenpanel des Münchner Ifo Instituts und der F.A.Z. Teilgenommen haben an dieser regelmäßigen Umfrage diesmal insgesamt 153 Wirtschaftsprofessoren an deutschen Universitäten, wenngleich nicht alle alle Fragen beantwortet haben.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Gefragt danach, welches Bündnis am deutlichsten die Einkommensungleichheit reduziert, sagen 55 Prozent Rot-Rot-Grün. Eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP folgt abgeschlagen an zweiter Stelle mit 8 Prozent. Schwarz-Gelb würde die Einkommensungleichheit umgekehrt am ehesten verstärken. Das glauben mit 70 Prozent sogar mehr als zwei Drittel der Panelteilnehmer. Auch hier folgen die anderen Koalitionsoptionen erst mit weitem Abstand.

          Doch die reduzierte Ungleichheit hätte ihren Preis. So zeigt sich in der Umfrage mit 83 Prozent eine deutliche Mehrheit der Ökonomen überzeugt, dass eine rot-rot-grüne Koalition zum Ende der Legislaturperiode das niedrigste Wirtschaftswachstum in Deutschland erwarten lässt; nur wenige andere Panelteilnehmer kreuzten bei dieser Frage eine andere Koalitionsoption an. Auch die deutsche Staatsschuldenquote würde unter Rot-Rot-Grün bis Mitte des Jahrzehnts demnach so stark steigen wie unter keiner anderen Bundesregierung. Das sagen 86 Prozent der an dieser Frage teilnehmenden Ökonomen.

          „Schwierig, Vorhersagen zu treffen“

          Gefragt nach den Folgen der denkbaren Koalitionsoptionen auf die Beschäftigung in Deutschland, fällt das Stimmungsbild ebenfalls deutlich zuungunsten des Linksbündnisses aus. 77 Prozent der Panelteilnehmer glauben, dass Rot-Rot-Grün die höchste Arbeitslosenquote unter den möglichen Koalitionsoptionen erwarten lässt.

          „Dies ist für die Wirtschaftspolitik durchaus eine Richtungswahl: Wollen wir noch mehr Staat und mehr Lenkung der Wirtschaft oder doch mehr private Initiative und mehr Wettbewerb?“, schreibt der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap im freien Kommentarfeld.

          Dominika Langenmayr aus Eichstätt-Ingolstadt ist vorsichtiger. „Aufgrund der vielen verschiedenen möglichen Koalitionen ist es schwierig, zu diesem Zeitpunkt Vorhersagen zu treffen“, sagt sie. So sei unklar, wie insbesondere bei den Dreierkoalitionen verschiedene Wahlprogramme in ein gemeinsames Regierungsprogramm gegossen werden. „Wäre die Union noch eine verlässliche Vertreterin marktwirtschaftlicher Politik, dann wären die Prognosen über die ökonomischen Effekte verschiedener Koalitionen leichter“, meint Jan Schnellenbach aus Cottbus-Senftenberg und ergänzt: „Leider spielt die Union diese Rolle nicht mehr.“

          Tatsächlich ist das Stimmungsbild der Ökonomen weniger deutlich mit Blick darauf, welche Bundesregierung das Wirtschaftswachstum denn am stärksten ankurbeln würde. Die meisten Panelteilnehmer stimmen hier für eine Koalition aus Union und FDP, mit 44 Prozent aber gleichwohl nur eine einfache Mehrheit. Mit jeweils 18 Prozent folgen ein Jamaika-Bündnis aus Union, Grünen und FDP sowie eine Ampelkoalition.

          Die niedrigste Arbeitslosenquote versprechen sich die Ökonomen ebenfalls von Union und FDP, auch hier aber nur eine einfache Mehrheit von 43 Prozent. Jamaika und Ampel folgen abermals mit jeweils 15 Prozent. Deutlicher fällt das Votum mit Blick auf die Staatsschuldenquote aus. Dass Schwarz-Gelb diese so niedrig halten wird wie kein anderes denkbares Bündnis, glauben 73 Prozent der Professoren. Jamaika folgt an zweiter Stelle mit 9 Prozent.

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