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Lieferengpässe : Bundesregierung rechnet mit Inflationsrückgang ab 2022

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Geldschein im Portemonnaie: Wie entwickeln sich die Preise im kommenden Jahr? Bild: dpa

Die Bundesregierung kappt ihre Konjunkturprognose und rechnet erst 2022 mit einem kräftigem Aufschwung. Im kommenden Jahr soll auch die Inflation niedriger ausfallen.

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          Die Bundesregierung rechnet im kommenden Jahr mit deutlich langsamer steigenden Verbraucherpreisen. Zwar werde die Inflationsrate in diesem Jahr mit 3,0 Prozent so hoch ausfallen wie seit 1993 nicht mehr, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Herbstprojektion der Bundesregierung hervorgeht. 2022 soll sie aber auf 2,2 Prozent und 2023 sogar auf 1,7 Prozent zurückgehen. Zum Vergleich: In dem von der Corona-Krise geprägten Jahr 2020 lag die Teuerungsrate lediglich bei 0,5 Prozent.

          „Die Lieferengpässe und die zuletzt weltweit stark gestiegenen Energiepreise haben zu einem Anstieg der Inflationsrate geführt“, erklärte das Wirtschaftsministerium mit Blick auf die aktuelle Entwicklung. Es geht davon aus, dass die Teuerungsrate bereits zum Jahreswechsel 2021/22 wieder ein „deutlich niedrigeres Niveau erreicht“. Grund dafür sei, dass dann Sonderfaktoren wegfallen. Dazu gehört, dass die Preise im neuen Jahr nicht mehr mit denen des zweiten Halbjahres 2020 verglichen werden, als wegen der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer viele Waren und Dienstleistungen günstiger waren.

          Die Inflationsrate liegt aktuell mit 4,1 Prozent auf dem höchsten Stand seit 1993. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass sie sich zunächst weiter in Richtung fünf Prozent bewegen wird. Für Oktober etwa wird ein Wert von 4,4 Prozent erwartet. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht dazu an diesem Donnerstag eine erste Schätzung.

          Aufschwung im kommenden Jahr

          Im nächsten Jahr rechnet die Regierung auch erst wieder mit einem kräftigen Aufschwung der Wirtschaft. Die Wachstumserwartungen für 2021 wurden heruntergeschraubt. Nach dem coronabedingten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts 2020 erwartet die Regierung für dieses Jahr, dass das Bruttoinlandsprodukt um 2,6 Prozent zulegt - im April war noch ein Plus von 3,5 Prozent vorhergesagt worden. Für 2022 rechnet die Bundesregierung nun mit einem Wachstum von 4,1 Prozent statt wie bisher 3,6 Prozent.

          Der geschäftsführende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte am Mittwoch in Berlin, Deutschland sei nach der Corona-Krise wieder auf dem Wachstumspfad. In diesem Jahr komme es angesichts der aktuellen Lieferengpässe und weltweit hoher Energiepreise aber nicht zum erhofften „Schlussspurt“. Im kommenden Jahr gewinne die Wirtschaft deutlich an Fahrt.

          Gebremst wird die wirtschaftliche Aufholjagd vor allem durch Lieferengpässe. Altmaier sprach von einer historisch einmaligen Knappheit an Vorleistungsgütern. Die Nachfrage nach deutschen Produkten auf den Weltmärkten bleibe aber nach wie vor hoch: „Wenn sich die Lieferengpässe schrittweise auflösen, kommt es in 2022 zu deutlichen Aufholeffekten.“

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