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Schlechtere Qualität? : Die Rückkehr der Meisterpflicht

  • -Aktualisiert am

Das will gelernt sein: Meister mit Auszubildenden im Jahr 1968 Bild: action press

Die Abschaffung sollte den Handwerksberuf attraktiver machen. Jetzt plant die Politik die Rolle rückwärts – nicht ganz ohne Eigeninteresse.

          3 Min.

          Es sollte der große Befreiungsschlag werden, damals vor bald fünfzehn Jahren: Zum 1. Januar 2004 schaffte die rot-grüne Bundesregierung für 53 der 94 Handwerksberufe die Meisterpflicht ab. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wollten die Arbeit im Handwerk so attraktiver machen und die Rekordarbeitslosigkeit lindern. Fliesenleger, Raumausstatter, Rollladenbauer: in diesen und vielen weiteren Berufen kann sich seitdem jeder selbständig machen, der sich das zutraut.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Ob das so eine weise Entscheidung war? In der Politik gibt es daran zunehmend Zweifel. Carsten Linnemann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU und Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung der Union, prescht jetzt vor: „Die Abschaffung der Meisterpflicht war ein Fehler. Die Qualität der Arbeit hat sich in diesen Gewerken teilweise deutlich verschlechtert, außerdem wird weniger Nachwuchs ausgebildet“, sagte er im Gespräch mit der F.A.Z. „Wir sollten die Meisterpflicht deshalb in bestimmten Berufen wiedereinführen.“ Linnemann verweist unter anderem auf Gewerke wie das der Fliesenleger. „Die Zahl der Fliesenlegerbetriebe steigt seit Jahren signifikant an, aber wir haben heute ein Viertel weniger Auszubildende als damals.“

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