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Bundesrechnungshof : Bayreuth muss teurer werden

Viele können die Bayreuther Festspiele nur über Medien verfolgen - zum Ärger des Rechnungshofes Bild: SCHROEWIG/Eva Oertwig

Die meisten Fans werden auch die 100. Bayreuther Festspiele nicht vor Ort verfolgen können. Der Bundesrechnungshof kritisiert nun die Kartenvergabe massiv. Schließlich wird der Ticketverkauf der Wagner-Festspiele staatlich mit Millionen gefördert.

          Wagnerianer haben den 25. Juli schon lange im Kalender notiert. An diesem Tag werden die Bayreuther Festspiele mit einem neu inszenierten „Tannhäuser“ eröffnet. In diesem Jahr finden sie zum hundertsten Mal seit 1876 statt. Und eines ist so verlässlich wie der wiederkehrende Sängerkrieg auf der Wartburg: Man kommt einfach nicht an Karten. Neukunden müssen zehn Jahre warten.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Den meisten Fans wird deshalb wieder nichts anderes übrigbleiben, als die opern- oder zumindest ereignisbegeisterte Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Fernsehen zu betrachten - und der Musik Richard Wagners im Rundfunk zu lauschen.

          Eine andere deutsche Institution will sich diese Auslese jetzt nicht mehr gefallen lassen - der Bundesrechnungshof. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte die Behörde Ende vorigen Jahres gebeten, die Kartenvergabe für die Musikfestspiele zu prüfen. Schließlich subventioniert der Bund seit 1953 - wie der Freistaat Bayern - den Ticketverkauf jährlich mit einem einstelligen Millionenbetrag.

          „Es fehlt eine systematische Herangehensweise“

          Wenige Wochen vor dem diesjährigen Wagner-Fest legt die Behörde nun ihren Bericht vor, in dem sich eine vernichtende Kritik an der staatlichen Förderpolitik findet: „Wir haben festgestellt, dass das Förderziel des Bundes, die Festspiele einem breiten Publikum zu öffnen, kaum erreicht wird, weil nur ein geringer Teil der Karten für den freien Verkauf zur Verfügung steht“, wird gerügt. „Es fehlt eine systematische Herangehensweise, welche Zielgruppen mit welchen Maßnahmen zu erreichen sind.“

          Die Recherchen des Rechnungshofs ergaben, dass die Festspielveranstalter einen Großteil der Karten an sogenannte Kontingentkunden oder gar als Freikarten abgeben. So hätten der Allgemeinheit 2010 nur 40 Prozent der Karten zur Verfügung gestanden, für Premieren sogar nur 16 Prozent.

          Eine Hausaufgabe stellen die Rechnungsprüfer daher dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der im Kanzleramt der Opern-Freundin Angela Merkel sitzt: Er soll seine Förderziele konkretisieren und eine aussagefähige Erfolgskontrolle einführen. Kontingente müssten reduziert werden, fordern die Prüfer.

          „Die Notwendigkeit von Freikarten sollte kritisch geprüft und die Vergabe schriftlich geregelt werden.“ Wegen der hohen Nachfrage regen sie an, die Kartenpreise anzupassen. „Eine Marktstudie könnte Spielraum für Preiserhöhungen aufzeigen, der zugleich eine möglichst breite Zielgruppenansprache gewährleistet.“ So billig wie heute werden dann jene, die bisher eine der 57 750 Karten ergatterten, nie wieder nach Bayreuth kommen.

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