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Steinmeier zur Pandemie : „Wir müssen die Kontakte am Arbeitsplatz reduzieren“

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Für mehr Homeoffice in Corona-Zeiten: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stellt den Appell zusammen mit Rainer Dulger (rechts), Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), und Reiner Hoffmann (links), Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), vor. Bild: dpa

Bundespräsident Steinmeier zeigt sich besorgt über die Corona-Lage. Mit Arbeitgebern und Gewerkschaften drängt er auf mehr Homeoffice – wo immer das möglich sei.

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          Zu hohe Corona-Infektionszahlen, zu viele Kontakte, zu hohe Mobilität: Mit diesem Bild beschreiben viele Politiker die aktuelle Pandemie-Lage in Deutschland. Auch deswegen will sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel schon nächsten Dienstag wieder mit den Ministerpräsidenten treffen. Der Ratschlag an alle lautet seit Monaten, dass jeder Kontakte reduzieren soll. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht das nicht anders und bittet jetzt jeden, der es kann, ins Homeoffice.

          Steinmeier trat dafür am Freitag gemeinsam mit Vertretern der Arbeitgeber und Gewerkschaften vor die Kameras. „Die hohe Zahl der Menschen, die an dem Virus sterben, ist traurig“, sagt er. Mit der neuen Corona-Variante sei die Infektionsgefahr nun verschärft. Ihm mache das große Sorgen.

          Daher kommt nun der Appell zur Heimarbeit von Steinmeier zusammen mit Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und dem DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann: Ihr Aufruf richtet sich sowohl an Unternehmen und Personalverantwortliche, um Homeoffice zu ermöglichen, als auch an die Beschäftigen, dies anzunehmen. Die Kontakte sollten auch am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsweg sinken. „ Wir müssen auch die Kontakte, wo irgend möglich, am Arbeitsplatz reduzieren. Weniger ist mehr. Gerade in diesen Tagen“, sagte Steinmeier. Jede Fahrt im Bus, die vermieden werden könne, helfe.

          Homeoffice geht oft nicht

          Allerdings sprachen Steinmeier, Dulger und Hoffmann selbst nicht aus ihrem Büro heraus oder zeigten sich in einer Videokonferenz, sondern waren für die Fernsehkameras zusammengekommen und standen mit Abstand nebeneinander. Das zeigt, dass sich manche Tätigkeiten anscheinend schlecht digitalisieren oder deren Abläufe sind für die Beteiligten außerhalb des Homeoffice leichter umzusetzen.

          Darüber sind sich die drei Männer mit ihrem Heimarbeits-Aufruf auch bewusst. Sie erwähnen explizit, dass nicht jede Arbeit sich zuhause erledigen lässt. Steinmeier hebt die Mitarbeiter im Gesundheitssystem hervor, die nicht zuhause bleiben können, sich aber dennoch wünschen, dass andere von zuhause aus arbeiten.

          Auch spricht er die Mitarbeiter in der Industrie, Logistik und dem Handel an, die die tägliche Versorgung sichern. Der Bundespräsident erwähnt Kinder und Jugendliche, die Digitalunterricht meistern und Freunde nicht treffen, was er als Vorbild für Unternehmen begreift: Die Arbeitswelt sollte dem nicht nachstehen, forderte Steinmeier. „Helfen Sie mit, dass wir die Pandemie in den Griff bekommen.“

          „Es kann mehr getan werden“

          Die beiden Vertreter der Arbeitgeber und Gewerkschaften hatten auch Lob für die Abläufe in der Pandemie mitgebracht. Das Kurzarbeitergeld sehen sie als hilfreich und bezeichnen den Hygieneschutz an den Arbeitsstätten als gut. „Der Arbeitsplatz ist ein vergleichsweise sicherer Kontakt“, sagte Dulger. Doch brauche es mehr Einsatz. „Es kann noch mehr getan werden und hier sind wir alle gefordert.“

          Gewerkschaftsvertreter Hoffmann nannte die Belastungen durch das Kurzarbeitergeld als enorm. Er warnte davor, dass aus der Gesundheitskrise eine allgemeine Krise werde, bevor er zum Homeoffice und Abstand aufrief. „Das ist eine Anstrengung für viele Menschen, manchmal geht es auch nicht. Aber nutzt alle Möglichkeiten.“

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier : Bild: EPA

          Steinmeier ruft nicht nur zum Homeoffice auf, sondern appelliert auch an das Durchhaltevermögen aller Bürger. „Wir wissen: Es dauert noch, bis alle, die sich impfen lassen wollen, sich impfen lassen können“, sagt er. Nach ihrem Aufruf setzen sie sich wieder ihre Maske auf und gingen weiter.

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