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Online-Kommunikation : Whatsapp hängt alle ab

Whatsapp dominiert. Bild: dpa

Die Bundesnetzagentur hat die Online-Kommunikation der Deutschen unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis: Die drei größten Dienste kommen aus dem Hause Facebook.

          2 Min.

          In der Corona-Krise scheinen Onlinedienste wie Whatsapp, Instagram oder Skype unverzichtbar. Aber auch schon vor der Pandemie mit ihren Kontaktverboten mochten viele Nutzer nicht mehr ohne sie auskommen. Zu den konkreten Umfängen dieser sogenannten OTT-Dienste („over-the-top“, also im Gegensatz zur klassischen Telekommunikation über das Internet laufend) existieren in Deutschland bisher keine offiziellen Statistiken.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bundesnetzagentur hat nun in einer repräsentativen Verbraucherbefragung mit mehr als 2200 Teilnehmern umfangreiche Daten zu Nutzungsverhalten und Nutzungsintensität erheben lassen. Drei der wichtigen Erkenntnisse: Ohne Whatsapp läuft in Deutschland kaum etwas. Die Mehrheit der Nutzer kommuniziert heute mehr als zuvor. Und trotz des Booms der Onlineangebote ist die klassische Telefonie noch lange nicht tot.

          Datenvolumen stark gestiegen

          Trotzdem haben die vor allem amerikanischen Diensteanbieter die traditionelle Telekommunikation umgekrempelt. Der Sektor „durchläuft einen starken Wandel“, konstatiert die Bonner Behörde und macht dies an Zahlen fest. Im Zeitraum 2014 bis 2019 sank demnach das über Festnetze abgewickelte Gesprächsvolumen von 151 Milliarden Minuten auf 94 Milliarden Minuten; das sind 38 Prozent weniger.

          Die SMS-Nutzung ging ebenfalls stark zurück: Im vergangenen Jahr wurden acht Milliarden Kurznachrichten versandt, das entspricht einem Minus von 64 Prozent im Beobachtungszeitraum. Das Gesprächsvolumen im Mobilfunk nahm über die Jahre kontinuierlich leicht zu, um insgesamt 14 Prozent auf 126 Milliarden Minuten. Kein Vergleich jedoch zum mobilen Datenvolumen, das auch Schlüsse auf die Attraktivität der darauf basierenden Online-Kommunikationsdienste erlaubt: Es stieg zwischen 2014 und 2019 um rund 600 Prozent von 395 Millionen Gigabyte auf 2757 Millionen Gigabyte.

          Unter jungen Leuten fast flächendeckend verbreitet

          Aus all dem zieht die Bundesnetzagentur ein Resümee: Das alltägliche Kommunikationsverhalten der Verbraucher wandelt sich zunehmend. Vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind die neuen Dienste praktisch flächendeckend verbreitet. Laut Erhebung nutzen rund 83 Prozent aller Befragten regelmäßig die Online-Angebote zum virtuellen Austausch, vor allem über Smartphones. In der Gruppe der 16- bis 24-Jährigen liegt die Nutzerquote bei 98 Prozent. Die Über-75-Jährigen erreichen einen Anteil von gerade 43 Prozent.

          Insgesamt setzt die Mehrheit der Deutschen auf mindestens zwei Kommunikationsdienste. Doch einer davon hängt die Konkurrenz klar ab: Whatsapp kommt auf eine Nutzerquote von 96 Prozent. Auf den Plätzen folgen der Facebook Messenger mit 42 Prozent, Instagram mit 30 Prozent, Skype mit 18 Prozent und Snapchat mit 12 Prozent. Die Bundesnetzagentur hält sich mit Bewertungen hinsichtlich einer Marktmacht zurück. Doch Behördenpräsident Jochen Homann konstatiert ebenso nüchtern wie unverblümt: „Wir stellen auch fest, dass die drei beliebtesten Dienste Whatsapp, Facebook Messenger und Instagram alle zum Facebook-Konzern gehören.“

          Klassisches Telefonieren weiterhin gefragt

          Was die Netzagentur daneben festgestellt hat: Die Funktionen der Dienste stoßen unter den Kunden auf eine unterschiedliche Resonanz. 95 Prozent der befragten Teilnehmer versenden Text- und Bildnachrichten, 81 Prozent davon sogar täglich. 65 Prozent nutzen Sprachnachrichten, davon 45 Prozent jeden Tag. Dagegen greifen nur 48 Prozent der Nutzer insgesamt regelmäßig auf die Internettelefonie-Funktion zurück und gerade 40 Prozent auf die Videotelefonie. Andere Funktionen würden noch merklich seltener eingesetzt.

          Unterm Strich sorgen die OTT-Dienste für mehr Kommunikation: 61 Prozent der Nutzer äußerten sich entsprechend. Aber was Sprache angeht, gilt: Klassisches Telefonieren ist weiterhin Trumpf. Drei Viertel der Online-Dienst-Nutzer können sich nicht vorstellen, vollständig auf Mobilfunktelefonie zu verzichten.

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