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Wie lange noch? : Bundesbürger trotz Konjunkturflaute in Kauflaune

  • Aktualisiert am

Passanten gehen durch die Fußgängerzone im Zentrum der Stadt Emden. Bild: dpa

Die Lust der deutschen Bevölkerung am Geld ausgeben stützt die schwächelnde Wirtschaft. Doch die Menschen machen sich keine Illusionen – und die Personalabteilungen schreiben immer weniger neue Stellen aus.

          Trotz der schwächelnden Konjunktur bleibt das Konsumverhalten der Verbraucher stabil und damit eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft. Laut der vom Marktforschungsinstitut GfK monatlich erstellten Konsumklimastudie sinkt zwar die Konjunkturerwartung der Bundesbürger auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahren, die Entwicklung des eigenen Einkommens wird aber weiter positiv eingeschätzt. Für September prognostizieren die Marktforscher einen zum Vormonat unveränderten Wert von 9,7 Punkten, wie die GfK am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Zuvor war der Wert drei Mal in Folge gesunken.

          Der Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten mit drohenden Zöllen auch für deutsche Exporte sowie die anhaltenden Diskussionen um den Brexit mit oder ohne Abkommen ließen das Risiko einer Rezession in Deutschland auch in den Augen der Konsumenten weiter steigen, sagte GfK-Konsumklimaexperte Rolf Bürkl.

          Die deutsche Wirtschaft leidet unter Handelskonflikten und der Abkühlung der Weltkonjunktur. Das drückt auf die Stimmung der Unternehmen: Der wichtige Ifo-Geschäftsklimaindex sank im August auf den tiefsten Stand seit November 2012. Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent gemessen am Vorquartal geschrumpft. Zum Jahresanfang war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen. Folgt im laufenden Sommerquartal ein abermaliges Minus, wird von einer Rezession gesprochen. 

          Zahl der Kurzarbeiter stark gestiegen

          Die Personalabteilungen in deutschen Unternehmen schreiben dem Ifo-Institut zufolge angesichts der Konjunkturflaute auch immer weniger neue Stellen aus. Das Beschäftigungsbarometer fiel im August um 1,4 auf 98,1 Punkte, wie die Münchner Wirtschaftsforscher am Mittwoch zu ihrer Umfrage unter 9000 Firmen mitteilten. Das ist der schlechteste Wert seit annähernd fünf Jahren.

          Im bislang robusten Dienstleistungssektor brach das Barometer so stark ein wie zuletzt im Dezember 2007. „Die Dienstleister fallen als Beschäftigungsmotor nach und nach aus“, erklärte das Ifo-Institut. „Die Rezession in der Industrie schlägt sich nun mit Verzögerung auch bei den Dienstleistern nieder.“ Auch im Baugewerbe sank das Barometer, doch sind hier weiter Neueinstellungen geplant. Im Handel bleibt das Beschäftigungsniveau konstant. Und im Verarbeitenden Gewerbe stieg das Barometer sogar. „Jedoch sind die Unternehmen, die Personal eher abbauen wollen, weiter in der Mehrzahl“, so das Ifo-Institut.

          Zudem ist die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit binnen eines Jahres stark gestiegen: Im Mai 2018 bezogen rund 12.000 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld, im Mai 2019
          waren es mehr als dreimal so viel, nämlich 41.000. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Politikers Wolfgang Strengmann-Kuhn hervor.

          Der arbeitsmarktpolitische Sprecher seiner Fraktion sagte dazu, der starke Anstieg sei ein Indikator für die sich abschwächende Konjunktur. Nun gelte es, durch eine kluge Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik die Weichen für die Zukunft zu stellen.

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