https://www.faz.net/-gqe-6zzgs

Bundesbankpräsident Weidmann : „Es liegt in der Hand der Griechen“

  • Aktualisiert am

Vor dieser Wahl sehe ich uns nicht. Das Ziel des Eurosystems ist Geldwertstabilität im Euroraum insgesamt. Geldwertstabilität hätten wir aber natürlich nicht, wenn wir in einem Teil der Währungsunion Deflation und im Rest Inflation zuließen, also nirgendwo das Geld stabil bliebe, die Inflationserwartungen nirgendwo mit dem Ziel des Eurosystems übereinstimmten. Die Anpassungsprozesse im Süden, die ich im Übrigen nicht mit Deflation gleichsetzen würde, können also nicht bedeuten, dass wir in Deutschland einen deutlich höheren Preisanstieg hinnehmen.

Das klang neulich im Bericht der Bundesbank an den Finanzausschuss des Bundestages ganz anders...

Die Stellungnahme enthält nur die Selbstverständlichkeit, dass ein Land wie Deutschland, in dem die Konjunktur derzeit überdurchschnittlich gut läuft, die Lage am Arbeitsmarkt besser ist als in den zwanzig Jahren zuvor, nicht auf Dauer unterdurchschnittliche Inflationsraten aufweisen kann. Das heißt aber nur, die Inflation könnte hierzulande zeitweise um Nachkommastellen über dem angestrebten Durchschnitt von knapp zwei Prozent liegen, so wie diese lange Zeit, als die wirtschaftliche Entwicklung schwach war, etwas darunter lag.

Die EZB wird die Zinsen nicht anheben, solange es schlecht um die Südländer steht. Wie soll sie da gegen Inflation kämpfen?

Es ist die ureigenste Aufgabe der Politik in den Peripheriestaaten, die dortigen Banken dauerhaft zu stabilisieren und dies rasch zu tun. Die Geldpolitik kann das nicht leisten, und es wäre mehr als bedenklich, wenn es aus solchen Überlegungen zu Abstrichen bei unserer Hauptaufgabe käme, der Wahrung der Geldwertstabilität für den Euroraum.

Den Staaten käme es doch gerade recht, wenn sie sich ihrer Schulden durch Inflation entledigen könnten. Sind wir nicht längst in einer „Financial Repression“, in der viele institutionelle Anleger praktisch gezwungen sind, Staatsanleihen zu halten, die weniger Zinsen bringen, als das Geld an Wert verliert?

Einen solchen Zwang wie zum Beispiel Kapitalverkehrskontrollen gibt es nicht. Anleger haben Alternativen und nutzen sie auch.

Es gibt derzeit Menschen, die sich Sorgen um das Gold der Bundesbank machen, das zum Teil im Ausland lagert. Denken Sie darüber nach, es nach Deutschland heimzuholen?

Wir vertrauen unseren Partnern wie der amerikanischen Notenbank, die einen Teil der Goldvorräte für uns in New York aufbewahrt. Jahrzehntelang galt das Gold der Bundesbank dort als sicher, und dies ist es auch heute. In der Abwägung, wo das Gold sicher ist, wo es kostengünstig verwahrt wird und wo es als Währungsreserve nützlich ist, spricht vieles dafür, einen Teil des Goldes in New York zu halten.

Der Bundesrechnungshof hat moniert, die Bundesbank müsste öfter mal nachgucken, ob die Goldbarren wirklich noch da sind...

Hier geht es doch um bilanzrechtliche Fragen, nicht darum, dass der Bundesrechnungshof Zweifel an der Höhe der Bestände hat. Unsere Bilanzierung beruht auf Barrenlisten und einer ausdrücklichen Bestätigung der Partnernotenbanken über die Anzahl der bei ihnen für uns verwahrten Feinunzen Gold. Die Wirtschaftsprüfer haben der Bundesbank stets bescheinigt, die Goldbestände ordnungsgemäß bilanziert zu haben.

Das Gespräch führten Holger Steltzner und Christian Siedenbiedel.

Weitere Themen

Topmeldungen

Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.