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Bundesbank-Kommentar : Weidmanns Vorsorge

  • -Aktualisiert am

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zahlt weniger Gewinn aus - er hätte noch mehr einbehalten dürfen Bild: dapd

Zum dritten Mal in Folge überweist die Bundesbank einen geringeren Gewinn an den Bund. Damit macht sie sich im Finanzministerium keine Freunde. Doch Jens Weidmann hätte ruhig noch weitergehen können.

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          Die Bundesbank geht zu Recht auf Nummer sicher und überweist zum dritten Mal in Folge einen geringeren Gewinn an den Bund. Innerhalb von drei Jahren ist der Betrag von gut 6 Milliarden Euro auf etwa ein Zehntel geschrumpft. Mit der jüngsten Kürzung wird sich der Bundesbankpräsident im Bundesfinanzministerium keine Freunde machen, dort hatte man mehr Geld eingeplant. Doch Jens Weidmann hätte ruhig noch weitergehen können.

          Warum nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um die Bundesbank vor den wachsenden Risiken abzuschirmen? Die verbliebenen 643 Millionen Euro, die nun an den Staat überwiesen werden, hätte Weidmann auch noch in die Risikovorsorge stecken sollen. Nicht weil dann wirklich alle Risiken abgedeckt wären.

          Die Wagnisrückstellung steht jetzt bei knapp 8 Milliarden Euro. Wer kann schon abschätzen, ob das reicht, wenn der von Notenbankern gewohnheitsmäßig als undenkbar bezeichnete Fall eines Euroaustritts Griechenlands doch Wirklichkeit wird? Dann könnten auch weitaus größere Verluste anfallen. Eine Milliarde mehr oder weniger würde das Spiel nicht wirklich verändern.

          Und doch wäre ein Bundesbankgewinn von null Euro wünschenswert und ein gutes Signal. Mancher Politiker hängt immer noch Träumen nach, in denen die Notenbank marode Staatshaushalte finanziert. Der dahinschmelzende Bundesbankgewinn ruft in Erinnerung, dass die Zeche am Ende doch der Steuerzahler begleichen muss.

          Ein unverhoffter Geldregen?

          Politische Signale kann sich ein Bundesbankpräsident natürlich nicht leisten, weshalb Weidmann auch routiniert beteuert, die höhere Risikovorsorge sei allein Ergebnis objektiver Risikoanalyse. Nun kann sich aber jede Bank mit der Wahl der Annahmen in ihren Risikomodellen zumindest vorübergehend arm oder reich rechnen.

          Noch etwas ärmer wäre in diesem Fall die beste Wahl gewesen. Denn solange nicht absehbar ist, welches Ende die Schuldenkrise nimmt, sind Gewinne aller Banken nicht viel mehr als Ausschüttungen auf Hoffnungswerte. Alle Mittel für die Risikovorsorge zu verwenden ist damit nur folgerichtig.

          Gewinne und Verluste der Bundesbank
          Gewinne und Verluste der Bundesbank : Bild: F.A.Z.

          Das Geld wäre ja auch gar nicht weg. Wenn sich die Schuldenkrise doch noch in Wohlgefallen auflöst, würden bei der Bundesbank bald schöne Gewinne anfallen. Das Geld ginge am Ende doch noch an den Bundeshaushalt. Und wer weiß, vielleicht würde die Regierung den unverhofften Geldregen dann ja für eine Sondertilgung der Staatsschulden nutzen.

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