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Inflation und SPD-Parteibuch : Hier plaudert der Bundesbank-Chef aus dem Nähkästchen

  • Aktualisiert am

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel Bild: dpa

Joachim Nagel sagt, wann die EZB die Zinsen anheben soll, was er vom deutschen Immobilienmarkt hält, und wer ihn zuerst für seine Postion anfragte. Und bietet seinen jungen Fragestellern direkt das Du an.

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          Die Zeit der extrem niedrigen Zinsen dürfte in der Europäischen Währungsunion nach Ansicht des Bundesbank-Präsidenten Joachim Nagel bald zu Ende gehen. „Es gibt ja schon viele Stimmen – ich gehöre auch dazu –, die dann sagen würden, dass man im Juli schon den ersten Zinsschritt machen könnte“, sagte er während einer Gesprächsrunde mit jungen Bürgern. Angesichts der derzeitigen Datenlage spreche zumindest einiges für eine mögliche Straffung, fügte er hinzu. Nagel hat jüngst schon signalisiert, dass zumal negative Zinsen im Euroraum „relativ bald“ Geschichte sein dürften.

          Aktuell beträgt der sogenannte Einlagensatz, den die Europäische Zentralbank festlegt, minus 0,5 Prozent. Das heißt, Banken müssen Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Mittel auf den Konten der Notenbank horten. Der Leitzins beträgt gegenwärtig null Prozent. Die nächsten Zins-Sitzungen der EZB stehen am 9. Juni und am 21. Juli an.

          Bundesfinanzminister Christian Lindner sagte im Gespräch mit dem „Spiegel“, er begrüße es, dass die EZB bald Zinsschritte unternehme. Die Treiber der Inflation seien allerdings die Energiepreise und die gestörten Lieferketten, weniger die Notenbankpolitik: „In der Verantwortung steht aber vor allem der Staat“, betonte der FDP-Chef. Der Bundestag hat gerade das Steuerentlastungsgesetz 2022 beschlossen, eine der Reaktionen der Ampel-Koalition auf die stark gestiegenen Energiepreise.

          „Manchmal kneift man sich selbst“

          Die EZB steht unter Zugzwang, da die Teuerungsrate mit zuletzt 7,5 Prozent weit über das Ziel der Notenbanker hinausgeschossen ist – sie streben mittelfristig eine Teuerungsrate von ungefähr 2 Prozent an. Die Bundesbank sieht auch deshalb Eile geboten, da sie hierzulande für dieses Jahr mittlerweile mit einer hohen Teuerungsrate von fast sieben Prozent rechnet.

          Nagel betonte zudem, die Bundesbank habe immer wieder deutlich darauf verwiesen, dass es am Immobilienmarkt in Deutschland zu „einer Unwucht“ kommen könne und es Anzeichen einer Überhitzung gebe: „Ich denke die Zinsentwicklung wird auch dazu beitragen, dass vielleicht an der einen oder anderen Stelle die Preisentwicklung so nicht mehr ist, wie sie in den letzten zehn Jahren zu beobachten war. Ich denke, das hilft auch an der Stelle sehr, Überhitzungs-Tendenzen einzudämmen.“

          Der Bundesbank-Präsident kam in der Townhall-Veranstaltung, während der er von jungen Fragestellern ausdrücklich geduzt werden durfte, auch darauf zu sprechen, wie er in seine Position gekommen war. Er sagte, sein Berufsprofil und nicht sein SPD-Parteibuch sei ausschlaggebend für seinen Posten. „Ich bin Bundesbank-Eigengewächs, ich habe das Bundesbankgeschäft gelernt - von der Pike auf.“ Er könne viel mehr vorweisen als ein Parteibuch: „Als Bundesbankpräsident bin ich jetzt nicht hier, weil ich Sozialdemokrat bin.“ Nagel steht als Nachfolger von Jens Weidmann seit Anfang des Jahres an der Spitze der Deutschen Bundesbank. Er erklärte, dass ihn der vorzeitige Rückzug Weidmanns überrascht und er eigentlich nicht gedacht habe, dass die Wahl auf ihn fallen würde.

          Nagel plauderte dabei aus dem Nähkästchen: Den ersten Anruf im Zusammenhang mit seiner Nominierung habe er voriges Jahr vom Finanzminister Lindner erhalten, zu einem Zeitpunkt, als der noch nicht Finanzminister gewesen sei. „Also ist es dann doch wichtig, dass man den einen oder anderen Kontakt hat, obwohl wir uns vorher nicht kannten“, räumte der Ökonom ein.

          Auch das entscheidende Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Dezember 2021 sei ihm noch sehr gut in Erinnerung: „Ich bin danach - das kann man so sagen - mit nass geschwitztem Hemd da rausgegangen aus dem Gespräch.“ Er habe sich gedacht, es sei „eher semi“ gelaufen. Doch eine SMS Lindners habe dann für Klarheit gesorgt, dass er den Posten erhalten würde.

          Der Bundesbankchef räumte zugleich ein, dass er nach wenigen Monaten im Amt noch nicht so richtig angekommen sei: „Manchmal kneift man sich selbst.“ Sein Job an der Spitze der Bundesbank galt als Rückkehr zu seinen Wurzeln, da er vor anderen Stationen seiner beruflichen Laufbahn insgesamt 17 Jahre bei der Bundesbank tätig gewesen war. Der promovierte Volkswirt saß dabei insgesamt sechs Jahre im Vorstand. Im Jahr 2017 wechselte der Karlsruher zur Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und im Jahr 2020 zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), bevor er nun 2022 wieder zur deutschen Zentralbank zurückkehrte.

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