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Nach Warnung in Amerika : Deutsche Behörde sieht keine Gefahren von Kaspersky

  • Aktualisiert am

Der Hauptsitz von Kspersky in Moskau. Das BSI sieht keine Gefahren wegen einer Zusammenarbeit. Bild: Reuters

Amerikas Präsident Trump hat vor dem russischen Anti-Virenprogramm-Konzern Kaspersky gewarnt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gibt Kontra: Die Zusammenarbeit sei „gut und vertrauensvoll“.

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          Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am Donnerstag die seit Jahren gute und „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit dem russischen Antivirensoftware-Hersteller Kaspersky Lab hervorgehoben. Erkenntnisse des Unternehmens flössen nach Analyse und Bewertung durch das BSI bei Bedarf auch in die Lagebilder des BSI ein, teilte die Behörde auf Anfrage mit. Die Bundesverwaltung nutze derzeit keine Produkte des russischen Anbieters.

          „Das BSI weiß die Zusammenarbeit und die hochwertigen Analysen von Kaspersky zu schätzen“, teilte die Behörde auf Anfrage mit. „Kaspersky Lab hat sich in verschiedenen Fällen als verlässlicher und kompetenter Partner erwiesen.“ Die Behörde habe keinen Anlass zu vermuten, dass Kaspersky Labs russische Cyber-Aktivitäten bewusst ignorieren würde. Eine Reihe wichtiger russischer Cyber-Spionage-Kampagnen habe das Unternehmen vielmehr als erstes veröffentlicht und detailliert beschrieben.

          Streit zwischen USA und Russland wegen Kaspersky

          Die amerikanische Regierung hatte gegen Kaspersky schwere Vorwürfe wegen angeblich direkten Verbindungen zu russischen Geheimdiensten erhoben. Sie hat den Bundesbehörden verboten, die entsprechende Software zu nutzen. Der Einsatz von deren Anti-Virus-Software könne die nationale Sicherheit gefährden, begründete die Regierung von Präsident Donald Trump ihre Vorgabe. Sie äußerte den Verdacht, dass Kaspersky anfällig für eine Einflussnahme durch das Präsidialamt in  Moskau sei. Dieses kritisierte den Schritt. „Solche Aktionen konterkarieren den fairen Wettbewerb und internationale Regeln“, sagte ein Kreml-Sprecher. Sie stellten außerdem die  Zuverlässigkeit der USA als Partner infrage. Die russische Regierung werde Unternehmen wie Kaspersky unterstützen, wo das möglich sei.

          Das Heimatschutzministerium der Vereinigten Staaten hat die Behörden aufgefordert, den Gebrauch der fraglichen Software binnen 90 Tagen zu beenden. Es bestehe die Gefahr, dass die russische Regierung allein oder in Zusammenarbeit mit Kaspersky den Zugang des Unternehmens zu Regierungsinformationen ausnutzen könnte. Die Entscheidung sei nach einer Risikoanalyse getroffen worden, sagte Rob Joyce, im amerikanischen Präsidialamt zuständig für Cyber-Sicherheit. Kaspersky erhalte nun die Möglichkeit, schriftlich Stellung zu nehmen.

          Die weltweit aktive Softwarefirma, die zu den bekanntesten Anbietern in dem Bereich gehört, wies die Vorwürfe erneut zurück und erklärte, diese beruhten auf falschen  Anschuldigungen und fehlerhaften Annahmen. Das Unternehmen hat wiederholt beteuert, keine Beziehungen zu Regierungen zu unterhalten und keine Hilfestellung bei Cyber-Spionage zu
          leisten. In der vergangenen Woche hatte der größte Elektronikhändler der Vereinigten Staaten Best Buy bekanntgegeben, die Produkte der russischen Firma aus den Regalen zu nehmen.

          Kaspersky bietet auch im deutschsprachigen Raum Programme zum Schutz von PCs und mobilen Geräten an. Zu seinen Kunden zählt das 1997 gegründete Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 400 Millionen Privatpersonen und rund 270.000 Unternehmen. Die finanziellen Auswirkungen der Entscheidung dürften jedoch gering sein. Die Behörden gaben zuletzt lediglich wenige Hunderttausend Dollar für Kaspersky-Programme aus, wie aus Einkaufs-Datenbanken hervorgeht.

          Die Regierung untersagte zudem den geplanten Verkauf des Chipkonzerns Lattice Semiconductor an eine amerikanische  Beteiligungsgesellschaft mit Verbindungen nach China. Diese Transaktion stelle ein Risiko für die nationale Sicherheit dar, sagte Finanzminister Steven Mnuchin. Der angestrebte Kauf durch eine amerikanische Beteiligungsgesellschaft wäre nach Recherchen des Nachrichtendienstes „Reuters“ indirekt von der chinesischen Regierung mitfinanziert worden. Der Bieter Canyon Bridge Capital Partners steht außerdem über mehrere Ecken in Verbindung mit dem Weltraum-Programm der Volksrepublik.

          Für die Sicherheitsausstattung der deutschen Bundesverwaltung habe zuletzt im August 2016 der Dienstleister Cancom online GmbH als wirtschaftlichstes Angebot den Zuschlag erhalten. Dieser arbeite mit dem Antiviren-Software-Hersteller Trend Micro zusammen, hieß es vom BSI. Für eine Übergangsfrist stünden der Bundesverwaltung derzeit Programme der amerikanischen Anbieter Symantec und Trend Micro parallel zur Verfügung.

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