https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/bund-zahlt-fuer-gratis-corona-tests-knapp-3-7-milliarden-euro-17470763.html

Rechnung für den Bund : Gratis-Corona-Tests kosten knapp 3,7 Milliarden Euro

  • Aktualisiert am

Wie lange noch? Ein Banner vor einer Kirche in Hamburg wirbt mit kostenlosen Corona-Tests Bild: dpa

Im Oktober könnten die kostenlosen Corona-Tests auslaufen, hat das Gesundheitsministerium vorgeschlagen. Die Kosten gehen schon jetzt in die Milliarden.

          2 Min.

          Die für die Bürgerinnen und Bürger bislang kostenfreien Corona-Schnelltests haben den Bund einem Zeitungsbericht zufolge in diesem Jahr bereits mehr als 3 Milliarden Euro gekostet. Die Angaben stammten vom Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS), teilte das Bundesgesundheitsministerium laut der „Rheinischen Post“ (Donnerstagsausgabe) mit.

          Demnach zahlte der Bund für Leistungen der Labordiagnostik in Höhe von 782 Millionen Euro, 1,084 Milliarden Euro Sachkosten für die Antigen-Schnelltests und weitere Leistungen gemäß der aktuellen Testverordnung in Höhe von knapp 1,75 Milliarden Euro, worunter insbesondere die Abstrichnahmen fallen. 

          Zusätzlich übernahm der Bund dem Bericht zufolge in diesem Jahr rund 74 Millionen Euro für Tests in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und in Obdachlosenunterkünften. In Summe belaufen sich die bisherigen Kosten für 2021 demnach auf knapp 3,7 Milliarden Euro.

          Diskutiert wird darüber, die Kostenbefreiung bei den Tests künftig für all jene zu beenden, für die es eine Impfempfehlung gibt. Das Bundesgesundheitsministerium hat dies für Mitte Oktober vorgeschlagen. Es wird davon ausgegangen, dass alle, die eine Impfung wollen, bis dahin vollen Impfschutz haben können. Weiterhin kostenfrei blieben die Tests für Kinder, solange es für sie keine Impfempfehlung gibt, und Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

          „Besser in Impfkampagnen investieren“

          Der Deutsche Städte- und Gemeindebund zeigte Sympathie dafür. Wer die Impfung verweigere, treffe eine persönliche Entscheidung, deren Folge der Staat nicht finanzieren müsse, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem „Handelsblatt“. „Die flächendeckenden kostenlosen Bürgertests für alle verschlingen große Summen an Steuergeldern, die besser in weitere Impfkampagnen investiert werden sollten.“

          Dagegen kritisierte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, im selben Blatt den Vorstoß. Das Ministerium lasse offen, wie das Fortbestehen der Testinfrastruktur gewährleistet werden solle. Es sei auch nicht zu verantworten, wenn sich im Falle zunehmenden Infektionsgeschehens im Herbst nur „Gut Betuchte“ testen ließen.

          Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, warnte vor den sozialen Folgen. „Für uns als Wohlfahrtsverband ist wichtig, dass all diejenigen, die sich nicht testen lassen können und für die keine Impfempfehlung der Stiko vorliegt, weiterhin kostenlose Corona-Tests bekommen müssen“, sagte er dem Blatt.

          Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Jan Korte, kritisierte die Pläne der Bundesregierung. Menschen, die nicht geimpft werden könnten, seien darauf angewiesen, dass Infektionen schnell erkannt würden, sagte er der Zeitung. „Es wäre deshalb fatal, wenn die Bundesregierung sich jetzt aus der Verantwortung stiehlt und Testangebote zurückzieht."

          Korte sprach sich für eine groß angelegte Impfinformations- und Aufklärungskampagne aus, um zweifelnde Menschen von der Impfung zu überzeugen. „Wo sind die Spots im Fernsehen und in den sozialen Medien, wo sind die Info- und Impfteams in den Brennpunkten?", fragte er.

          Weitere Themen

          Erstes Gasspeicherziel erreicht

          Deutschland : Erstes Gasspeicherziel erreicht

          Bevor die Heizperiode beginnt, versucht die Bundesregierung die Gasspeicher zu füllen – das erste Ziel von 75 Prozent ist erreicht. Deutschland bereitet sich auf einen eventuellen Ausfall von russischen Gaslieferungen vor.

          Ein Treiber und Getriebener

          Zum Tode Anshu Jains : Ein Treiber und Getriebener

          Als Co-Vorstandsvorsitzender verkörperte Anshu Jain über viele Jahre das Investmentbanking einer Deutschen Bank, die mit den amerikanischen Riesen der Branche wetteifern wollte. Nun ist er mit 59 Jahren gestorben.

          Topmeldungen

          Anshu Jain war eine so leidenschaftliche wie umstrittene Führungsfigur.

          Zum Tode Anshu Jains : Ein Treiber und Getriebener

          Als Co-Vorstandsvorsitzender verkörperte Anshu Jain über viele Jahre das Investmentbanking einer Deutschen Bank, die mit den amerikanischen Riesen der Branche wetteifern wollte. Nun ist er mit 59 Jahren gestorben.
          Videokonferenz zwischen Joe Biden und Xi Jinping im November 2021.

          China und Amerika : Ist ein Krieg noch zu vermeiden?

          Ob und wie sich der Wettkampf der Systeme kontrollieren lässt, wird öffentlich bislang kaum debattiert. Der Weckruf des ehemaligen australischen Premierministers Kevin Rudd ist angesichts der Taiwankrise aktuell wie nie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.