https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/bund-sagt-bauern-wegen-duerre-hunderte-millionen-euro-hilfe-zu-15750180.html

Wegen der Dürre : Bund sagt Bauern Hunderte Millionen Euro Hilfe zu

  • Aktualisiert am

Harte Zeiten: Landwirte in Deutschland haben diesen Sommer mit großen Ernte-Ausfällen zu kämpfen. Bild: dpa

Landwirte mit starken Einbußen wegen der Dürre sollen 340 Millionen Euro Nothilfen bekommen. Klar wird jetzt auch, wie viele Bauern in ihrer Existenz bedroht sind und wie viel Ernte bislang ausgefallen ist.

          2 Min.

          Landwirte mit starken Einbußen wegen der wochenlangen Dürre sollen staatliche Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro bekommen. Angesichts von Ernteschäden „nationalen Ausmaßes“ will der Bund 150 bis 170 Millionen Euro geben, erklärte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) gerade in Berlin. Die Länder sollen ergänzend die Hälfte des Gesamtbetrags tragen. Insgesamt seien nach Länderangaben bundesweit ungefähr 10.000 Betriebe so sehr betroffen, dass sie in ihrer Existenz bedroht seien.

          Generelle Schwelle für Hilfen ist, dass in einem Betrieb mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung zerstört sind. Als Voraussetzung für die Hilfen erklärte Klöckner den nationalen Notstand, also ein Wetterereignis
          von nationalem Ausmaß. Die konkreten Verfahren für die Unterstützung wollen der Bund und die betroffenen Länder nun gemeinsam festlegen. Nach Angaben von Klöckner haben bislang 14 Bundesländer Interesse an solch einem gemeinsamen Hilfsprogramm bekundet. Nur das Saarland und Rheinland-Pfalz wollen es nicht in Anspruch nehmen.

          Zuletzt hatte sich der Bund 2003 wegen einer Dürre an Finanzhilfen beteiligt. Damals zahlte er mit acht betroffenen Ländern insgesamt 80 Millionen Euro aus. Nun seien Schäden von 680 Millionen Euro gemeldet worden. Es gebe aber keine „Vollkasko-Entschädigung“, sagte Klöckner.

          „Miserable Ernte“

          Die massive Trockenheit hat in diesem Jahr vor allem im Norden und Osten teils schwere Ernteausfälle verursacht. Bundesweit ergebe sich bei Getreide eine Menge von 35,6 Millionen Tonnen und damit ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilte der Bauernverband in seiner Bilanz mit. Hinzu kämen Einbußen bei Kartoffeln, Zuckerrüben und vor allem beim Anbau von Tierfutter. In einigen Regionen lägen Ernteverluste zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen.

          Bauernpräsident Joachim Rukwied begrüßte die Nothilfen. „Das ist ein gutes Signal für alle betroffenen Landwirte“, sagte er am Mittwoch. Die Länder müssten jetzt ihre Verantwortung und ihren Anteil übernehmen. Hilfen müssten schnell und unbürokratisch umgesetzt werden.

          Außerdem seien höhere Erzeugerpreise für Getreide an den internationalen Märkten dringend erforderlich. Ackerbauern mit großen Einbußen profitierten aber nur begrenzt, wenn sie keine nennenswerten Mengen zu höheren Preisen absetzen könnten. Der Verband hatte Hilfen von bis zu einer Milliarde Euro gefordert.

          Akute Probleme haben auch viele Viehhalter, bei denen Futter knapp zu werden droht. Wegen der Dürre ist einmal gemähtes Gras nun vielfach nicht für den sonst üblichen zweiten und dritten Schnitt nachgewachsen. Klöckner hat deswegen bereits Erleichterungen auf den Weg gebracht, damit zusätzliche Flächen zum Gewinnen von Futter genutzt werden können.

          Weitere Themen

          Rhein sinkt in Kaub unter 40 Zentimeter

          Kritischer Tiefstand : Rhein sinkt in Kaub unter 40 Zentimeter

          Der niedrige Wasserpegel vom Rhein erschwert zunehmend die Versorgung mit Gütern, wodurch die Energieversorgung weiter beeinträchtigt wird. In Kaub ist der Rhein nun unter die kritische Marke von 40 Zentimetern gefallen.

          Topmeldungen

          Die Bundeswehr in Mali: Militärisch ist der „Einsatz“ schon länger nahezu wirkungslos.

          Bundeswehr-Abzug aus Mali : Gehen, wo Bleiben nichts bringt

          Die malische Junta schikaniert die Bundeswehr seit Monaten. Der Abzug ist konsequent, er sollte aber nicht das Ende eines Engagements in der Sahel-Zone bedeuten.
          Land unter: Hochwasser im Dresdner Zwinger am 16. August 2002

          Sachsen-Hochwasser 2002 : Eine Flut, die alles verändert hat

          Vor 20 Jahren versank Sachsen in bisher nie dagewesenen Wassermassen. Seitdem hat das Land viel Geld und Aufwand in den Hochwasserschutz investiert. Doch der Ministerpräsident sagt: Einen hundertprozentigen Schutz könne es nicht geben.
          Langfristig kein gutes Geschäft: Gas aus einer russischen Gazprom-Pipeline

          Abhängigkeit von Putin : Der Mythos vom billigen russischen Gas

          Deutschland hat trotz der Pipeline-Importe in der Vergangenheit mehr für Erdgas bezahlt als viele andere Länder, zeigt eine neue Berechnung. Eine Rechtfertigung für die Abhängigkeit von Putin scheint damit zerstört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.