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Bürgerkrieg in Libyen : Schwimmende Kraftwerke für Tripolis

Ein schwimmendes Kraftwerk des Unternehmens Karpowership im Dock einer Werft in der türkischen Stadt Yalova. Bild: AFP

Die Türkei will ihren Einfluss auf das vom Bürgerkrieg zerrissenen Libyen ausdehnen. Mittel zum Zweck sind unter anderem Schiffe als Kraftwerke.

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          Mit schwimmenden Kraftwerken will die Türkei die labile Stromversorgung im vom Bürgerkrieg zerstörten nordafrikanischen Libyen wieder stabilisieren. Die libysche Regierung habe eine entsprechende Anfrage über die Bereitstellung von 1000 Megawatt Kraftwerkskapazität gestellt, zitiert die Agentur Bloomberg das türkische Unternehmen Kardeniz Holding AS. Dessen Tochtergesellschaft Karpowership betreibt 25 schwimmende Kraftwerke, die global im Einsatz sind.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Türkische Medien berichten, die Anfrage stehe im Zusammenhang mit dem Besuch einer hochrangigen türkischen Regierungsdelegation in der vergangenen Woche in Tripolis. Dabei sei es um den Wiederaufbau sowie wirtschaftliche aber auch militärische Kooperation gegangen. In Tripolis residiert die international anerkannte Regierung des Landes, die sich zuletzt mit türkischer Militärhilfe Angriffen des von Russland und Ägypten unterstützten Rebellen-Generals Chalifa Haftar erfolgreich erwehren und die 14-monatige Belagerung der Hauptstadt beenden konnte.

          Allerdings sind weite Teile der Infrastruktur zerstört, die Stromversorgung falle bis zu zehn Stunden am Tag aus. Von den 8000 Megawatt installierter Kraftwerkskapazität könnten nur 5000 genutzt werden, berichtet das regierungsnahe türkische Blatt „Daily Sabah“. Neben der Reparatur der beschädigten, teils von türkischen Unternehmen errichteten Anlagen halte das libysche Energieministerium weiter den Bau weiterer Kraftwerke mit 2000 Megawatt für notwendig.

          Zugang zu Elektrizität stark gesunken

          Das 2007 gegründete Unternehmen Karpowership ist den Berichten zufolge global der einzige kommerzielle Betreiber schwimmender Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 4100 Megawatt. Weitere Schiffe mit einer noch größeren Gesamtkapazität befänden sich im Bau. Laut Firmenangaben sind die schwimmenden Stromerzeuger mit einer Kapazität von jeweils bis zu 470 Megawatt in 15 Staaten der Welt im Betrieb. Der Bogen der Einsatzorte reicht vom Libanon über die Westküste Afrikas, Mosambik und den Irak bis nach Indonesien.

          Man habe eine ausreichende Zahl an Schiffskraftwerken zur Verfügung, um innerhalb von zwei bis drei Monaten mit der Stromerzeugung vor Ort zu beginnen, falls es zu einer Einigung komme, sagte der Kardeniz-Sprecher. Die schwimmenden Stromerzeuger könnten vergleichsweise einfach mit dem Stromnetz an Land verbunden werden. Als Energieträger für die Stromerzeugung wird in der Regel Gas oder Öl eingesetzt.

          Beide Energieträger gibt es in dem seit Jahren vom Bürgerkrieg zerrissenen Libyen in großer Menge. Allerdings sei der Export weitgehend zum Erliegen gekommen, wie dort engagierte Vertreter internationaler Energiekonzerne berichten. Zur Eigenversorgung sollte es indes reichen. Nach Daten der Weltbank hatten 2018 nur noch zwei von drei Bürgern des Wüstenstaates Zugang zu Elektrizität, zu Anfang dieses Jahrhunderts hatte die Abdeckung noch fast 98 Prozent betragen.

          Kritiker werfen der Türkei vor, sie wolle sich durch ihr militärisches Engagement in Libyen ihre Rolle als zumindest mediterrane Regionalmacht ausbauen und sich wirtschaftliche Vorteile verschaffen. Nicht zuletzt gehöre dazu auch der Plan der Ausbeutung von Gasvorkommen im Mittelmeer in einer von der Türkei beanspruchten Zone, die bis an libysches Staatsgebiet heranreicht. Die rechtliche Argumentation Ankaras in dem Fall ist umstritten, Anrainerstaaten wie Griechenland und Israel sowie die EU halten sie für unrechtmäßig.

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