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Buchhandel : Bertelsmann erwägt Allianz im deutschen Buchhandel

  • Aktualisiert am

Der Bertelsmann-Club will sein verstaubtes Image ablegen Bild: ddp

Das Konzept Buchklub wirkt veraltet. Internetkonkurrenz und lästige Abnahmeverpflichtungen haben bei Bertelsmann zu chronischem Kundenschwund geführt. Das soll sich ändern: Zusammenarbeit mit dem Buchhandel und Expansion ins Ausland lauten die Strategien.

          Die Bertelsmann AG will ihr Buchklubgeschäft in Deutschland stärken. Daher erwägt der Medienkonzern, eine Allianz im Buchhandel zu schmieden. Das deutsche Buchklubgeschäft, das seit vielen Jahren zu den größten Verlustbringern des Konzerns zählt, soll 2006 in die Gewinnzone vorstoßen.

          Nicht zuletzt dank der Erholung in Deutschland soll die gesamte Direct Group, die bei Bertelsmann das weltweite Buchklubgeschäft betreibt, ihr Betriebsergebnis in diesem Jahr auf rund 100 (Vorjahr: 53) Millionen Euro verdoppeln. Dies kündigte Direct-Group-Vorstandschef Ewald Walgenbach vor Journalisten in Lissabon an, wo Bertelsmann vor kurzem die portugiesische Buchhandelskette Bertrand übernommen hat.

          In der Gerüchteküche gilt Thalia als potentieller Partner

          Auch in Frankreich hatte die Direct Group im vergangenen Jahr zwei Buchhandelsketten erworben. In den Filialen werden nach dem Shop-in-Shop-Prinzip Ableger der jeweiligen Bertelsmann-Buchklubs aufgenommen. Davon erhofft sich der Klub größere Erfolge bei der Mitgliederwerbung und im Absatz.

          „Wir haben große Erwartungen an das Zusammenspiel von Buchhandel und Klub“, sagte Walgenbach. Angesprochen auf Branchengerüchte, nach denen der Bertelsmann-Buchklub an einer Kooperation mit Thalia interessiert sein dürfte, schwieg er beharrlich. Thalia ist mit 173 Filialen die zweitgrößte deutsche Buchhandelskette. Sie hat die Führungsposition jüngst an die neugeschmiedete DHB Buch Handels GmbH verloren, in der die Augsburger Weltbild-Gruppe und das Münchner Familienunternehmen Hugendubel sowie die Buchhändler Wohlthat'sche, Habel und Weiland ihre Filialgeschäfte gebündelt haben.

          Überraschender Schulterschluß von Hugendubel und Weltbild

          Zwischen Thalia und Bertelsmann gibt es bereits eine geschäftliche Verbindung: Die beiden Unternehmen sind mit 34,5 und 26,7 Prozent an dem börsennotierten Online-Händler Buch.de beteiligt. Thalia gehört zu 75 Prozent der Douglas Holding und zu 25 Prozent der Familie Könnecke. Die Könneckes, so verlautet aus der Branche, sollen Hugendubel lange Zeit als den „natürlichen Partner“ für Thalia im Konsolidierungsprozeß in Deutschland angesehen haben. Dem Bertelsmann-Buchklub, der den meisten Buchhändlern seit je ein Dorn im Auge ist, war man hingegen nicht wohlgesonnen.

          Doch möglicherweise dreht sich nun der Wind in Reaktion auf den überraschenden Schulterschluß von Hugendubel und Weltbild. Wenn Thalia in seinen Filialen Bertelsmann-Klub-Ecken eröffnen würde, bekäme das Hagener Unternehmen dafür Mieten und Provisionen sowie zusätzliche Kunden, die über die Klubeinkäufe vielleicht weitere Bücher erwerben. Bertelsmann arbeitet hierzulande schon teilweise nach diesem Prinzip: Von den 300 Buchklub-Filialen in Deutschland agieren 80 als sogenannte Partnerfilialen innerhalb „normaler“ Buchhandlungen.

          Buchklub lag dem Konzern auf der Tasche

          Der deutsche Buchklub, die Keimzelle des Konzerns, lag dem Konzern in den vergangenen acht Jahren schwer auf der Tasche. Seit Mitte 1999 kumulieren sich die Verluste auf mehr als 100 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll nun endlich die ursprünglich schon für 2004 avisierte Ertragswende erreicht und operativ ein kleiner Gewinn von 4 bis 5 Millionen Euro geschafft werden, kündigte Walgenbach an. Da für das Klubgeschäft nur ein Kapital von weniger als 20 Millionen Euro eingesetzt werde, komme man mit diesem Ergebnis schon recht nah an die konzernweit geforderte Kapitalrendite von 15 Prozent heran.

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