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Brüsseler Veto : EU-Kommission verbietet Fusion von Deutscher Börse mit NYSE

Brüssel legt sein Veto gegen die geplante Börsenfusion ein Bild: dpa

Die EU-Kommission hat die Fusion der Börsenbetreiber Deutsche Börse und NYSE Euronext untersagt. Die Brüsseler Wettbewerbshüter stießen sich vor allem an der Marktmacht des angestrebten Börsenriesen im Handel mit Derivaten in Europa.

          Die geplante Fusion von Deutscher Börse und Nyse Euronext ist endgültig gescheitert. Wie erwartet hat die EU-Kommission den Zusammenschluss am Mittwoch untersagt. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia begründete die Entscheidung damit, dass die Fusion auf dem Markt für europäische Finanzderivate fast zu einem Monopol geführt hätte. Das fusionierte Unternehmen käme auf diesem Markt auf einen Anteil von mehr als 90 Prozent. Damit sei das Vorhaben nach europäischem Wettbewerbsrecht nicht genehmigungsfähig gewesen. „Der geplante Zusammenschluss hätte den globalen Wettbewerb ausgeschaltet“, sagte Almunia. Dies hätte den Derivatenutzern und der europäischen Wirtschaft insgesamt erheblichen Schaden zugefügt.

          Börsen
          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die von der Deutschen Börse betriebene Terminbörse Eurex und die von Nyse Euronext betriebene Liffe seien die bei weitem größten Börsen auf der Welt für auf europäischen Werten basierende Finanzderivate und zugleich Wettbewerber auf Augenhöhe, sagte Almunia. Einwände, die Kommission habe eine zu wenig globale Perspektive eingenommen, seien unberechtigt. Die Behörde habe die globalen Auswirkungen der Fusion geprüft. Ein Zusammenschluss der Geschäftsbereiche im „traditionellen“ Wertpapierhandel wäre nach seinen Angaben wohl problemlos möglich gewesen. Wenn die beiden Unternehmen durch Zugeständnisse in der Lage gewesen wären, die genannten Bedenken der Behörde auszuräumen, wäre eine Genehmigung ebenfalls zustande gekommen. Die Vorschläge hätten aber „bei weitem“ nicht ausgereicht.

          EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte intern gegen das Verbot Bedenken angemeldet und geltend gemacht, es sei ein europäischer „Börsenchampion“ vor allem gegenüber der asiatischen Konkurrenz notwendig. Almunia sagte, solche Argumente hätten in der Wettbewerbsaufsicht nichts zu suchen. Außerdem wäre das fusionierte Unternehmen kein „europäischer“ Champion gewesen. Der Kommissar äußerte sich über den Diskussionsprozess mit seinen Kollegen nicht direkt. Er berichtete lediglich, es habe keine Abstimmung über die Entscheidung gegeben. Daraus lässt sich schließen, dass es keinen größeren Widerstand gab.

          Terminbörsen

          Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni, sprach vor Journalisten in Frankfurt von einem „schwarzen Tag für Europa“. Man habe vor knapp einem Jahr einen „großartigen Plan“ präsentiert. „Der fusionierte Börsenkonzern wäre der ideale Partner der europäischen Regulierungsbehörden gewesen, um diese bei der Verwirklichung standardisierter, transparenter und stabiler Märkte in Europa und weltweit zu unterstützen“, sagte Francioni. Die Entscheidung der EU basiere auf einer „realitätsfremd verengten Marktdefinition“ und sei daher falsch. Ob die Börsen rechtlich gegen die Entscheidung vorgehen, blieb zunächst offen. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Börse, Manfred Gentz, teilte mit, die Deutsche Börse werde nun ihr bewährtes Geschäftsmodell weiterführen und ausbauen. „Es besteht zu grundlegenden Änderungen von Strategie, Struktur und Führung kein Anlass, vielmehr sind jetzt Ruhe und Kontinuität geboten“, ließ sich Gentz in einer Mitteilung zitieren. Die Deutsche Börse teilte mit, der Vorstand habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden zugesichert, die gewünschte Kontinuität sicherzustellen und das Unternehmen weiterzuentwickeln. Die Aktie der Deutschen Börse setzte ihre Kursgewinne der Vortage fort. Auch der Aktienkurs der Nyse Euronext zeigte sich leicht im Plus.

          Die Nyse Euronext will sich nach der untersagten Fusion weiter auf ihr bisheriges Geschäft konzentrieren und unabhängig bleiben. „Obgleich wir die Fusion als Möglichkeit betrachtet haben, unsere Pläne zu beschleunigen, stand unser bestehendes Geschäftsmodell immer im Zentrum unserer Strategie“, sagte der Vorstandsvorsitzende Duncan Niederauer. Niederauer stellte weiteres Wachstum im Derivategeschäft in Aussicht. Vor der angekündigten Fusion mit der Deutschen Börse war von Analysten immer wieder die Chicagoer Optionsbörse CBOE als potentieller Übernahmekandidat für die Nyse Euronext genannt worden.

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