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British Telecom : Ausbleibender Jubel

  • -Aktualisiert am

Noch-BT-Chef Vallance hat bald viel Zeit Tee zu trinken Bild: dpa

Der lang erwartete Rücktritt von British Telecom-Chef Vallance hat die Investoren nicht begeistert.

          Eigentlich hätte ein Seufzer der Erleichterung durch die Londoner City gehen müssen: Seit Monaten fordern Analysten, Investoren und Shareholder in zuletzt ungewöhnlich offener Weise, dass Sir Iain Vallance, Chairman von British Telecom (BT), seinen Hut nehmen möge.

          Doch als es am Donnerstag morgen endlich soweit war, sackte der Kurs der ohnedies gebeutelten Aktie erneut ab. Bei nahezu verdoppeltem Handelsvolumen büßte des Papier des britschen Exmonopolisten vorübergehend über sieben Prozent ein. „Die Investoren sind offenbar nicht allzu beeindruckt von der Wahl des Nachfolgers“ kommentierte John Tysoe, Telekom-Analyst bei WestLB Panmure. Iain Vallance soll am 1. Mai durch Sir Christopher Bland ersetzt werden, derzeit Chairman der BBC.

          Skepsis gegenüber dem Neuen

          Bland hat keinerlei Erfahrung in der Telekommunikationsbranche. Stattdessen hat der 62jährige Millionär genau den Traditionshintergrund aus Privatschule und Studium in Oxford, den die BT-Shareholder gerade nicht wollten. Erst im Februar hatte die Financial Times einen von ihnen mit der Warnung zitiert, es genüge nicht, einfach den Besten aus Eton und Cambridge zu nehmen. Die Skepsis gegenüber Bland wird zusätzlich durch seinen Entschluss genährt, seine Rolle als BBC-Chairmann erst aufzugeben, wenn dort ein Nachfolger gefunden sei. Bland wird also bei BT zunächst als Teilzeit-Chairman anfangen.

          Historiker mit Medienerfahrung

          Der studierte Historiker mit jahrzehntelanger Erfahrung beim staatlichen und privaten Rundfunk mag freilich andere Qualitäten mitbringen. David Cleeves von der auf Telekommunikation spezialisierten Forschungsagentur Analysys hält die Wahl von Bland sogar für einen „sehr klugen Schachzug“. Das Stichwort dazu sei Konvergenz. Bland möge zwar keine Erfahrung in der Telekommunikationsbranche haben, dafür aber komme er von dem Unternehmen, dass in Großbritannien führend sei in der Entwicklung neuer Medien. „BBC online ist die beliebteste britische und sogar die größte europäische Website. Sie ist aufgebaut worden unter Blands Führung, ebenso wie eine Reihe von digitalen Fernsehangeboten.“ Die BBC sei zudem traditionell an der Entwicklung von innovativen Techniken beteiligt, ergänzt Cleeves. „All das sind Erfahrungen, die für British Telecom einen neuen Weg eröffnen können.“

          Um seine Analyse zu unterstreichen, verweist Cleeve auf einen jüngeren Entwurf der Labourregierung, wonach die Vielzahl der jetzt bestehenden Regulatoren für Medien und Telekommunikation künftig in einer einzigen Aufsichtsbehörde zusammengefasst werden sollen. „In den nächsten zehn Jahren werden Rundfunk, Internet und Telekommunikation zunehmend verschmelzen.“ prohezeit Cleeves. „BT hat jetzt vielleicht die Chance, sich an die Spitze dieser Entwicklung zu setzen.“

          BT muss zunächst Schulden abbauen

          Die Finanzexperten der City bleiben dennoch skeptisch. Das brennenste Problem für BT ist zunächst einmal die drückende Schuldenlast von dreissig Milliarden Pfund, zehn Milliarden davon gehen allein auf Investitionen in die dritte Mobilfunkgeneration zurück. Vallance´ Rücktritt, so wird in der City spekuliert, könnte den Weg frei machen für eine Bezugsrechteemission, bei der den bestehenden Shareholdern neue Aktien angeboten werden entsprechend zu der Anzahl, die sie bereits halten. Eine solche Ausgabe könnte nach Schätzung von Analysten zwischen fünf und zehn Milliarden Pfund einbringen. Vallance hatte sich dieser Maßnahme widersetzt und auch jetzt lehnt BT öffentlich die Ausgabe neuer Papiere ab. Dennoch könnte die Spekulation darum zum jüngsten Kurseinbruch beigetragen haben, denn die Ausgabe neuer Aktien würde das Papier insgesamt enwerten. Darüber hinaus rechnen viele Anleger offenbar mit einer Kürzung der bislang bei über drei Prozent noch recht üppigen Dividende.

          Vallance sagt nur halbherzig Lebwohl

          Die Freude über Vallance` Abschied dürfte zudem dadurch getrübt werden, dass der 57jährige nur halbherzig Lebwohl sagt. Als Ehrenpräsident nämlich will er noch bis zum nächsten Jahr seine „Erfahrung weiter zur Verfügung stellen“, wie es in der BT-Presseerklärung heisst. Die Position jedoch ist ist alles andere als klar. Dafür gibt es ein warnendes Beispiel. Nachdem Vallance 1995 Peter Bonfield als Vorstandsvorsitzenden holte, eine Funktion, die Vallance zuvor selbst ausgefüllt hatte, und drei Jahre später zustzlich seine Aufgaben als Chairman reduzierte, stellten viele Beobachter fest, dass der Rückzug nur den umso stärkeren Einfluß des Chairmans im Hintergrund verdecke.

          Vallance arbeitet seit 35 Jahren für das Unternehmen, dem bereits sein Vater als Director des schottischen Postbüros angehörte. Dass Vallance heute als konservativ geschmäht wird, entbehrt nicht der Ironie, war er es doch, der 1984 die konservative Regierung davon überzeugte, das staatliche Monopol aufzuheben und BT zu privatisieren - ein Beispiel, dem Regierungen weltweit folgten. 1986 wurde Vallance Vorstandsvorsitzender des prvatisierten Konzerns. Unter seiner Leitung hat sich die Zahl der Mitarbeiter nahezu halbiert.

          „Vallance hat Mobilfunk verschlafen“

          Sein schlechter Ruf ist jedoch jüngeren Datums. „Vallance hat Anfang der neunziger Jahre die Entwicklung im Mobilfunk verschlafen“, analysiert John Tysoe von WestLB Panmure. „Als er schließlich anfing, dort zu investieren, war es zu spät. Vallance hat die Chance verpasst, BT zu einem der Weltmarktführer zu machen.“ Der scheidende Chairman jedoch ist in den Augen der Experten nicht der einzige Schuldige. Die Augen richten sich nun auf den Vorstandsvorsitzenden Bonfield. Auch sein Rücktritt wird in Londons City schon lange erwartet.

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