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Nach dem Brexit-Votum : Britischer Arbeitsmarkt leidet stark

  • Aktualisiert am

Britische Unternehmen stellen derzeit kaum noch ein. Bild: Reuters

Die Zahl neu besetzter unbefristeter Stellen ist in Großbritannien so stark gefallen wie zuletzt zur Rezession 2009 - glaubt man einer Umfrage des Personalvermittlerverbands REC. Der sagt: Das Brexit-Votum ist schuld.

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          Der britische Arbeitsmarkt befindet sich offenbar in einem dramatischen Zustand. Die Zahl der neu besetzten unbefristeten Stellen sei im vergangenen Monat so stark zurückgegangen wie zuletzt während der Rezession 2009, teilte der Berufsverband für Personalvermittlung (REC) an diesem Freitag mit.

          Der Verband bittet seine Mitglieder in seinem monatlichen Stellenreport darum, die Zahl der neu besetzten Stellen mit denen des Vormonats zu vergleichen. War sie höher, niedriger oder ist sie gleich geblieben? Aus den Antworten berechnet REC einen Index, der bei einem Wert von 50 anzeigt, dass sich der Arbeitsmarkt im Vergleich zum Vormonat nicht verändert hat. Werte unter 50 deuten auf einen Rückgang der Einstellungen hin, Werte über 50 auf mehr unbefristete Einstellungen im Vergleich zum Vormonat. Im August ist dieser Index nun zum ersten Mal seit langem unter den Wert von 50 gefallen. Im Vergleich zum Vormonat ist er um 9,8 Prozent gesunken - das war so stark wie seit den Turbulenzen der Finanzkrise nicht mehr.

          REC-Chef sieht Brexit-Votum als Grund

          „Der Arbeitsmarkt hat im Juli einen dramatischen freien Fall erlebt“, sagte REC-Chef Kevin Green. „Die wirtschaftlichen Turbulenzen nach dem Votum für ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen sind zweifelsohne der Grund.“ Viele Unternehmen stellten wegen der erhöhten Unsicherheit neue Mitarbeiter nur noch befristet ein.

          Rupert Harrison, einer der Chefstrategen von Vermögensverwalter Blackrock und früherer Stabschef und ökonomischer Berater des ehemaligen britischen Schatzkanzlers George Osborne, twitterte, das Finazministerium nehme den REC-Report traditionell sehr ernst, weil er üblicherweise eine gute Vorhersage auf die Arbeitsmarktentwicklung biete. „Sie werden besorgt sein“, glaubt er.

          Die britische Notenbank senkte am Donnerstag den Leitzins auf das historische Tief von 0,25 Prozent und stockte ihr Wertpapier-Kaufprogramm auf. Sie wird etwa in den kommenden sechs Monaten 60 Milliarden Pfund ausgeben und damit britische Staatsanleihen kaufen; außerdem beginnt sie ein Kaufprogramm für Unternehmensanleihen.

          Damit wollen sich die Währungshüter gegen eine womöglich drohende Rezession im Vereinigten Königreich stemmen. Sie selbst sagen mittlerweile eine deutlich niedrigere Wirtschaftswachstumsrate von nur noch 0,8 Prozent im nächsten und übernächsten Jahr voraus. Vor der Abstimmung über den EU-Verbleib waren es noch jeweils 2,3 Prozent gewesen.

          Derzeit herrscht auf der Insel Unsicherheit, ob Großbritannien künftig noch Zugang zum EU-Binnenmarkt haben wird. Dies drückt auf die Konsumlaune und lastet auf der Investitionsbereitschaft der Firmen. Die Londoner Währungshüter haben die Hoffnung auf Wachstum in diesem Jahr bereits weitgehend begraben.

          Nach Brexit-Votum : Preissturz auf Londoner Immobilienmarkt

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