https://www.faz.net/-gqe-9uzrj

Energiepolitik im Vergleich : Warum Briten weniger für die Energiewende zahlen als Deutsche

Der Kentish Flats Offshore Windpark in der Nähe von Herne Bay in der Grafschaft Kent Bild: dpa

Das Vereinigte Königreich hat den Kohleanteil seines Strommixes auf ein Prozent reduziert – vor fünf Jahren waren es noch 33 Prozent. Doch auch abseits davon gibt es Unterschiede zur deutschen Energiepolitik.

          2 Min.

          Der Energiemix im Vereinigten Königreich für die Stromproduktion hat sich in den vergangenen Jahren rasant gewandelt. Auffällig ist, dass die Briten bei ihrer Energiewende weniger mit Subventionen und mehr mit marktwirtschaftlichen Preismechanismen arbeiten. Strom aus Kohlekraftwerken ist fast völlig verschwunden. Noch vor fünf Jahren machte Kohle mehr als 33 Prozent am Strommix aus, 2019 ist das auf 1 Prozent gesunken. Spiegelbildlich haben die Erzeugung von erneuerbaren Energien, vor allem Strom aus Windparks, und der Anteil der Gaskraftwerke zugelegt. Windkraftanlagen decken inzwischen 25 Prozent des Stromverbrauchs der Briten; mehr als die Hälfte der Anlagen ist auf dem Meer oft weit vor der Küste aufgebaut. 29 Prozent des Stroms produzieren Gas- und Dampfkombikraftwerke. Rund 25 Prozent tragen die britischen Atomkraftwerke bei. Aufgrund des Kohleausstiegs ist der CO2-Ausstoß deutlich gesunken. Gegenüber 1990 liegt er in Britannien nun um 40 Prozent niedriger, das ist mehr CO2-Reduktion als in Deutschland.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die schnelle Verdrängung der Kohlekraftwerke in Britannien ist in erster Linie das Resultat eines Preismechanismus: Zusätzlich zu den Preisen für die CO2-Emissionszertifikate im europäischen Handelssystem, die viele Jahre nur gering waren, hat die Londoner Regierung einen Aufpreis (Carbon Price Support) eingeführt. Dieser fing 2013 mit knapp 5 Pfund je Tonne an, seit 2015 beträgt er 18 Pfund (gut 20 Euro) je Tonne. Dieser Preiszuschlag für CO2-Ausstoß hat die Kohleverstromung unrentabel gemacht. Innerhalb kurzer Zeit haben die Energieversorger fast alle Kohlekraftwerke abgeschaltet. Stattdessen wurden Gaskraftwerke ausgebaut, die je produzierter Kilowattstunde Strom nur halb so viel CO2 ausstoßen. „Der Carbon-Preis hat die Wende gebracht“, sagt Sebastian Just von der Energieberatungsgesellschaft Aurora Energy Research, die von Oxforder Professoren aufgebaut wurde.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. digital – Jubiläumsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Klärungsbedarf: Zübeyde und Peter Feldmann am Abend der Wiederwahl des Oberbürgermeisters

          Feldmann und die Kita-Affäre : Gut bezahlte Nebenrolle

          Als Zübeyde Temizel noch am Konzept für eine Kita in Wiesbaden gearbeitet haben soll, besichtigte Peter Feldmann schon die „Dostluk“-Baustelle in Frankfurt. Und das ist längst nicht die einzige Ungereimtheit in der Sache.