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Klimaschutz : Briten wollen Kohlekraftwerke abschaffen

Britisches Kohlekraftwerk in York Bild: Picture-Alliance

Die Stromerzeugung auf der Insel soll klimafreundlicher werden. In den kommenden 10 Jahren sollen alle Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Die Regierung setzt auf eine andere Energiequelle.

          2 Min.

          Sie sind Jahrzehnte alt, als Klimakiller berüchtigt – und bisher unverzichtbar: In Großbritannien decken ein Dutzend betagter Kohlekraftwerke ein Fünftel des Strombedarfs. Doch gut zwei Wochen vor der mit Spannung erwarteten Weltklimakonferenz im Dezember in Paris, will die Regierung in London ein Zeichen setzen: Als eines der ersten Industrieländer der Welt werde Großbritannien in den kommenden zehn Jahren alle seine Kohlekraftwerke stilllegen, kündigte Energieministerin Amber Rudd am Mittwoch an.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Für eine fortschrittliche Volkswirtschaft wie das Vereinigte Königreich kann es nicht befriedigend sein, von schmutzigen, kohlendioxidintensiven, fünfzig Jahre alten Kohlekraftwerken abhängig zu sein“, sagte Rudd in einer Rede in London. Stattdessen benötige das Land eine „Energieinfrastruktur, die fit für das 21. Jahrhundert ist“.

          An der Londoner Börse schmierte nach der überraschenden Ankündigung der Aktienkurs des führenden britischen Kohlestromerzeugers Drax Group ab: Die Notierung des Unternehmens fiel am Mittwoch im Handelsverlauf um fast 5 Prozent.

          Kohle ist der klimaschädlichste fossile Brennstoff, aber in vielen Ländern noch immer ein wichtiger Bestandteil im Energiemix – nicht zuletzt deshalb, weil sie billig ist. Deutschland ist noch sehr viel stärker vom Kohlestrom abhängig als Großbritannien: Kohle deckt bisher mehr als 40 Prozent des deutschen Bedarfs. Erneuerbare Energien kommen in Deutschland trotz hoher Investitionen dagegen erst auf einen Anteil von gut einem Viertel.

          In Großbritannien sollen die Tage der Kohlekraftwerke dagegen gezählt sein. Der Energieökonom Dieter Helm lobt die Ankündigung der Regierung als richtigen Schritt: „Der Ausstieg aus dem Kohlestrom ist die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel“, sagte der Professor an der Universität im englischen Oxford der F.A,Z. Bei Umweltschutzaktivisten stieß der Schritt dagegen auf ein gemischtes Echo: Es sei zwar zu begrüßen, dass die schmutzigen veralteten Kohlekraftwerke vom Netz gehen sollen, kommentierte die Organisation Friends of the Earth. Doch setzten die Politiker auf die falschen Alternativen zum Kohlestrom.

          Energieministerin Amber Rudd
          Energieministerin Amber Rudd : Bild: Reuters

          Denn, um die Lücke zu schließen, will die Regierung die Flotte von Erdgaskraftwerken, die heute bereits der wichtigste Stromlieferant auf der Insel sind, ausbauen. Bei der Verbrennung von Erdgas entsteht ebenfalls Kohlendioxid, wenn auch deutlich weniger als bei der Kohle bei gleicher Stromproduktionsmenge. Außerdem will die britische Regierung mit hohen staatlichen Subventionen den Bau neuer Kernkraftwerke fördern. Das gefällt den grünen Aktivisten nicht. Kohle durch Atomstrom und Gasturbinen zu ersetzen, sei so, als beschließe ein Alkoholiker statt zwei Flaschen Whisky nun zwei Flaschen Portwein am Tag zu trinken, sagte ein Sprecher von Friends of the Earth. Der Energiefachmann Helm aus Oxford weist dagegen auf eine ganz andere Herausforderung hin: „Die vielen neuen Gaskraftwerke, welche die Regierung verspricht, müssen nun auch wirklich gebaut werden – und zwar ziemlich schnell“, sagt er.

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