https://www.faz.net/-gqe-836qi

Kommentar : Leere Briefkästen

Nächste Woche streiken die Briefträger. Einst profitierten sie vom lukrativen Briefmonopol. Doch jetzt haben sie schlechtere Chancen.

          Die Züge fahren wieder, dafür bleiben nun die Pakete und Briefe liegen. Kleine Nadelstiche in Form von Warnstreiks, wie sie die Kunden schon in den vorigen Wochen zu spüren bekamen, gehören auch bei der Post zum üblichen Tarif-Ritual. Doch große flächendeckende Arbeitskämpfe waren bisher eine Seltenheit, anders als bei der Bahn hat man sich in aller Regel schnell wieder zusammengerauft.

          Abgesichert durch sein lukratives Briefmonopol fiel es dem Gelben Riesen leicht, den Burgfrieden zu wahren: Wer Konkurrenz nicht fürchten muss, der braucht bei den Abschlüssen nicht zu knausern. Diese Ära ist vorbei. Die Musik spielt jetzt woanders: auf dem vom Online-Handel angetriebenen Paketmarkt, wo sich der frühere Staatskonzern gegen aggressive Konkurrenten behaupten muss, die ihre Lohnkostenvorteile gnadenlos ausspielen.

          So bitter es für die Postzusteller ist: Solange es Verdi nicht gelingt, bei den Konkurrenten steigende Löhne durchzusetzen, werden sie selbst zurückstecken müssen, um Umsätze und Arbeitsplätze zu erhalten. Über die richtige Balance lässt sich streiten, aber dafür sollten sich beide Seiten möglichst schnell wieder an den Verhandlungstisch begeben.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Zu Gast bei Feinden

          FAZ Plus Artikel: Axel Voss auf der Gamescom : Zu Gast bei Feinden

          Der EU-Abgeordnete Axel Voss ist die Hassfigur der Youtuber und Gamer. Mit der Reform des Urheberrechts hat er die Szene gegen sich aufgebracht. Sein Besuch auf der Spielemesse Gamescom lief dann aber anders als erwartet.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.