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Exit vom Brexit? : Tief im Westen kippt die Stimmung

  • -Aktualisiert am

Exit vom Brexit? Einige Briten fordern ein zweites Referendum über den Austritt aus der EU. Symbolfoto Bild: AP

Beim Brexit-Referendum 2016 stimmte in Gloucester eine klare Mehrheit für den Brexit. Wie ist die Stimmung heute? Zu Besuch in einer gespaltenen Stadt, die viel größere Probleme hat als den Austritt aus der EU.

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          „Haben Sie einen Moment Zeit, um über den Brexit zu sprechen?“ Ian Williams hat schon längst aufgehört zu zählen, wie viele Passanten er an diesem Freitagmittag angesprochen hat. Gemeinsam mit drei weiteren proeuropäischen Aktivisten steht er in der Fußgängerzone von Gloucester, unmittelbar gegenüber der riesigen St. Peters Kathedrale. 123 Meter lang, 68 Meter hoch und über 1300 Jahre alt – viel mehr Großbritannien geht nicht. Mit dabei haben sie nicht nur Flyer und Aufkleber, sondern auch ein selbstgebasteltes „Brexitometer“, auf dem die Passanten ihre Haltung zum Brexit eintragen sollen. Tatsächlich geht die Mehrheit der Angesprochenen weiter, sagen sie hätten „keine Lust“ über den Brexit zu sprechen oder „keine Ahnung von Politik“. Doch einige bleiben auch stehen und wollen ihre Meinung auf dem mitgebrachten Plakat festgehalten wissen. Beim Referendum 2016 stimmten in Gloucester 58 Prozent für den Brexit, zumindest an diesem Freitag ist davon nichts mehr zu spüren. Eine Familie mit zwei Kindern bleibt am Informationsstand stehen. Ja, vor zwei Jahren habe sie noch für den Brexit gestimmt, sagt die Mutter, aber damals eigentlich gar nicht gewusst, was die Europäische Union sei. Heute verstünde sie das besser und fordere daher ein zweites Referendum.

          Die Stimmung ändert sich langsam

          Ohnehin sei die Stimmung auf der Straße mittlerweile erheblich besser, sagt Andrew Niblett, Gründer der Gruppe „Gloucester for Europe“. Noch 2016 sei man bei öffentlichen Auftritten und Haustürkampagnen häufig bedroht und beleidigt worden. Inzwischen würde man als Proeuropäer mehr Zuspruch erhalten, meint er. Außerdem habe sich das Remainer-Lager professionalisiert. Vor dem Referendum habe man mit der sehr kostspieligen Leave-Kampagne nicht mithalten können, für ein mögliches zweites Referendum sei man besser vorbereitet.

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