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Reisewarnung wegen Brexit : Warnt May die Briten vor Europareisen?

Bald geht es für die Briten durch einen anderen Durchgang bei der Passkontrolle. Bild: dpa

Der Brexit steht vor der Tür und ob es einen Deal gibt, ist immer noch unklar. Angeblich plant die britische Regierung darum eine Reisewarnung für Europa. Die Regierung dementiert. Doch die Unruhe wächst.

          Dreieinhalb Monate vor dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union forciert die Regierung in London die Vorbereitungen auf ein Scheitern des Brexit-Abkommens mit der EU. Besonders gravierend könnten die Auswirkungen eines ungeordneten EU-Austritts für die Tourismusbranche sein – weshalb britische Beamte nun angeblich radikale Vorsorgemaßnahmen ausloten: Einem Bericht der Zeitung „ The Sunday Times“ zufolge gibt es Überlegungen, britischen Urlaubern davon abzuraten, für das Frühjahr und den Sommer 2019 Reisen in EU-Länder zu buchen.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Eine mögliche Brexit-Reisewarnung könnte für Tourismusunternehmen zu drastischen Umsatzeinbußen führen. Angeblich erwägen Regierungsbeamte in London deshalb auch staatliche Finanzhilfen für Unternehmen, um Insolvenzen von Reiseveranstaltern zu verhindern. Ein Sprecher der britischen Regierung wies dies zurück: Der Medienbericht sei „grundsätzlich falsch“. Allerdings ist seit langem bekannt, dass die Reisebranche zu den Wirtschaftsbereichen zählt, für die der Brexit besonders große Risiken mit sich bringt.

          Unruhe in der Luftfahrtbranche

          Die EU-Kommission hat bisher nicht explizit zugesichert, dass im Falle eines „No-Deal-Brexit“ die Flüge zwischen Großbritannien und der EU weiter reibungslos durchgeführt werden können. Andererseits jedoch strebt Brüssel Vereinbarungen mit den Briten an, die Störungen im europäischen Luftverkehr auch im Falle eines ungeordneten EU-Austritts verhindern sollen. Wie diese Notfallpläne aussehen, ist bisher unklar. Sollte es tatsächlich massenhaft zu Flugausfällen kommen, würde dies auch die Tourismuswirtschaft in der EU hart treffen: Urlauber aus Großbritannien sind vor allem in den südeuropäischen Ländern wichtige Kunden.

          In der Luftfahrtbranche wächst die Unruhe. Vergangene Woche warnte der Weltluftfahrtverband Iata, der Brexit könne im Luftverkehr zu „Chaos“ führen. Ohne ein rechtskräftiges Austrittsabkommen zwischen Großbritannien und der EU werde „dringend ein Notfallplan“ benötigt, sagte Rafael Schvartzman, der stellvertretende Iata-Leiter Region Europa (F.A.Z. vom 14. Dezember).

          Nicht nur die Frage, welche Landerechte für EU-Gesellschaften in Großbritannien gelten würden, bereitet Sorgen. Auch im laufenden Betrieb könnte es haken. Sofern zwischen der EU und London Standards nicht wechselseitig anerkannt würden, müsste das Gepäck von EU-Bürgern, die in London umsteigen, abermals durch die Sicherheitskontrolle. Warteschlangen vor Passkontrollen wären ebenso kaum zu vermeiden.

          Desaströse Folgen

          Auch der Branchenverband European Regions Airline Association (ERA) befürchtet im Falle eines ungeordneten Brexits im Frühjahr „desaströse Folgen“ für den europäischen Luftverkehr. Die EU und Großbritannien müssten mit gegenseitigen Zusicherungen für Planungssicherheit sorgen. Die Regierung in London und die EU-Kommission in Brüssel müssten „jetzt aufwachen, bevor es zu spät ist“, forderte der Verband vor anderthalb Wochen.

          Für die Luftfahrtbranche wäre ein ungeordneter Brexit aus zweierlei Gründen ein Problem: Einerseits ist unklar, wie es mit den Verkehrsrechten für Flüge zwischen Großbritannien und der EU, aber auch innerhalb der EU weiterginge. Der Branchenverband Iata warnte, dass mehr als 1000 Flüge in der Woche zwischen Großbritannien und der EU wegfallen könnten. Andererseits wirft der EU-Austritt im stark regulierten Luftverkehrsmarkt auch Fragen der Eigentümerstruktur auf: Fluggesellschaften, die viele britische Aktionäre haben, könnten Schwierigkeiten bekommen.

          Unberechenbare Politik

          Die politische Entwicklung in Großbritannien wird unterdessen immer unberechenbarer. Die EU und die Regierung in London haben sich zwar nach langen Verhandlungen auf einen Austrittsvertrag verständigt, der in der Wirtschaft zumindest vorerst für Planungssicherheit und geordnete Verhältnisse sorgen würde. Doch das Abkommen droht am heftigen innenpolitischen Widerstand in Großbritannien zu scheitern. Die Regierung von Premierministerin Theresa May droht am Streit um den Brexit zu zerbrechen. Vergangene Woche musste May eine geplante Abstimmung über das Austrittsabkommen absagen, um eine Niederlage, die als weitgehend sicher galt, zumindest vorerst abzuwenden.

          Deutsche Wirtschaftsverbände erhöhen ebenfalls den Druck auf die Politiker, für klare Verhältnisse zu sorgen: „Beim Brexit drohen auch massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft“, sagte Eric Schweitzer, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) der Nachrichtenagentur DPA.

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