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Hering und Makrele gefährdet : Harter Brexit wäre „Desaster“ für deutsche Fischer

Der Nordseehering wird ausschließlich in britischen Gewässern gefangen. Bild: ZB

Lachs und Hering sind die beliebtesten Fische der Deutschen. Doch die Fischer – und damit auch die Verbraucher – haben ein Problem.

          „Wir haben überhaupt keine Idee, was dann passiert.“ Matthias Keller vom deutschen Fisch-Informationszentrum zuckt ratlos mit den Schultern, wenn er auf den Brexit abgesprochen wird. Fast alle Nordseeheringe, die von deutschen Hochseefischern gefangen werden, kommen aus britischen Gewässern. Für die deutschen Fischer wäre es ein „Desaster“, wenn sie dort nach einem harten Brexit im nächsten Frühjahr nicht mehr fischen könnten.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Als „absolut unerfreulich“ bezeichnete Keller die Lage, als er am Mittwoch in Hamburg über die Zahlen der deutschen Fischereiwirtschaft für das letzte Jahr berichtete. Hering, Makrele, Blauer Wittling – bei einem harten Brexit müssten Verbraucher in Deutschland bald tiefer in die Tasche greifen. „Der Hering ist ja nicht weg“, sagte Keller. Fischer aus EU-Ländern dürften ihn aber nicht mehr fangen.

          Lachs vor Alaska-Seelachs vor Hering

          Die deutschen Fischer hoffen, dass die bestehende Fischerei auch nach einem harten Brexit nicht eingeschränkt wird. Aus London, wo viele Regierungsmitglieder sich über die harte Verhandlungsführung der EU beklagen, gibt es aber Signale, die wenig Hoffnung machen. Es kann sein, dass von 2019 an kein Fischereischiff aus EU-Ländern mehr in die britische Nordsee hineingelassen wird. Beim Nordseehering wäre das besonders dramatisch: 100 Prozent der Fänge kämen aus britischen Gewässern, berichtete Keller. Auch bei Makrelen seien es mehr als 50 Prozent. 2015 wurden 51.000 Tonnen Fisch aus Großbritannien importiert, 24.500 Tonnen Exporte der deutschen Fischereiwirtschaft auf die britischen Inseln stehen auf der anderen Seite – zum größten Teil panierte Fischereierzeugnisse wie Fischstäbchen.

          Gleichzeitig bangen die deutschen Fischer um den Ostseehering. Durch die steigenden Temperaturen veränderten sich die Verbreitungsgebiete. In der westlichen Ostsee ist nach Angaben von Kristina Barz vom Thünen-Institut für Ostseefischerei die Nachwuchsproduktion beim Hering eingebrochen. Das habe damit zu tun, dass die Fische wegen der gestiegenen Temperaturen früher in ihre Laichgebiete ziehen. Dort fehle es aber an der notwendigen Nahrung für die jungen Fische.

          Für deutsche Verbraucher ist der Hering nach wie vor einer der beliebtesten Fische. Die Top-5 der wichtigsten Speisefische sah 2017 den Lachs auf Platz 1 – mit 19,2 Prozent Marktanteil, teilte der Vorsitzende des Fisch-Informationszentrums, Thomas Lauenroth, mit. Es folgte der Alaska-Seelachs mit 17,5 Prozent auf Platz 2, knapp dahinter stand weiterhin der Hering mit 16,2 Prozent auf Platz 3.

          Gekauft wird vor allem beim Discounter

          Weil die Nachfrage nach Fisch global steigt – vor allem in Asien –, erwartet Lauenroth bei Fisch, vor allem beim beliebten Seelachs, weiter steigende Preise. 2017 waren Nahrungsmittel im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent teurer. Bei Fisch und Fischereierzeugnissen waren es 3,8 Prozent. Insgesamt haben die deutschen Haushalte rund 413.500 Tonnen Fisch gekauft, was einem Wert von knapp 3,9 Milliarden Euro entspricht. Dabei sind die Deutschen im internationalen Vergleich eher Fischmuffel. Mit 13,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr aßen sie deutlich weniger Fisch als im Vorjahr mit 14,4 Kilo. Im globalen Durchschnitt sind es 20 Kilogramm pro Kopf, in der EU sind es rund 26 Kilo.

          Gekauft wird der Fisch vor allem beim Discounter. „Mit 48,6 Prozent erreichten sie knapp die Hälfte der Einkaufsmenge und entsprachen damit dem Ergebnis aus dem Vorjahr“, sagte Lauenroth. Weil immer mehr Supermärkte eine eigene Fischtheke haben – sie haben einen Marktanteil von 39,2 Prozent –, sind wieder mehr Fischfachgeschäfte verschwunden, Ihr Anteil sank von 5,2 auf 4,6 Prozent am Umsatz.

          Die Discounter sind auch deswegen so stark, weil die deutschen Verbraucher gern zu Fischkonserven und Marinaden greifen, die sich mit einem Marktanteil von 28 Prozent vor Tiefkühlfisch mit 25 Prozent schoben. Aber auch frischer und aufgetauter Fisch wird beliebter und lag mit einem Marktanteil von 12 Prozent erstmals vor Räucherfisch mit 11 Prozent. Gute Nachrichten hatte Keller für die Liebhaber von Krabbenbrötchen. Weil die Nordseekrabben in diesem Jahr früher und stärker gekommen sind, bekämen Fischer nur noch 3 Euro pro Kilo. In der Tendenz dürfte das das Krabbenbrötchen wieder in Regionen bringen, in denen man keinen Schein mehr für ein Krabbenbrötchen hinlegen müsse, sagte er.

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