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Britannien : Wetten auf den Brexit

  • -Aktualisiert am

Kein Ende in Sicht: Die Brexit-Verhandlungen laufen weiter schleppend. Bild: AP

Die Briten wissen nicht, was sie wollen. Am Ende könnten sie beides bekommen: den harten Brexit und den radikalen Sozialisten Corbyn noch dazu. Ein Kommentar.

          Die Briten wissen nicht, was sie wollen. Dass die britische Premierministerin Theresa May im Unterhaus für die Neuverhandlung des von ihr selbst mit der EU ausgehandelten Brexit-Deals stimmt, symbolisiert die Ratlosigkeit und das Versagen der politischen Klasse Großbritanniens.

          Nachdem Brüssel Neuverhandlungen postwendend eine Absage erteilt hat, ist guter Rat teuer. Was passiert denn nun am 1. April? Wird es in wenigen Wochen eine dichte Grenze in Irland geben; wollen beide Seiten wirklich den dortigen Frieden riskieren?

          Wird am Ärmelkanal das Chaos ausbrechen, weil trotz jahrelanger Verhandlungen kaum jemand auf Grenzkontrollen vorbereitet ist? Oder schluckt die EU doch noch die Kröte eines Aufschubs? Nimmt Großbritannien an der Europawahl im Mai teil? Was wird danach eigentlich aus den britischen EU-Parlamentsmitgliedern?

          Den harten Brexit und Corbyn dazu

          Nun steuere man auf einen chaotischen Brexit zu, möglicherweise ungewollt, weil in der Endphase dieses „chicken games“ keine Seite sich zuerst bewegen will, ist in London und Brüssel zu hören. Doch wie passt diese dramatische Einschätzung zu der Gelassenheit an den Märkten? Die Londoner Aktienkurse sind gestiegen, das Pfund zeigt sich stabil und am Anleihemarkt herrscht Ruhe.

          Wetten die Marktteilnehmer wie früher schon vor so mancher Brüsseler Eurokrisen-Gipfelnacht auf eine Einigung in letzter Minute? An Wochenenden hieß es damals regelmäßig, bis zur Börseneröffnung in Tokio muss die Einigung stehen. Darauf sollte man es beim Brexit nicht ankommen lassen. Aber wer weiß, vielleicht sind ja die politischen und wirtschaftlichen Folgen eines harten Brexit gar nicht so furchtbar, wie von Politikern, Medien und Banken an die Wand gemalt?

          Wer britische Wirtschaftsvertreter fragt, was schlimmer für das Königreich wäre, Brexit ohne Vertrag oder ein Wahlsieg von Jeremy Corbyn, Vorsitzender der britischen Labour Party, Oppositionsführer, radikaler Sozialist und erklärter Gegner der EU, erhält erst ein feines Lächeln und dann den Namen Corbyn. Wenn man sich daran erinnert, dass die drei letzten Premierminister der Konservativen (Thatcher, Major, Cameron) über das Verhältnis der Briten zu Europa gestolpert sind, wird klar, warum der Streit nur innenpolitisch zu verstehen ist.

          Obwohl den meisten Briten eine sanfte Trennung von der EU lieber wäre, droht das Gegenteil. Am Ende könnte das Königreich beides bekommen: den harten Brexit und Corbyn dazu.

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