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Theresa May muss sich bekennen : Handelspolitik wird zum wichtigsten Schlachtfeld

Aber wäre ein solches Wirtschaftsmodell der Turbo-Globalisierung mit all seinen Härten in Großbritannien politisch mehrheitsfähig? Andere Fachleute halten die Argumentation Minfords für weltfremd. Amerikanische Farmer und chinesische Stahlerzeuger würden Großbritannien mit ihren Produkten überschwemmen, heimische Anbieter vom Markt fegen und damit britische Arbeitsplätze vernichten, sagen sie voraus. Es sei illusorisch anzunehmen, dass andere Länder im Gegenzug ihre eigenen Märkte für britische Exporteure ähnlich radikal öffnen würden und damit bessere Absatzchancen ermöglichten.

„Wir leben nicht in einer Welt des Freihandels“, sagt der Handelsökonom Rolf Langhammer von der WHU School of Management im rheinland-pfälzischen Vallendar. „Es herrscht Merkantilismus: Alle wollen viel exportieren und möglichst wenig Importe ins Land lassen.“ Tatsächlich versprach der amerikanische Präsident Donald Trump den Briten zwar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos „ein gewaltiges Wachstum“ des Handels zwischen beiden Ländern nach dem Brexit. Tatsächlich aber verhängte seine Regierung kürzlich Strafzölle von fast 300 Prozent gegen den kanadischen Flugzeugbauer Bombardier, um dem amerikanischen Boeing-Konzern zu helfen. Die Entscheidung gefährdete in Großbritannien, wo Bombardier eine Fabrik betreibt, 4.000 Arbeitsplätze. Erst das Veto einer unabhängigen Handelsbehörde in Washington stoppte die Pläne.

Roderick Abbott kennt das Gefeilsche um internationale Handelsabkommen bestens. Der Brite hat vier Jahrzehnte lang als Unterhändler mit am Tisch gesessen, zuerst für die Regierung in London, dann für die EU-Kommission. „Wenn man auf der Gegenseite einen schwachen Punkt erkennt, dann wird man versuchen, diesen auszunutzen“, sagt der Handelsfachmann. Und es sei nun mal ein Nachteil, dass Großbritannien nach dem EU-Austritt nicht mehr Teil eines großen Wirtschaftsblocks mit mehr als einer halben Milliarde Konsumenten sei. „Die Realität ist: Wir sind ein kleines Land, das allein gegenüber großen Volkswirtschaften wie den Vereinigten Staaten eine deutlich schlechtere Verhandlungsposition hat als im Verbund mit der EU.“ Was also tun? Wie kann die Premierministerin May den Konflikt um die Handelspolitik entschärfen und eine Lösung finden, die für beide Lager in ihrer zerstrittenen Ministerriege akzeptabel ist?

Im Londoner Regierungsviertel Westminster machen die verschiedensten Kompromisspläne die Runde: das Land könnte die Zollunion erst später verlassen, Großbritannien könnte im Güterhandel Teil des Zollverbunds bleiben, aber eigene Freihandelsverträge im Dienstleistungshandel abschließen, auch die eigentlich schon verworfene Idee einer neuartigen Zollkooperation mit der EU wird offenbar wieder erwogen. Doch der Raum für Kompromisse ist schmal. Um eine drohende Revolte der Brexit-Hardliner in ihrer Partei abzuwenden, stellte May am Sonntagabend klar: Das Land werde die Zollunion auf jeden Fall verlassen.

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