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Breitbandausbau : Schon wieder Ärger um das schnelle Internet

Flott online gehen: Ein Rohrsystem für die Verlegung von Glasfaserkabeln Bild: dpa

Der Breitbandausbau in Deutschland erhitzt die Gemüter. Jetzt hat der Chef der Monopolkommission der Netzagentur die Leviten gelesen.

          Ob Privatleute oder Unternehmen: Alle wollen schnelles Internet. Die Technologie der Wahl ist die Glasfaser. In diesen dünnen Fasern aus hochreinem Quarzglas werden Daten als Lichtsignale codiert. Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Übertragungen sind unempfindlich gegen elektromagnetische Störungen, die Leitungen bieten eine hohe Abhörsicherheit. Und vor allem: Mit ihnen lassen sich Geschwindigkeiten erreichen, von denen Kupferkabelnutzer nur träumen können.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bis zu 40 Gigabit je Sekunde seien damit möglich, stellt das für den Breitbandausbau in Deutschland zuständige Bundesverkehrsministerium fest: „Glasfasern sind ideal, um große Datenmengen schnell zu übertragen.“

          Doch die Technologie hat einen gravierenden Nachteil. Glasfaser wird vor allem für Datenfernleitungen, sogenannte Backbones, verwendet. Oder für die Anbindung großer Unternehmen. Privatleute kommen nur an wenigen Orten in Deutschland in den Genuss. Die Infrastruktur ist lückenhaft und der Ausbau teuer. Dem steht ein politischer Wille gegenüber: Bis 2018 sollen alle Deutschen auf der Datenautobahn surfen können, mit einer Geschwindigkeit von wenigstens 50 Megabit je Sekunde.

          Um dieses ambitionierte Ziel in der verbleibenden Zeit in die Tat umsetzen zu können, kommt eine Technologie zum Zug, die im Fachjargon Vectoring heißt. Es soll, so verkünden es seine Befürworter, den Datenturbo zünden. Mit seiner Hilfe lässt sich das digitale Tempo im hybriden Netz aus Glasfaserkabel bis zum Kabelverzweiger – das sind die grauen Schaltschränke am Bürgersteig, von denen die Verzweigungskabel zu den Haushalten gehen – und der Kupferdoppelader bis zum jeweiligen Teilnehmeranschluss auf mehr als die geforderten 50 Mbit/s erhöhen. Die Deutsche Telekom verspricht Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s in der mehr als 120 Jahre alten Kupfertechnologie.

          „Fitnesskur“

          Möglich macht das ein kleiner technischer Trick. Vectoring schaltet die teilweise erheblichen elektromagnetischen Störungen, die während der schnellen Übertragung von Daten in der Kupferleitung auftreten, aus. Um die Leitungen für diese Technologie zu ertüchtigen, müssen die Verteilerkästen aufgerüstet werden. Sechs Milliarden Euro binnen vier Jahren koste die „Fitnesskur“. Dafür ist ein Glasfaserausbau bis zu den Kabelverzweigern und die Installation der Vectoring-Technik in den Kästen nötig.

          Wie stets stehen sich auch hier Vorteile und Nachteile gegenüber. Ein Vorteil liegt darin, dass der vom Bund gewünschte Netzausbau schneller und kostengünstiger zu haben ist als mit dem Ausbau reiner Glasfasernetze. Zu den Nachteilen gehört, dass Vectoring nur einen Zwischenschritt auf dem Weg zu den Gigabitnetzen der Zukunft darstellt – die Kritiker sagen: einen unnötigen und teuren.

          Dazu gesellt sich eine unschöne Wettbewerbseinschränkung, wie sie unter anderem die Monopolkommission beklagt. Damit Vectoring den erwünschten Störausgleich bewirken kann, muss der Betreiber die Kontrolle über sämtliche Leitungen am Kabelverzweiger haben.

          Schwieriges Dilemma

          „Das bedeutet: Andere Betreiber können dort keine eigene Technik installieren“, erläutert die Telekom. Oder noch anders formuliert: Das bisher übliche Vorleistungsprodukt, der „entbündelte“ Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung, steht Wettbewerbern beim Einsatz von Vectoring nicht mehr zur Verfügung. Insgesamt besitzt der frühere Telefonmonopolist in Deutschland rund 330.000 Kabelverzweiger; die Wettbewerber haben davon rund 8200 mit eigenen Leitungen angebunden.

          Für die Regulierung der Kommunikationsnetze in Deutschland ist die Bundesnetzagentur zuständig – eine Behörde, die all das in ein schwieriges Dilemma bringt. Einerseits muss sie die Verpflichtung der Deutschen Telekom zur Bereitstellung der Vorleistung aufheben – das ermöglicht Vectoring und beschleunigt den Netzausbau. Damit aber schränkt sie andererseits die Entfaltung der alternativen Netzbetreiber deutlich ein.

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