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F.A.Z. exklusiv : „Breitband für alle“ wäre eine pfiffige Konjunkturhilfe

Ein Arbeiter verlegt Leerrohre für Glasfaserkabel in Tessin in Mecklenburg-Vorpommern. Bild: dpa

Digitalisierung nützt der Wirtschaft, dem Klima und den ländlichen Regionen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft schlägt deshalb in einer bislang unveröffentlichten Studie vor: Schnelleres Internet für alle!

          2 Min.

          Die Forderungen mehren sich, dass das für Anfang Juni geplante Konjunkturprogramm der Bundesregierung vor allem auch dem Klimaschutz zugutekommen sollte. Auf den ersten Blick scheinen Schritte zur kurzfristigen Wirtschaftsankurbelung mit den langfristigen Klimazielen schwer vereinbar. Intelligent betrieben, ließen sich Konjunkturhilfen aber durchaus mit einem längerlaufenden Wirtschafts- und Klimaprogramm kombinieren, heißt es in einem noch nicht veröffentlichten Artikel des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Wissenschaftler schlagen unter anderem vor, dass alle Bundesbürger einen schnellen Breitbandanschluss erhalten sollten.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Damit ließen sich gleich mehrere Probleme lösen: in der Wirtschaft Aufträge und Beschäftigung sichern, die Digitalisierung voranbringen, neue Arbeits- und Lernformen unterstützen, ländliche Gebiete fördern, nicht zuletzt auch Vorsorge für eine mögliche kommende Pandemie treffen. Das schnelle Internet für alle könnte „langfristige Wachstumsimpulse in weniger besiedelte Regionen bringen und neue Geschäftsmodelle ermöglichen“, heißt es in dem Papier. „Die Digitalisierung spielt beim Klimaschutz eine Schlüsselrolle, da sie Homeoffice, Videokonferenzen anstelle von Dienstreisen sowie Fernunterricht ermöglicht.“

          In der Finanzkrise war es ähnlich

          Die Ökonomen verweisen darauf, dass die Forderung nach einer „Green Recovery“, einer Wirtschaftserholung nach „Corona“ im Sinne des Umwelt- und Ressourcenschutzes, auch aus den Reihen der Wirtschaft komme: Auf dem Petersberger Klimadialog im April hatten sich 68 deutsche Konzerne dafür ausgesprochen, darunter auch acht im Dax notierte Unternehmen. Das IW regt jetzt an, neben schnell wirkenden Erleichterungen für Unternehmen langfristige nachhaltige Strukturprogramme zu finanzieren. Dabei sollte man sich an dem 2019 beschlossenen einheitlichen EU-Klassifikationssystem für klimaverträgliche Investitionen orientieren.

          Besonders erprobt und wirksam sei die Sanierung und Optimierung von Bestandsgebäuden und Heizungsanlagen. Die Bauinfrastruktur erzeuge knapp 14 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland. Viel Potential liege in Schulgebäuden, wo auf kommunaler Ebene ein Sanierungsstau von 138 Milliarden Euro bestehe. Weiteren Bedarf sehen die Forscher beim Ausbau der Lademöglichkeiten für Elektroautos, in den erneuerbaren Energien sowie in der Wasserstoff- und Kreislaufwirtschaft. „Mit der Entwicklung dieser weltweit zunehmend gefragten Technologien könnte die deutsche Industrie ihren Vorsprung nutzen und neue Wertschöpfungsquellen erschließen“, heißt es in dem Beitrag.

          Die Autoren warnen jedoch davor, sich vom sinkenden Treibhausgasausstoß in der Corona-Krise täuschen zu lassen. Sie ziehen einen Vergleich zur Finanzkrise 2009. Schon ein Jahr später seien die Emissionen damals sprunghaft um 35 Millionen Tonnen gestiegen. Der Blick zurück lohne auch in anderer Hinsicht: Das in jenen Jahren geschnürte Hilfspaket von 100 Milliarden Euro sei zu mehr als einem Viertel für Investitionen in die öffentliche Infrastruktur verwendet worden.

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