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Bolsonaro spottet nur : Brasilien holzt so viel Regenwald ab wie lange nicht mehr

  • -Aktualisiert am

Das Bild zeigt abgeholzte Zonen im Amazonasgebiet von Humaita im Juli 2019. Die Abholzung in Brasilien hat demnach im Juli um 212 Prozent zugenommen. Bild: dpa

Tausende Quadratkilometer brasilianischer Regenwald sind allein im Monat Juli gerodet worden – etwa drei Fußballfelder in der Minute. Präsident Bolsonaro spottet: „Für meine Kritiker bin ich Hauptmann Kettensäge.“

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          Die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien nimmt offenbar alarmierende Ausmaße an. Gemäß einem Frühwarnsystem des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung INPE sind allein im Juli 2254 Quadratkilometer Regenwald gerodet worden. Das ist fast viermal so viel wie im gleichen Vorjahresmonat und entspricht dem Verlust von drei Fußballfeldern Regenwald je Minute. Schon im Juni hatte das Institut eine Zunahme der Entwaldung um 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet.

          Die monatlichen Warnmeldungen des INPE gelten als vorläufig, nur einmal im Jahr werden definitive Daten veröffentlicht. Danach war die Entwaldung schon 2018 so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Monatsdaten geben Fachleuten zufolge zumindest die aktuelle Tendenz der Entwaldung wieder. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bezeichnet die Daten des INPE als Lüge, die vom INPE im Auftrag internationaler Organisationen verbreitet werde.

          Bolsonaro hat nur Spott übrig

          In der vergangenen Woche hatte Bolsonaro den in Fachkreisen angesehenen Leiter des INPE, Ricardo Galvão, entlassen und durch einen Militär ersetzt. Das INPE solle seine Daten nur noch nach Rücksprache mit den zuständigen Ministerien für Wissenschaft und Umwelt veröffentlichen. Es gehe nicht an, „dass böse Brasilianer falsche Zahlen veröffentlichen und eine Negativkampagne gegen unser Brasilien betreiben“.

          Solche „absurden“ Daten zu veröffentlichen sei „sehr schlecht für uns“; dabei habe Brasilien doch gerade nach 20 Jahren endlich ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet. Vor allem die französische Regierung hatte klargestellt, man werde das Abkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur nicht ratifizieren, wenn der Schutz der Umwelt und des Klimas nicht gewährleistet sei.

          Bolsonaro hat für die Bedenken von Klimaschützern und ausländischen Amtskollegen nur Spott übrig. „Für die bin ich der Hauptmann Kettensäge“, witzelte Bolsonaro Anfang der Woche vor Unternehmern. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel hätten noch nicht gemerkt, dass Brasilien eine neue Regierung habe. Bolsonaro wirft seinen Amtsvorgängern vor, unterwürfig alle Vorgaben des Auslands erfüllt zu haben.

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