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Branchen und Märkte (190): Musikindustrie : Auf der Suche nach der Zukunft

Bild: F.A.Z.

Die Technik hat das Geschäft mit der Musik von Grund auf verändert und auch im 21. Jahrhundert kann man noch viel Geld verdienen. Die Schallplatte wird durch Heimcomputer ersetzt, die Plattenläden durch Internetplattformen - letztere boomen unaufhaltsam.

          Mit Musik kann man auch im 21. Jahrhundert noch viel Geld verdienen. Beispiel eins: Das von der kalifornischen Software-Firma Activision vermarktete Computerspiel „Guitar Hero“ hat sich in den vergangenen drei Jahren mehr als 20 Millionen Mal verkauft. Mit Guitar Hero können Musikfans daheim an der Spielkonsole, mit einer Plastikgitarre in der Hand und mit Soft- ware-Unterstützung ihre Lieblingslieder nachspielen. Guitar Hero gilt mittlerweile als eines der erfolgreichsten Computerspiele - und die Musiker profitieren davon: Nach Angaben von Bobby Kotick, dem Vorstandschef von Activision, haben die Altrocker von „Aerosmith“ mit den Lizenzgebühren des Luftgitarristen-Spiels bereits mehr Geld verdient als mit irgendeinem ihrer zahlreichen Alben.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Beispiel zwei: Als Michael Jackson vor wenigen Wochen nach langjähriger Konzertpause für diesen Sommer sein Bühnen-Comeback ankündigte, waren die insgesamt eine Million Eintrittskarten für 50 Auftritte binnen weniger Stunden vergriffen. Jackson geht nicht auf Tour, er tritt ausschließlich in der größten Konzerthalle Londons auf. Das ist Weltrekord. Noch nie hat ein Künstler eine einzige Halle so oft hintereinander ausverkauft.

          Die CD ist zum kommerziellen Auslaufmodell geworden

          Aus Sicht der Musikindustrie haben die schönen Erfolgsgeschichten von Guitar Hero und vom Konzert-Marathon des „King of Pop“ allerdings einen entscheidenden Haken: Für die Tonträgerhersteller ist es zwar beruhigend zu wissen, dass es noch ein wirtschaftlich nutzbares Interesse an Musik gibt. Aber ihr Geschäft wird dadurch nicht angekurbelt. Wie eine Schallplatte mit Sprung immer an derselben Stelle hängen bleibt, stecken die Musikriesen seit neun Jahren in einer Abwärtsspirale fest, aus der sie bisher keinen Ausweg gefunden haben. Seit das Internet zum Massenmedium geworden ist und das kostenlose Austauschen von digitalen Musikdateien rund um den Globus ermöglicht hat, geht es mit den einst hochprofitablen Plattenkonzernen bergab. Die CD ist zum kommerziellen Auslaufmodell geworden und das bisherige Geschäftsmodell weitgehend ruiniert.

          Zuerst kam die Compact Disc, nun MP3: Das schwarze Vinyl hat ausgedient

          In Deutschland ist der Tonträgerumsatz einschließlich bezahlten Downloads seit Ende der neunziger Jahre um 40 Prozent gefallen. 2008 zeichnete sich mit einem Minus von 4,6 Prozent weiter keine Stabilisierung ab. Auch weltweit zeigt die Umsatzkurve der Branche steil nach unten, seit im Jahr 2000 mit der längst in die Geschichte eingegangenen Online-Tauschbörse Napster der Siegeszug der kostenlosen Internetmusik begann. Der Weltverband der Musikindustrie Ifpi schätzt, dass im vergangenen Jahr weltweit 95 Prozent der Musikdateien illegal erworben wurden.

          Der Niedergang der Musikindustrie begann bei den kleinen Plattenfirmen

          Den Konzernen gelingt es zwar, immer mehr Musikdownloads zu verkaufen, doch das Geschäft mit der CD schrumpft viel zu schnell, als dass diese Lücke geschlossen werden kann. Der Handel räumt mittlerweile den verkaufsschwachen Ladenhütern immer weniger Raum in seinen Regalen ein. Als die australische Hardrockband AC/DC im Herbst ihr neues Album „Black Ice“ auf den Markt brachte, war es in den Vereinigten Staaten auf CD nur in den Filialen des Marktführers Wal-Mart zu bekommen. Die noch vor wenigen Jahren undenkbare Exklusivvereinbarung zeigt, wie sich die Machtverhältnisse zwischen Handel und Musikkonzernen zugunsten der Ladenketten verschoben hat.

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